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Foto: Jörg Steinmetz
Foto: Jörg Steinmetz

„Jazz-Residenz“ der Alten Oper

Verleiht Flügel

Für die „Jazz-Residenz“ in der Saison 2022/2023 konnte die Alte Oper Michael Wollny gewinnen. Der Pianist ist bis Juni 2023 acht Mal in Frankfurt zu sehen – solo, im Duo mit Joachim Kühn, mit seinem Trio und ganz speziellen Projekten, die das Bauhaus und „Nosferatu“ zum Thema haben.
Fünf Jahre lebte Michael Wollny in Frankfurt, bevor er 2014 mit seiner Familie nach Leipzig zog. Dabei hatte er sich gerade erst gemütlich eingerichtet. Aber das Angebot einer Professur an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ war zu verlockend. „Wir hatten vorher keine Pläne, wegzugehen“, sagt er. Denn zu Frankfurt hat der 1978 in Schweinfurt geborene Musiker ein sehr enges Verhältnis. Noch als Berlin sein Lebensmittelpunkt war, kam er oft her. Seine Mutter stammt aus Frankfurt, viel Verwandtschaft väterlicherseits wohnt hier, seine heutige Frau Céline Bräunig war Mitglied des Freien Tanztheater Frankfurt. Und er selbst übernahm den Platz am Piano beim legendären hr-Jazzensemble (dabei: die Mangelsdorff-Brüder Albert und Emil) und begann 2001 eine eindrucksvolle Zusammenarbeit mit dem Saxofonisten Heinz Sauer, die nicht zuletzt viel internationale Beachtung fand. So schreibt der renommierte The Guardian von „einer der großen generationenübergreifenden Jazzpartnerschaften“.

„Ich hatte ja das Glück, in Kreisen unterwegs sein zu können, die ich vor allem als sehr kreative und auch offene Bühne erlebt habe“, erinnert sich Wollny. Und das Frankfurter Publikum hat er da als eines erlebt, „das sehr gut zuhört und immer interessiert und neuen Dingen gegenüber aufgeschlossen war“. Das war die erste Welt, in die er nach dem Studium eintrat, die er als toll empfand und deren sich daraus ergebende Netzwerke er zu nutzen gedachte. „Es kann sein, dass ich mich da in einer Blase bewegt habe, aber das verbinde ich mit Frankfurt.“ Und von Frankfurt kommt er – „Gott sei dank“, wie er bemerkt – nicht los. So musste er nicht lange überlegen, als er die „Jazz-Residenz“ in der Alten Oper für die Saison 2022/2023 angeboten bekam, zumal er zu dem Haus „auch eine besondere Beziehung“ hat. Denn hier konnte er – etwa beim „Musikfest“ – schon regelmäßig Projekte realisieren. Jetzt nimmt er die Chance wahr, bis zum Juni 2023 acht Termine im Großen Saal und im Mozartsaal zu bespielen und hat außerdem ein „Auswärtsspiel“, wenn er für zwei Abende in die Naxoshalle zieht.

Eine solche Einladung wie die „Jazz-Residenz“ setzt bei Wollny ein ganzes Räderwerk in Gang, erreicht ihn aber nicht unvorbereitet. Denn er hat geschriebene Listen, zudem noch Listen von Ideen im Kopf, die er irgendwann einmal machen möchte oder die schon mal stattgefunden haben zu einem bestimmten Anlass und von denen er hofft, dass sie erneut auf eine Bühne kommen können. Denn nicht alles lässt sich – anders als die Solo-, Duo- und Trio-Konzerte – aus Kosten- und Organisationsgründen in einem Tourneezusammenhang verwirklichen. Allein wird er am 31. März 2023 die Musik seines Albums „Mondenkind“, die er dem Astronauten Michael Collins gewidmet hat, aufführen. Am 23. Januar trifft er auf Joachim Kühn, für Wollny stets eine besondere Begegnung, denn als er den geschätzten Kollegen während seines Studiums das erste Mal auf dem „Münchner Klaviersommer“ sah, veränderte das seine Welt. Mit ihm spielen zu können, beflügelt ihn und setzt spezielle Energien frei.

„Dann ist für mich auch immer interessant, mit anderen Kunstformen wie zum Beispiel dem Film zu arbeiten“, erzählt Wollny. Für die Live-Vertonung des Murnau-Stummfilm-Klassikers „Nosferatu“ hat er neben Christian Weber (Bass) und Eric Schaefer (Schlagzeug) Mitglieder des Norwegian Wind Ensembles in Kammerensemble-Größe mit dabei. Mit Wollny lassen sich die klassisch ausgebildeten Bläser am 18. September 2022 mit Blick auf die Leinwand auf freie Improvisationen ein. „Bau.Haus.Klang – eine Harmonielehre“ ist das Opening-Konzert fünf Tage vorher überschrieben. „Bei Bauhaus ist das Interessante, dass man im Kern einen improvisierenden Musiker am Klavier hat und auf der anderen Seite einen Flügel (ein Phonola, Anm. der Red.), der mit Lochkarten funktioniert und wir in dieser Gegenüberstellung versuchen nachzuempfinden, was Bauhaus ja auch immer war – Struktur und Anarchie.“

So wie „Nosferatu“ eine Neubearbeitung erfuhr, wird das gemeinsame Projekt mit der Cembalistin Tamar Halperin, die Wunderkammer, ebenso eine weitere Umgestaltung erfahren. 2021 gab es bereits eine „XXL“-Version mit der hr-Bigband beim „Deutschen Jazzfestival“. „Wir hatten jetzt das Gefühl, dass man das nach ein paar Jahren Abstand noch mal inszenieren und mit neuen Stücken anfüttern kann, indem man das zurückbringt auf das, was die ursprüngliche Idee des Albums damals war, nämlich alle möglichen Tasteninstrumente miteinander in Verbindung zu bringen“, erklärt Wollny und will ein ganzes Tasteninstrumenten-Orchester in „diesen tollen freien offenen Kunstraum“ der Naxoshalle stellen.

>> Jazz-Residenz Michael Wollny zwischen 13. September 2022 und 3. Juni 2023, Alte Oper bzw. Naxoshalle, Infos gibt es auf der Website der Alten Oper.
 
9. September 2022, 12.36 Uhr
Detlef Kinsler
 
Detlef Kinsler
Weil sein Hobby schon früh zum Beruf wurde, ist Fotografieren eine weitere Leidenschaft des Journal-Frankfurt-Musikredakteurs, der außerdem regelmäßig über Frauenfußball schreibt. – Mehr von Detlef Kinsler >>
 
 
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