Facebook
|
Twitter
|
RSS
|
eMags Kontakt
|
Mediadaten
|
Impressum
Kultur
Startseite Alle NachrichtenKultur
Der Künstler Yasuaki Kitagawa im 1822-Forum
 

Der Künstler Yasuaki Kitagawa im 1822-Forum

0

Die Grenzen des "White Cube"

Foto: Markus Winkler
Foto: Markus Winkler
Im 1822-Forum ist zurzeit die Ausstellung "inside-out redrawing" des Städelabsolventen Yasuaki Kitagawa zu sehen. Betritt man die Galerie, sind die Meisten erst einmal irritiert: Wo ist sie denn, die Kunst?
Ein leeres 1822-Forum: Nichts ist zu sehen, abgesehen von weißen Wänden. Auf der einen Wand sitzt eine große Schnarke, ein Ventilator steht in der Ecke. Leicht verunsichert fragt man sich: "Ist das jetzt die Kunst? Oder wurde die Galerie vielleicht über Nacht ausgeraubt? Oder verstehe ich das jetzt einfach nicht?!" Bevor man noch etwas Blamables von sich geben kann, macht der anwesende Künstler schon einen Witz. "Schau mal, das ist meine Kunst", sagt Yasuaki Kitagawa mit einem Grinsen im Gesicht. Verunsichert lässt man nochmals den Blick schweifen. "Und das da, ist ein Kunde", sagt Kitagawa und zeigt auf die Schnarke. Ab da kann man durchatmen, weil man weiß: Ok, hier hat jemand eine ordentliche Portion Humor.

Yasuaki Kitagawa wurde in Tokio, Japan geboren. Mit 29 Jahren kam er nach Deutschland und studierte zuerst in Münster und Leipzig Philosophie. Von 2007 bis 2011 studierte er an der Städelschule bei Tobias Rehberger als Meisterschüler. Kitagawa ist ein Künstler, der sich mit unserer Wahrnehmung auseinandersetzt. Diese hinterfragt er vor allem in Rauminstallationen, aber auch in Objekt- und Konzeptkunst.

Nun verunsichert er mit seiner ortsspezifischen Rauminstallation die Besucher des 1822-Forums. Kommt dieser in den Raum der Galerie, muss er erst einmal ganz genau schauen. Scheinbar wird nichts in dem Raum präsentiert. Doch irgendwann fallen einem zwei Kellerfenster auf - was für eine Wand in einer Galerie dann doch eher ungewöhnlich ist. Nähert man sich einem der beiden gegenüberliegenden Fenster, schaut man suchend durch das Glas und ist erstaunt was man sieht: Seinen eigenen Hinterkopf. Irritiert dreht man sich um und sieht dann doch nur ein gegenüberliegendes Fenster. Schaut man wieder durch das Fenster hindurch, blickt man sich wieder selbst an. "Ich wollte, dass man sich selbst sieht, von einem unerwarteten Aspekt aus", so Kitagawa.

Seine zweite Arbeit verbirgt sich in einer Säule. Kennt man die Galerie, weiß man, dass dort sonst keine Säule steht. Doch die Säule hat ein Loch. Magisch von diesem Loch angezogen, muss man sehr nah an die Säule heran, um hindurchsehen zu können. Denn das Loch scheint tief bis unter den Boden der Galerie zu führen. Unten leuchtet es grün-bläulich. Wasser tropft von oben auf die Wasseroberfläche. Ein Gegenstand ist unter dieser Oberfläche zu sehen - Uranglas, wie der Künstler sagt. Das ganze wirkt sehr geheimnisvoll, als führe ein Schacht auf einmal von den Fahrgasse an einen unterirdischen Ort. "Vor 20 Jahren habe ich in einem Atomkraftwerk in Japan gearbeitet", so Kitagawa. Dort habe er die Strahlung gemessen. Ein mal habe er die Gelegenheit gehabt in ein Reaktorgehäuse zu schauen. "Dort konnte man 50 Meter tief durch das reine H2O schauen. Es war so klar, das glaubt Dir keiner!" Die Arbeit in der Säule trägt den Namen "Eine unerwartete Nachbarschaft". Kitagawa fasziniert es, dass es noch etwas anderes neben dem Alltag gibt, auch wenn man es nicht sieht.

