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Arabischer Frühling am Güterplatz
 

Arabischer Frühling am Güterplatz

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Junge Künstler zu Besuch in Frankfurt

Die Tutanchamun-Ausstellung wächst um eine Streetart- und Graffiti-Schau. Initiiert durch den Graffitikünstler Don Karl präsentieren Künstler aus Ägypten, Tunesien und Deutschland nun ihre Werke.
„You will win, but you will not convince“, dieser Satz ziert in arabischer Kalligraphie den Eingang der Tutanchamun-Ausstellung am Güterplatz. Die Aussage beschreibt die Werke der Künstler sehr präzise. Es geht um den Kampf um Freiheit und Meinungsäußerung, gegen Ungerechtigkeit und Korruption und vor allen Dingen um die eigene moralische Überlegenheit. You will not convince! Ab heute nehmen uns engagierte Kreativköpfe mit auf eine Reise der künstlerischen Rebellion. Die Genannten, das sind „Sprüher“ aus Ägypten, Tunesien und Deutschland. Die Street Art-Szene in den beiden arabischen Ländern ist eine kleine und relativ junge Szene. So erzählt El Seed, der einzige Tunesier in der Runde, der zudem einen großen Einfluss in der Szene hat, dass er sich zu einem von insgesamt zehn Graffitikünstlern in Tunesien zählt. In Ägypten belaufen sich die Schätzungen immerhin auf ungefähr 1000 Künstler. Verboten ist das Sprühen natürlich schon immer, man hat sich allerdings früher entweder nicht erwischen lassen oder Polizisten geschmiert. Zu Beginn der Revolutionen in Nordafrika etablierte sich Street Art jedoch immer mehr, als Sprachrohr gegen die Regime. Die Mehrheit war einer Meinung und die jungen Künstler trugen diese Meinung auf kreative Weise auf die Straßen.

Nun kommen sie auch zu uns, die gesprühten Proteste. Neben den Werken vor dem Eingang der Ausstellung, ist auch das Stromhäuschen auf der Wiese des Güterplatzes bemalt worden. Es zeigt eine historische Aufnahme, und zwar die Entdeckung der Büste der Nofretete im Jahre 1912. Dass es sich damals um einen Betrug von Ludwig Borchardt handelte, darüber ist sich die Kunstgemeinde im Klaren. Er deklarierte das Fundstück als quasi wertlos, um es nach dem Gesetz der Fundteilung nach Deutschland bringen zu dürfen. Das gelang ihm auch, heute wird der Wert der Büste auf circa 300 Millionen Euro geschätzt. Der Künstler Ammar Abo Bakr beschreibt genau diesen Betrug in seinem Bild, sagt allerdings dazu „Ich will die Nofretete nicht zurück, in Ägypten wäre sie in diesen Zeiten nicht sicher.“ Es geht hier um Richtigstellung und Verbreitung der echten Begebenheiten. Auf derselben Wiese sind auch zehn „Anch“-Zeichen zu bewundern, die zehn ägyptische Künstler, unter diesen die einzige Frau, Aya Tarek, gefertigt haben. Das Zeichen, das auch Nil- oder Lebensschlüssel genannt wird, ist eine ägyptische Hieroglyphe, die für das Leben und das Leben nach dem Tod steht. Auch der deutsche Künstler Andreas von Chrzanowski aka Case, der sich ebenfalls schon in Ägypten verewigte, ist bei der Ausstellung mit dabei. Sein Graffiti-Bild, das einen Hahnenkampf zeigt, soll den ständigen Kampf des Menschen in jedem Lebensfeld und in jedem Moment aufzeigen.

Betrachtet man die Street Art am Güterplatz, wünscht man sich, sie könnte für immer bleiben. Leider endet die Ausstellung am 24. Juni und bereits einen Monat vorher wird das Stromhäuschen abgerissen. „Wäre es ein Banksy, dürfte das Häuschen bleiben“, schmunzelt man in der Runde. Dann bleibt es nun an uns Betrachtern durch Fotografieren und Verbreiten die Street Art am Güterplatz auch nach Ende der Ausstellung weiterleben zu lassen. Spread the picture!

Heute Abend ab 19 Uhr eröffnet die „Arabic Graffiti and Egyptian Street Art-Gallery“ mit der Veranstaltung First Friday.
 
13. April 2012, 15.48 Uhr
yog
 
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