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Foto: Hier hat Eva Braun gewohnt, Foto: Dana Arieli
Foto: Hier hat Eva Braun gewohnt, Foto: Dana Arieli

Erinnerungskultur

Die Phantome der Nazi-Zeit sichtbar machen

Das Kunstprojekt von Dana Arieli dokumentiert Orte des Nationalsozialismus in Deutschland. Schülerinnen und Schüler eines Frankfurter Gymnasiums haben auf die Fotos reagiert und Texte dazu verfasst.
Wie vermittelt sich Erinnerung, wenn die Zahl der Shoah-Überlebenden als Zeitzeugen schwindet? Wie kann eine Erinnerungskultur zukünftig aussehen? Diesen Fragen widmet sich das Projekt „Nazi Phantoms“ der israelischen Künstlerin Dana Arieli, das zusammen mit einem Kunstprojekt des Frankfurter Friedrich-Dessauer-Oberstufen-Gymnasiums entstanden ist. 

Seit zehn Jahren reist Arieli durch Deutschland, um Orte des Nationalsozialismus zu dokumentieren. Entstanden ist ein Archiv, das die Phantome aus der NS-Zeit wieder sichtbar macht und die Betrachter zu einer Auseinandersetzung auffordert. Die Fotos zeigen Orte unseres Alltags, die auf den ersten Blick so beiläufig erscheinen. Sie sind eine Kulisse, von der viele nicht wissen, wie ungeheuerlich diese ist. Die Frau in Pink etwa, die das ehemalige Nürnberger Reichsparteitagsgelände fürs Inlineskaten nutzt, oder die Hausnummer des ehemaligen Wohnhauses von Eva Braun.

Zeugen des Nationalsozialismus werden immer weniger

1936 bezog sie in der damaligen Wasserburger Straße 12 – heute Delpstraße – in München eine Villa mit Garten. Hitler soll sie dort des Öfteren besucht haben. Arielis Foto zeigt eine schmale weiße Eingangstür aus Latten sowie eine größere Durchfahrt. Rechts an der Mauer über dem Briefkasten prangt eine Zwölf, darunter ist Delpstr. zu lesen. Passanten gehen vorbei, und mit der Zeit werden diejenigen, die wissen, wer in der Nummer 12 wohnte, immer weniger.

Dana Arielis Archiv ist eine Chronik der Orte, die mit den Verbrechen der NS-Zeit direkt in Verbindung stehen, und es hat zudem eine Erweiterung: Die Künstlerin bittet ihr Publikum um Kommentare. „Es ist ein laufendes Projekt, das nicht abgeschlossen sein wird“, sagt Arieli. Durch die Interaktion zwischen ihrer Fotosammlung und dem Publikum solle ein kollektives Gedächtnis entwickelt werden. Es ist unter phantoms.photography einsehbar, jeder ist eingeladen, die Fotos der Seite zu kommentieren.

Die Schülerinnen und Schüler des Friedrich-Dessauer-Oberstufengymnasiums haben in einem Kunstkurs von Julia Roppel darauf reagiert und zu den Fotos Texte verfasst, die ihren persönlichen Weg der Beschäftigung mit der abgebildeten Geschichte schildern. Imane El Bekkali schreibt zu dem Haus in der Delpstraße 12 (Auszug): „Auf den ersten Blick scheint das Haus zeitgemäß und bewohnt zu sein. Allerdings sieht man auch, dass die Tür relativ neu und modern aussieht, im Kontrast zur Wand, die eher älter aussieht. (…) Nach Recherchen zu dieser Adresse fand ich heraus, dass diese Straße zur NS-Zeit ‚Wasserburgstraße‘ hieß.“

Fotoprojekt als Teil der Erinnerungskultur

In der Heussenstamm Galerie sind die Fotografien zu sehen, die die Schülerinnen und Schüler ausgewählt haben – begleitet von ihren Texten. Das Projekt soll eine Möglichkeit aufzeigen, wie eine Erinnerungskultur aussehen kann, wenn die Zahl der Shoah-Überlebenden als Zeitzeugen schwindet. Dana Arieli lädt uns alle dazu ein, die Orte zu kommentieren, damit ihre Geschichte und die der damit verbundenen Menschen nicht in Vergessenheit geraten.

Die Ergebnisse des Projekts werden vom 14. März bis 22. April 2023 in der Galerie der Heussenstamm-Stiftung, Braubachstraße 34 präsentiert.
 
15. März 2023, 12.10 Uhr
Jasmin Schülke
 
Jasmin Schülke
Studium der Publizistik und Kunstgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Oktober 2021 Chefredakteurin beim Journal Frankfurt. – Mehr von Jasmin Schülke >>
 
 
Fotogalerie:
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