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Foto: schneider+schumacher
Foto: schneider+schumacher

Architekturbüro Schneider + Schumacher

Wie die Buchmesse ein eigenes Veranstaltungshaus baut – und Algorithmen dabei helfen

Mit dem Pavilion will die Buchmesse einen Ort bauen, in dem Lesungen und Debatten stattfinden. Architektonisch war der Kokon keine einfache Aufgabe, wie Architekt Ragunath Vasudevan zu berichten weiß.
Für Juergen Boos ist der Frankfurt Pavilion ein großes Ding. Am vergangenen Freitagnachmittag präsentierte der Direktor der Buchmesse zusammen mit den Architekten von Schneider + Schumacher den Kokon, der im Oktober auf dem Außengelände der Messe entstehen soll.

Im Juni beginnen die Bauarbeiten für das Konstrukt aus Holz und einer PVC-Membran – Kosten im sechsstelligen Bereich fallen an. Doch weil das Haus schnell ab- und ein Jahr später auch ebenso schnell wieder aufgebaut werden kann, nennt Boos es eine nachhaltige Investition. "Die Buchmesse ist das größte Kulturfestival der Welt – und sie braucht eine Bühne", meint Boos. Auf dem Messegelände selbst sei man diesbezüglich nicht wirklich fündig geworden.



Der Pavilion soll auch ein wenig das Gedränge in den Messehallen entzerren: Wenn ein Star-Autor am Stand eines Verlages liest, ist oft kein Durchkommen mehr. Der Pavilion soll zu den normalen Messezeiten, aber auch abends noch zugänglich sein – und damit Teil des sogenannten Bookfests sein, mit dem die Buchmesse mehr in die Stadt strebt. War das Bookfest bislang auf einige Läden im Bahnhofsviertel wie das AMP beschränkt, so soll es sich nun weiter in die Stadt ausdehnen – ohne freilich dem städtischen Lesefest Openbooks Konkurrenz zu machen. So wie es auch bei der Buchmesse längst nicht mehr nur um Lesungen und Bücher geht, so soll das Bookfest auch die anderen Sparten würdigen. "Das Herz des Bookfests wird mit dem Frankfurt Pavilion auf dem Messegelände liegen", sagt Herr Boos.

Entworfen hat den Kokon die in Frankfurt beheimatete Architekturfirma Schneider + Schumacher. Er bietet Platz für bis zu 400 Personen, ist von mehreren Seiten zugänglich und soll sich nach der Messe wieder platzsparend verstauen lassen.

Architektonisch habe man sich vom Prinzip eines Buchs leiten lassen. "Von außen gibt das Gebäude einen völlig anderen Eindruck als von innen", erklärt Till Schneider. Während die Membran nur schemenhaft deutlich macht, was im Inneren vor sich geht, machte die Holzkonstruktion im Inneren den Eindruck von Buchregalen, mit einer Beleuchtung könnten unterschiedliche Stimmungen erzeugt werden. Des Nachts wirkt die Beleuchtung dann auch nach außen. "Bücher zeigen immer erst bei genauer Betrachtung ihr Inneres – dann aber ziehen sie dich im beste Fall direkt in ihren Bann", sagt Till Schneider.



Sein Kollege Ragunath Vasudevan erklärt, das man für die Konstruktion ein algorithmisches Modell entworfen habe. "Dort sind nicht nur unsere Daten für die Gestaltung eingeflossen, sondern auch die Kostenrechnungen der Zulieferer und Konstrukteure." Das sei gewissermaßen ein Novum gewesen – und steht damit für die Architekturfirma, von der man sagt, sie betrete bei jedem ihrer Projekte Neuland. Das bekannteste ihrer Projekte dürfte die Erweiterung des Städel Museums sein, wo sich die Firma mit einem unterirdischen Neubau von der Konkurrenz absetzte. Nun also der vergleichsweise kleine "Pavilion", der durch das algorithmische Modell aber skalierbar war. "Wenn man eine der Zahlen, etwa die Anzahl der möglichen Sitzplätze, erhöht, so erhält man auch zugleich Aufschluss über die möglichen Kosten", sagt Ragunath Vasudevan. Das sei nur in enger Abstimmung mit den Kontrukteuren gelungen und ein anderes Prinzip als gemeinhin, wo Architekten entwerfen und erst dann ein Auftrag an die Baufirmen gegeben wird. Dieses Verfahren sei auch nötig gewesen, weil die Planungen erst im vergangenen Sommer begonnen hätten. Nun soll das Gebäude, dessen drei symmetrischen Teile sich ineinander schieben, von Juni an gebaut werden. Auf dem Messegelände wird es vom 1. Oktober an aufgebaut – nach fünf Tagen soll es stehen. Mindestens zehn Jahre soll es durchhalten; auch der Verleih an andere Unternehmen sei möglich, aber wohl nur theoretisch. "Es ist ein ikonenhaftes Gebäude, das für die Messe stehen wird", sagt Juergen Boos. Ein großes Interesse, dass die Formensprache des Kokons auch anderswo zu sehen sei, habe man da vorerst nicht.
 
3. Mai 2018, 10.34 Uhr
Nils Bremer
 
Nils Bremer
Jahrgang 1978, Politologe, insgesamt 14 Jahre beim Journal Frankfurt, von 2010 bis Juni 2018 als Chefredakteur. – Mehr von Nils Bremer >>
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