Um den Raum des 1922-Forums umzubauen, brauchte Kitagawa drei Wochen. Er installierte seine Werkstatt direkt in der Galerie, damit er alles direkt passgenau erarbeiten konnte. Seine Ausstellung soll leer aussehen. Denn eigentlich findet sie außerhalb der weißen Wände der Galerie statt. "Die Arbeiten befinden sich hinter der Raumgrenze - da wo man sie nicht erwartet."

>> Die Ausstellung ist noch bis zum 17. September 2016 zu sehen. Der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten: Di - Fr 14 - 18 Uhr, Sa 13 - 16 Uhr. Zum Saisonstart der Galerien wird der Künstler anwesend sein.
24. August 2016
Tamara Marszalkowski
 
Tamara Marszalkowski
Theaterredakteurin. Jahrgang 1987, Studium der Kunstgeschichte, Ethnologie und Pädagogik in Frankfurt, seit 2015 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Tamara Marszalkowski >>
Mail schreiben
 
Empfehlen
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
Schreiben Sie den ersten Kommentar.
 
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Kultur
 
 
Caravan auf 50th Anniversary Tour
0
Geschichten aus Canterbury
Fast so berühmt wie die Kathedrale der Universitätsstadt ist der Canterbury Sound, der Ende der 60er-Jahre Bands wie Caravan berühmt machte. Die Formation um Sänger und Gitarrist Pye Hastings ist auf 50th Anniversary Tour. – Weiterlesen >>
Text: Detlef Kinsler / Foto: Caravan
 
 
Marion Tiedtke verlässt das Schauspiel Frankfurt
0
Abschied vom Theater
Das Schauspiel verliert eine wichtige Person: Marion Tiedtke, Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin, verlässt zum Ende der Spielzeit 2019/2020 das Schauspiel und tritt wieder ihre Professur an der HfMDK an. – Weiterlesen >>
Text: red / Foto: ez
 
 
Interview mit Dirigent des „Bridges"-Orchesters
0
Gregor A. Mayrhofer: „Bridges ist ein Geschenk für mich“
Das diesjährige Orchesterkonzert von „Bridges – Musik verbindet“ findet am 26.4. im HR-Sendesaal statt. Das JOURNAL FRANKFURT sprach mit Dirigent Gregor A. Mayrhofer darüber, was für ihn den Reiz dieses speziellen Orchesters ausmacht. – Weiterlesen >>
Text: Detlef Kinsler / Foto: Detlef Kinsler
 
 
 
Crowdfunding-Aktion von Norbert Rojan
0
Henry Jaeger - Bankräuber, Gauner, Literat
Der Frankfurter Schriftsteller Henry Jaeger schrieb im Gefängnis den Roman „Die Festung", der zum Beststeller wurde. Nun hat der Verleger Norbert Rojan eine Biografie Jaegers geschrieben, die mittels einer Crowdfunding-Kampagne finanziert werden soll. – Weiterlesen >>
Text: Christoph Schröder / Foto: Norbert Rojan
 
 
Henni Nachtsheim interpretiert „Peer Gynt" neu
0
Einmal im Bugatti mitfahren
Um ein romantisches Orchesterstück wie Edvard Griegs „Peer Gynt“ als „De Peter kimmt“ in einen Waschsalon zu verlegen, muss man wohl Comedian sein. Henni Nachtsheim tut das mit dem Jazz-Ensemble der Deutschen Oper Berlin. – Weiterlesen >>
Text: Detlef Kinsler / Foto: Alexander Mirsch
 
 
<<
<
1  2  3  4  ...  650