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Die Rückkehr der Frankfurter Schule
 

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Die Rückkehr der Frankfurter Schule

Horkheimer_Pan_Am

Etwas bedrückende Stimmung herrscht im Jüdischen Museum. Doch das ist nicht weiter verwunderlich, denn die neue Ausstellung hat ein ernstes Thema – und einen etwas sperrigen Namen: „Die Frankfurter Schule und Frankfurt – Eine Rückkehr nach Deutschland“. Es gibt wenige Farbakzente. Dafür können die Macher der Ausstellung aber nichts – die Fotos und Videoaufnahmen von Horkheimer, Adorno&Co sind nun mal schwarz-weiß.

Monika Boll und Erik Riedel, zuständig für Konzeption und Realisation, haben sich umso größere Mühe gegeben, die Schau abwechslungsreich, interaktiv und auch unterhaltsam zu gestalten (das Design stammt vom renommierten Atelier Markgraph). Es ist ihnen gelungen. Je weiter ich durch die Räume der Ausstellung komme, desto mehr Details entdecke ich. Deswegen an dieser Stelle nur drei meiner persönlichen Highlights.

Fotografie Stefan MosesDas erste ist ein Raum, der einer Fotoserie über Theodor W. Adorno nachempfunden wurde - die Spiegel-Serie unter dem Titel „Selbstbild Adorno“ von Stefan Moses. Zu sehen ist der Soziologe im Institut für Sozialforschung. Er sitzt auf einem Stuhl und sieht sich selber in einem Spiegel. Und eben diesen Raum, in dem Adorno fotografiert wurde, gibt es nun in Realität zu bewundern. Das Institut habe behauptet, das Original des Spiegels zu besitzen, erzählt Boll. „Aber hier wurde ganz dreist gelogen.“ Ihr Kollege Riedel ergänzt: „Eigentlich stimmt nichts überein.“ Und wirklich – bei genauerer Betrachtung verlaufen die Metallstangen, an denen der Spiegel befestigt ist, völlig anders. Nur bei flüchtiger Betrachtung meint man den Spiegel aus der Fotoserie vor sich zu haben.

Es ist der einzige Raum, in dem fotografieren erlaubt ist. Besucher könne sich selber in der Pose von Adorno knipsen und ihre Fotos dann beim Museum einreichen. Bei einem Wettbewerb soll derjenige ermittelt werden, der die größte Adorno-Ähnlichkeit aufweist.

Maidon-Album-004

Ein weiteres Highlight ist ein Fotoalbum mit Collagen, dass Maidon Horkheimer in offensichtlich liebevoller Handarbeit für ihren Mann Max gebastelt hat. Neben dem Ehepaar sind auch Freunde aus dem Umkreis des Institutes für Sozialforschung zu sehen, wie beispielsweise Friedrich Pollock. Die Körper der Figuren sind aus Zeitschriften ausgeschnitten, die Köpfe aus Fotografien. Maidon hat sich sogar für jede Seite ein bestimmtes Thema ausgedacht. Wie zum Beispiel „Bedroom secrets“. Hier sind unter anderen Max Horkheimer zu sehen, wie er Maidon den Rücken massiert oder Maidon nackt auf einem übergroßem Plüschkissen. (Aber nur der Kopf ist eine Fotografie!).

Besonders ins Auge stach mir auch ein Zeichentrick-Wahlkampf-Video der CDU von 1961. Ich konnte kaum glauben, was ich da zu sehen bekam: Ein Mann hüpft vergnügt seiner Wege in Westdeutschland, bis er zu der ostdeutsche Grenze kommt. Eine Schranke und uniformierte Männer versperren ihm den Weg, er wird zusehends unglücklicher und es heißt: „Man ist in Deutschland und doch fremd“. Was sollte dieses Video aussagen? Boll erklärt: „Es soll den Menschen zeige, was passiert, wenn nicht schnell wieder aufgerüstet wird.“ Nichts, worauf die CDU stolz sein kann, interessant auf jeden Fall.

Adorno im Hessischen RundfunkNeben diesen drei Auszügen, hat die Ausstellung jedoch weit mehr zu bieten. Unter den drei chronologischen Stationen („Emigration“, „Rückkehr nach Frankfurt“ und dem „Wirken der Frankfurter Schule in der frühen Bundesrepublik“) wird die Geschichte der Frankfurter Soziologen dokumentiert. Neben Originalbriefen, Fotos, Zitaten und Videosequenzen finden sich auch etliche interessante Exponate. Darunter der Schreibtisch Horkheimers, der in seinem Büro in der Frankfurter Universität stand, kurz nachdem er dort Direktor wurde. Oder auch sein Adressbuch:

Horkheimer_Adressbuch-47

Eine eigene Abteilung ist dem transnationalen Netzwerk gewidmet, welches die Rückkehrer mit den zurückgebliebenen Mitgliedern wie Herbert Marcuse und Leo Löwenthal verband. Dieser Schwerpunkt trägt den Namen „Jenseits des Nationalen“.

Die Frankfurter Schule und Frankfurt – eine Rückkehr nach Deutschland: Jüdisches Museum, 17. September 2009 bis 10. Januar 2010, Untermainkai 14-15, Frankfurt am Main

Fotos: Fotografie Stefan Moses, Jüdisches Museum
 
17. September 2009, 12.04 Uhr
Christina Weber
 
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Fotogalerie:
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