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Antonio Macan spielt auf der Zeil
 

Antonio Macan spielt auf der Zeil

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Der Pianist am weißen Flügel

Foto: Bernd Kammerer
Foto: Bernd Kammerer
Er könnte Konzerthallen füllen und spielte schon in der Alten Oper – zu Weihnachten holt der Frankfurter Antonio Macan seinen Flügel auf die Straße und spielt mitten auf der Zeil. Ein Gespräch über den besonderen Reiz der Straßenkonzerte.
„Das ist eine der größten Bühnen überhaupt“, schwärmt Antonio Macan, „da laufen Tausende Leute vorbei, die meine Musik hören“. Der Frankfurter Pianist spielt an den Adventswochenenden auf der belebten Einkaufsmeile, jeweils freitags und samstags will er die Menschen für seine Musik begeistern. „Wenn die Menschen stehenbleiben, zuhören und klatschen, weiß ich, dass ich etwas richtig gemacht habe“, sagt er.

Große musikalische Bandbreite
Mit seinen Songs will er ein breites Publikum ansprechen: Deutsche Klassiker wie O Tannenbaum und Kling Glöckchen wechseln sich mit Internationalem wie Last Christmas, Winter Wonderland und Jingle Bells ab. Hinzu kommen eigene Kompositionen. Alle Stücke spielt er aus dem Kopf, verzichtet auf Notenblätter. „Bei Wind hätte ich auf der Straße sonst ein riesiges Problem“, sagt er und lacht. Wie lange er spielt, hängt auch vom Wetter ab. Geplant sind etwa drei Stunden pro Tag. Mit Thermowäsche und abgeschnittenen Handschuhen wappnet er sich gegen die Kälte, zwischendurch will er zum Aufwärmen kurz in eines der warmen Kaufhäuser gehen.





Schon im letzten Jahr spielte Macan an seinem weißen Flügel in der Innenstadt. Diesmal will er mittels Social Media noch mehr Menschen erreichen. Auf Instagram sammelte er Liedwünsche, auf Facebook sollen die Konzerte live gestreamt werden. „Wir hoffen, dass die WLAN-Hotspots halten“, sagt Macan.

„Ein ganz normaler Konzertflügel“
Ein Jahr lang hat er an seinem Flügel gearbeitet, um ihn für seine Auftritte auf der Einkaufsmeile zu präparieren: Für die Konstruktion entfernte er die Räder an seinem Instrument, baute eine Plattform, montierte den Konzertflügel darauf und schraubte Räder von einem Müllcontainer an. „Ich brauche zwei Leute, um den Flügel zu schieben“, erzählt er. Der Weg zur Zeil ist aber nicht weit, Macans Studio liegt nur wenige Meter von der Konstablerwache entfernt.



Seit er im letzten Jahr angefangen hat, sporadisch auf der Zeil Konzerte zu geben, hat der Pianist schon Skurriles erlebt. „Es gab mal einen Mann, der wollte am Flügel tatsächlich seine Bierflasche aufmachen“, erzählt er, immer noch etwas ungläubig. Doch gerade das Spannende, Unberechenbare an seinen Straßenkonzerten mag er: „Das kannst du in einem Saal nicht erleben.“ An den Konzerten auf der Zeil reize ihn nicht das Geld, sondern die Möglichkeit, neue Wege zu gehen. Das Geld, das er dort sammelt, will er sozialen Einrichtungen spenden.

Eine Genehmigung der Stadt braucht er für seine Straßenkonzerte nicht, Macan muss aber regelmäßig seinen Standort wechseln. Nach etwa einer halben Stunde rollt er seinen Flügel deshalb zwischen Konstablerwache und Hauptwache hin- und her. Nicht die optimale Lösung: „Du kannst auch nicht sofort abbrechen, wenn gerade 100 oder 200 Leute da sind“, sagt er. Macan träumt von einem dauerhaften Arrangement,



Mit vier Jahren hat Macan mit dem Klavierspielen angefangen und spielte schnell in der Frankfurter Gaststätte seiner Eltern. Ein Musikprofessor, der zufällig dort aß, entdeckte das Talent des kleinen Antonios und wollte ihn fördern. Als Teenager gewann er den renommierten Wettbewerb Jugend musiziert auf Hessenebene, heute unterrichtet er als Musiklehrer und arbeitet als Produzent. Im letzten Jahr gelang ihm ein Coup, der für Aufsehen sorgte: Sein Arrangement des bekannten Fluch der Karibik-Themas gefiel auch in Hollywood. „Ich habe dafür eine ordentliche Summe bekommen“, erzählt er stolz, sagt aber bescheiden, „das war auch ein Glückstreffer“. Mittlerweile verbringe Macan mehr Zeit im Studio als am Flügel. Nur zu produzieren, kommt für den 29-Jährigen aber nicht in Frage. „Ich brauche die Bühne“, sagt er.

>> Weihnachtskonzerte, freitags und samstags an den Adventswochenenden, ab etwa 14 Uhr, Spieldauer auch von der Witterung abhängig, auf der Zeil zwischen Hauptwache und Konstablerwache, mehr Informationen in den sozialen Netzwerken:

>> Antonio Macan bei Instagram

>> Antonio Macan bei Facebook
1. Dezember 2017
Nicole Nadine Seliger
 
Nicole Nadine Seliger
Jahrgang 1987, Studium der Germanistik, Anglistik und BWL, Leidenschaft für Sport, seit 2016 beim JOURNAL Frankfurt – Mehr von Nicole Nadine Seliger >>
 
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