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Foto: Kunstverein Familie Montez
Foto: Kunstverein Familie Montez

Hass gegen Kunstverein Familie Montez

Künstler Niklas Fiedler provoziert Nazis mit "Der letzte Nazi"

Ein kleines Facebook-Video zur Ausstellung "Der letzte Nazi" provoziert die rechtsextreme Online-Community. Dabei fragt Künstler Niklas Fiedler nur danach, was eigentlich deutsch ist. Beziehungsweise doitsch.
Das Video sieht harmlos aus. Niklas Fiedler erklärt dort, dass er in den letzten Zügen zu seiner Ausstellung "Der letzte Nazi" ist, im Hintergrund ist sie an einer der Wände des Kunstvereins Familie Montez zu sehen. Vergangenen Freitag wurde die Schau unter der Honsellbrücke im Frankfurter Ostend eröffnet.



Nach der Vernissage hat die Nazi-Community im Netz das Video wohl spitzbekommen. Nutzer schreiben: "Junge, ganz knusper bist du ja wohl nicht ?! Ich würde sagen, jetzt packst dein Krempel wieder ein und belästigst mal net so die Leute mit sowas. Ist ja grausam. Vielleicht kannst das ja wie bei einem Fallschirmsprung anstatt den Schirm alles in den Rucksack packen. Man man man. Hirntot."
Oder: "Sperrt ihn weg, dann hat er genug Zeit für seine „Kunst“. Im Tierreich hätte man sowas nach der Geburt tot gebissen!"
Andere Nutzer werfen ihm "Entartung und Degenaration" vor – oder sprechen ihm ab, überhaupt Kunst zu produzieren.

Unterstützung kommt derweil aus der Frankfurter Politik. Der CDU-Stadtverordnete Thomas Dürbeck schreibt: "Ich bin schockiert. Ich dachte solche hasskomentare werden nur von unverbesserlichen rechten abgesondert. Lieber Kunstverein Familie Montez, macht weiter so. Ich hasse rechten und linken Müll."

Und die Landtagsabgeordnete der Grünen, Martina Feldmayer, meint: "Wenn ich mir diese Hasskommentare anschaue, kann ich nur sagen: Gut, dass wir in einer Demokratie leben, wo künstlerische Freiheit gilt. Mehr davon, gut, das es Familie Montez gibt und dass so etwas möglich ist. Ich werde mich weiter dafür einsetzen, für die Freiheit des Wortes und die Freiheit Kunst."

Wir haben mit dem Künstler selbst gesprochen, was er von den Hasskommentaren hält:

Journal Frankfurt: Niklas, worum geht es in deiner Ausstellung eigentlich?
Niklas Fiedler: Im Prinzip ist es eine Graphic Novel, die aus der Sicht eines Nazis einen fiktiven Geschichtsverlauf beschreibt, eine Geschichte, in der die Nazis nicht nur den Weltkrieg gewonnen, sondern auch sonst alles erreicht hätten.

Es gibt also auch keine Juden mehr?
Nicht nur das. Die Nazis sind beständig auf der Suche nach neuen Feindbildern. Sie müssen stets das Böse neu definieren, um selbst als gute Deutsche dazustehen. Irgendwann gibt es nur noch Deutsche auf der Welt und so entsteht bald eine radikalere Abspaltung der NSdAP, die Alternative für Deutschwelt. Sie definiert das Deutschsein immer enger, bis nur letztlich nur noch ein Deutscher übrig ist – der der Graphic Novel und der Ausstellung auch den Namen gibt: der letzte Nazi.



Die AfD war also eine Anregung, was noch?
Auch in meiner eigenen Familie gab es einen echten Nazi, meinen Opa. Ich möchte die Nazis nicht dadurch bekämpfen, in dem ich sie moralisch bloßstelle. Ich möchte einfach zeigen, dass ihre Ideologie nicht schlüssig ist und ins Leere läuft. Dazu bediene ich mich einer Nazi-Ästhetik, mache auch eine Performance, in der ich den letzten Nazi in einer Uniform darstelle. Das Ganze ist eine Satire, eine Groteske – die Zuschauer sollen dadurch aber das verrückte Denken der Nazis verstehen.



Haben dich die Reaktionen überrascht?
Die Art der Reaktion hat mich überrascht. Nach der Eröffnung am vergangenen Freitag haben wohl echte Nazis davon Wind bekommen und jetzt werde ich seit ungefähr zwei Tagen mit Hasskommentare überhäuft – das geht bis ins Private hinein. Im Internet gibt es Fotos von mir wo ein Teil meiner Familie zu sehen ist, die aus Kenia kommt. "Was diese Gutmenschen für ein paar Likes machen", hat einer dazu geschrieben. Dazu kommt der Vorwurf, dass ich nicht arbeiten würde, dass die Ausstellung finanziert wäre von den Juden oder den Freimaurern oder andere Klassiker mehr.

Man könnte sagen, das ist ein Erfolg...
Irgendwie schon – so zeigen die Kommentare doch ganz plastisch das Denken von heutigen Nazis. Ich überlege nun, die schönsten Hasskommentare auf meiner Performance am Samstagabend oder am Sonntagabend zur Finissage vorzulesen.


Die Ausstellung ist noch bis 6. Mai im Kunstverein zu sehen. Am Samstagabend um 19 Uhr und am Sonntag um 20 Uhr ist eine Performance geplant. Die Graphic Novel kann auch auf der Website von Niklas Fiedler angeschaut werden.


 
2. Mai 2018, 12.04 Uhr
Nils Bremer
 
Nils Bremer
Jahrgang 1978, Politologe, insgesamt 14 Jahre beim Journal Frankfurt, von 2010 bis Juni 2018 als Chefredakteur. – Mehr von Nils Bremer >>
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