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Aus Abfall wird Kunst
 

Aus Abfall wird Kunst

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Müllskulptur wächst in der Friedberger Anlage heran

Sieben Gitterkästen stehen in der Friedberger Anlage. In ihnen befindet sich Müll – fein säuberlich sortiert. Das ist nicht etwa die neue Art der FES, Abfall zu entsorgen, sondern ein Kunstprojekt.
Seit Ende Mai sammeln, trocknen, säubern und sortieren Klienten der Drogenhilfe „FriedA“ Abfall in der Friedberger Anlage. Denn daraus soll einmal, mit tatkräftiger Unterstützung der freien Künstlerin Gabriele Juvan, eine Müllskulptur entstehen. Bis der Müll aber tatsächlich einmal als Kunst zu erkennen ist, werden noch einige Tage ins Land ziehen. Genauer gesagt soll es am 20. September soweit sein. Momentan stehen lediglich sieben Gitterkästen auf der Wiese, die mit unterschiedlichen Füllhöhen Papier, Elektroschrott, Flaschen und Co. enthalten – bisher kein sonderlich inspirierender Anblick.

Das Projekt findet im Rahmen der Ausstellungsreihe „park in progress. Stadtlabor unterwegs in den Wallanlagen“ des Historischen Museums statt. Es ist nur eine von insgesamt 60 Aktionen, zu denen unter anderem Vorträge, gemeinsame Spaziergänge und Konzerte zählen. Für die Hobbykünstler, die größtenteils substituiert sind, sprich an Methadonprogrammen oder ähnlichem teilnehmen, ist es dennoch sehr wichtig. „Ich war direkt begeistert“, erzählt der 30-jährige Tobias. Bevor er in den Drogensumpf abrutschte, arbeitete er als Gebäudereiniger. „Ich war schon immer sehr reinlich“, bekräftigt er. Tobias sortiert mit einer Kollegin den Müll. Die anderen Teilnehmer sind „Picker“, sie sammeln den Abfall. Täglich machen bis zu zehn „FriedA“-Klienten mit. Manche davon nicht ganz freiwillig, denn auch vom Gericht verordnete Sozialstunden können hier abgeleistet werden.

Den „Sortierern“ kommt eine besondere Verantwortung zu. „Ich habe die Schlüssel für die Gitterkästen“, erklärt Tobias stolz. Durch die Arbeit sei sein Alltag in der „FriedA“ viel strukturierter geworden. „Und man hat ein Ziel.“ Irene Meyer, Mitarbeiterin der Drogenhilfe, ist überzeugt, dass das Projekt eine positive Auswirkung auf ihre Klienten hat. „Wir beteiligen uns am Gemeinwohl. Und den Leuten aus der ‚FriedA‘ wird ja oft das Gegenteil vorgeworfen.“ Außerdem soll ein Bewusstsein geschaffen werden, wie viel Abfall achtlos weggeworfen wird.

Die Arbeit mit Drogensüchtigen stellt die Organisatoren aber auch vor Schwierigkeiten. „Ich realisiere viele Kunstprojekte im öffentlichen Raum und die laufen meist sehr gradlinig ab“, berichtet etwa die Künstlerin Juvan. In diesem Fall aber müsse man täglich mit allem rechnen. Sie vergleicht die Erfolge daher mit dem Wachstum einer Pflanze. „Manchmal passiert lange nichts, und dann schießt sie in kurzer Zeit in die Höhe“, so Juan.

Aber auch schwere Rückschläge müssen die Teilnehmer einstecken. So ist Holger, ein Mitglied des Teams, vergangene Woche an einer Überdosis gestorben. Ein Bild von ihm hängt als Erinnerung an einem der Gitterkästen.
2. Juli 2014
wch
 
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