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Im Gespräch mit Lea Vajnorsky
 

Im Gespräch mit Lea Vajnorsky

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„Die Zeit der Worthülsen muss vorbei sein“

Foto: Women Inc.
Foto: Women Inc.
Lea Vajnorsky arbeitet bei Henkel und ist die Gründerin von Women Inc. Mit dem JOURNAL FRANKFURT hat sie darüber gesprochen, was sie von der Frauenquote hält, warum die Gründerszene noch immer männlich dominiert ist und was sie Frauen rät, die sich selbstständig machen wollen.
JOURNAL FRANKFURT: Lea, du bist eine echte Business Frau: Du hast Women Inc. gegründet, ein Netzwerk für Karrierefrauen, und warst vorher für namhafte Unternehmen wie Axel Springer, Hubert Burda Media und Redstone tätig. Wie bist Du dahin gekommen, wo Du jetzt bist?

Lea Vajnorsky: Bereits während meines Kommunikationsstudiums habe ich einen Mode-Pop-Up-Store in der Frankfurter Innenstadt gegründet. Mir war damals klar, dass ich etwas Eigenes aufbauen muss, bei dem ich mich selbst voll und ganz verwirklichen kann. Man sollte so früh wie möglich die eigenen Stärken und Schwächen kennen. Erst dann kann man seinen Beruf daraus ableiten.

Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus?

Alles andere als klassisch. Meine Arbeitstage beginnen immer sehr früh. Bevor ich ins Büro fahre, verbringe ich viel Zeit mit Women Inc., indem ich bei einer morgendlichen Tasse Kaffee Gespräche führe, E-Mails beantworte und so Kontakte pflege. Vier Tage die Woche verbringe ich in Düsseldorf mit Terminen und dem operativen Geschäft. Einen Tag lang bin ich im Berliner Büro, wo ich mich häufig mit Start-ups austausche und sie berate.

Die Gründerszene gilt als männerdominiert. Warum trauen sich Frauen das Gründen oft nicht zu? Warum scheint es immer noch exotisch zu sein als Frau ein Unternehmen erfolgreich zu leiten?

Das Gründen erfordert bestimmte Charaktereigenschaften. Dominieren muss der Wille zu unermüdlichen Arbeit, Flexibilität, Durchhaltevermögen und vor allem Selbstbewusstsein. Was Eigenes aufzubauen, ist hochkomplex. Tendenziell trauen sich Frauen das im beruflichen Umfeld eher nicht zu und neigen dazu, sich unter ihrem Wert zu verkaufen. Ein anderer wichtiger Aspekt ist, dass Klischees aus meiner Sicht auch in unserem Schul- und Bildungssystem tief verwurzelt sind. Unsere Bildung ist nicht so geschlechterunspezifisch wie ich es mir wünsche. Frauen werden schon früh an eine Rolle herangeführt, die es so, gar nicht geben sollte. Es sind immer wieder herausragende Persönlichkeiten wie zum Beispiel Verena Pausder (Gründerin der Firma Fox & Sheep und Initiatorin von StartupTeens), die Dinge ins Rollen bringen. Unsere Gesellschaft und unsere Politik muss hier viel aktiver sein. Wie meine Kollegin Karol-Monique Westhoff, die das Diversity-Management von Henkel leitet, immer sagt: „Es ist sehr wichtig, dass Mädchen bereits in jungen Jahren Berufe und die Arbeitswelt geschlechtsneutral kennenlernen und dass sie offen bleiben.“

Diese Woche findet Deine exklusive Veranstaltung von Women Inc. in Frankfurt statt. Was ist das Ziel und was kann man sich darunter vorstellen?

Seit Februar 2018, also vor über einem Jahr, haben Robin Haak und ich gemeinsam die Plattform für karrierefokussierte Frauen Women Inc. ins Leben gerufen. Teil des Profits wird an Organisationen gespendet, die sich für Frauenrechte engagieren. Seit Beginn fördern wir beispielsweise die Desert Flower Foundation. Am Donnerstag findet die Veranstaltung zum fünften Mal statt. Wir sind nach Events in Berlin und Tel Aviv nun schon zum zweiten Mal in meiner Heimatstadt Frankfurt. Vor rund 60 Frauen und einem kleineren Anteil an Männern – wir sprechen ja von diversity, also Inklusivität aller – tauschen wir uns über aktuelle und branchenübergreifende Herausforderungen aus. Wir stellen immer ein spannendes Thema in den Vordergrund. Und in einer Paneldiskussion gibt es die Möglichkeit, Fragen und Antworten zu geben. Ziel ist es, relevante Business-Kontakte aufzubauen und zu intensivieren.

Was ist der Unterschied zu anderen Frauennetzwerken?

Vor allem, dass wir auch Männern die Möglichkeit geben, mitzuwirken. Und dass wir Menschen aus allen Industriezweigen zusammenbringen – von Medien-, Werbe- bis hin zur Finanzbranche. Zu unseren prominenten Sprechern gehören zum Beispiel Model Kiera Chaplin, CDU-Politikerin Diana Kinnert sowie Philip Holzer, ehemaliger Goldman Sachs-Banker. Wir legen hohen Wert auf konsequente Inklusivität auf zwei Ebenen: Zum einen vernetzen wir engagierte Frauen miteinander, um zum anderem damit Organisationen zu fördern, die sich für Frauenrechte einsetzen. Wir brauchen mächtige, einflussreiche, Frauen, um einen Wandel herbeizuführen. Kurz gesagt: Die eine Gruppe beeinflusst die andere.

In diesem Jahr feiern wir 100 Jahre Frauenwahlrecht. Was bedeutet für Dich Women Empowerment?

Für mich ist Women Empowerment die Grundlage dafür, dass Frauen sämtliche Rechte und politische Entscheidungen unabhängig treffen können. Also etwas zur weltweiten Gleichberechtigung und Verbesserung beizutragen. Es ist wichtig, dass Frauen sich im Beruf gegenseitig unterstützen. Das passiert meiner Meinung nach viel zu selten. Wir sind in der Minderheit, wenn es um Führungspositionen geht, und um auf einen Gleichstand zu kommen, braucht man Unterstützung – auch von Männern. Ein gutes Beispiel ist mein Chef Rahmyn. Er ist Mitglied des Gründungskomitees Male Champions of Change, eine Initiative gegen Ungleichheit und für Gleichstellung der Geschlechter in Unternehmen.

Braucht es Deiner Meinung nach Frauen-Quoten in Firmen und Vorständen?

Die Frage bekomme ich sehr oft gestellt. Aus meiner Sicht kann es keine einfachen Lösungen geben. Unternehmen müssen sicherstellen, dass genug Frauen bestimmte Positionen innehaben. Langfristig gesehen ist es mein persönliches Ziel, dass Frauen in hohen Positionen ganz natürlich vertreten sind und den Anteil von Frauen in Führungspositionen anzuheben, mehr Gleichberechtigung und mehr Frauen zum Gründen zu ermutigen. Damit uns das gelingt, brauchen wir viele Maßnahmen – die richtigen Rahmenbedingungen, Flexibilität und Freiraum und vor allem die richtige Kultur. Eine Quote kann das vielleicht unterstützen, ist aber kein Allheilmittel. Auf jeden Fall muss die Zeit der Worthülsen vorbei sein, wir brauchen konkrete Maßnahmen.


Was würdest Du jungen Frauen raten, die ein Start-up gründen wollen?

Es gibt keinen Grund, warum Frauen nicht gründen sollten. Das sollte man verinnerlichen. Mit dem Glauben an sich selbst wächst man extrem gut. Für Männer und Frauen gilt gleichermaßen, dass man nur gründen soll, wenn man für seine Idee brennt. Eine Gründung ist ja auch immer ein gewisser Problemlöser, ein „business need“. Davon brauchen wir noch eine Vielzahl.

Lea Vajnorsky ist Frankfurterin, 30 Jahre alt und eine echte Business Frau. Sie ist die Gründerin von Women Inc., einem Netzwerk für Karrierefrauen, für das sie unter anderem die CDU-Politikerin Diana Kinnert sowie Menschenrechtsaktivistin Waris Dirie als Beirätinnen gewinnen konnte. Gleichzeitig ist sie Managerin bei Henkel; im Team von CDO Dr. Rahmyn Kress treibt sie die digitale Transformation des Unternehmens voran. Lea pendelt zwischen Düsseldorf, Berlin und Frankfurt.
 
28. März 2019, 10.05 Uhr
Sheera Plawner
 
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{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 

Leser-Kommentare

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Lina Stahl am 23.4.2019, 12:43 Uhr:
ich habe es damit geschafft bit.ly/2UOFisa
 
 
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