Facebook
|
Twitter
|
RSS
|
eMags Kontakt
|
Mediadaten
|
Impressum
Panorama
Startseite Alle NachrichtenPanorama
Im Frankfurter Zoo wird regelmäßig geübt
 

Im Frankfurter Zoo wird regelmäßig geübt

0

Trainingsprogramm für Arztbesuche und gegen Langeweile

Foto: nb
Foto: nb
Mit Trainings bereiten Tierpfleger im Zoo ihre Schützlinge auf eventuelle Untersuchungen durch den Tierarzt vor. So geht das ohne Stress und oft auch ohne Narkose. Es gibt aber auch ein Programm gegen Langeweile.
Es sieht sehr drollig aus, wie das schwarz-weiße Tamanduajunge Eddi auf seiner Mutter Evita reitet, gemeinsam bewegen sich die beiden aus Südamerika stammenden Ameisenbären so durch ihre Anlage im Frankfurter Zoo. Eddi, der am 8. Juni zur Welt kam, ist noch sehr anhänglich. Das ist zwar niedlich, aber für Tierpfleger Martin Rödl eher unpraktisch. Er will das Muttertier nämlich wiegen – alleine. Also wird das Jungtier kurz entfernt und dann steigt Rödl zu Evita ins Terrarium. Was nun folgt, wird regelmäßig trainiert: Rödl hat eine quadratische, flache Waage mitgebracht und lockt Evita mit einem Klecks Joghurt in einer Schüssel an und tatsächlich bewegt sich das lange Schnäuzchen und das Leckermaul mit der bis zu 40 Zentimeter langen Zunge folgt der Schüssel, bis es auf der Waage zu stehen kommt. „Das Muttertier war früher immer nervös, nach drei Monaten Training gab es erste Erfolge und nach neun Monaten Übung klappt das mit der Waage“, erklärt Zoodirektor Miguel Casares. „Wilde Tiere im Zoo zeigen oft keine richtigen Symptome, wenn sie krank sind. Da geben die Ergebnisse und Schwankungen des regelmäßig überprüften Gewichts wichtige Aufschlüsse.“ Evita lässt sich auch auf die Pfötchen schauen und würde es sogar brav erdulden, wenn man sie mit dem Ultraschallgerät am Bauch berühren würde. Was die Tierpfleger regelmäßig im Zoo mit den Schützlingen üben, erspart im Falle einer medizinischen Untersuchung bei Mensch und Tier Stress, die Alternative wäre die oft schlecht bekömmliche Narkose, die auch nicht bei jedem Tier die ideale Lösung ist. „Wenn man ein Tier trainiert, lernt das zweite meistens mit“, sagt Casares. Es gibt also die Hoffnung, dass sich auch Eddi demnächst brav auf die Waage stellen wird, wenn es Joghurt als Belohnung gibt.



„Normalerweise fressen die Tamanduas Ameisen und Termiten. Wir hätten Evita auch eine Nuss reichen können, aber dann hätte sie uns wohl ausgelacht“, sagt Regina Brinkmann, die seit 1989 im Frankfurter Zoo arbeitet, sich zwölf Jahre lang intensiv um die Menschenaffen kümmerte und nun seit dem vergangenen Jahr Koordinatorin für medizinisches Tiertraining und Tierbeschäftigung ist. Dazu wurde eigens eine Vollzeitstelle geschaffen, was deutschlandweit einzigartig sein soll. Je nach Tierart fällt das Training anders aus. Die Giraffen etwa müssen lernen, dass bei ihnen auch mal die Hufe untersucht oder behandelt werden müssen und bei Großkatzen ist auch mal eine Blutentnahme fällig und wenn ein Tier eine Entzündung am Auge hat, dann müssen eben Augentropfen verabreicht werden. In jedem Fall ist viel Fachwissen und Geduld vonnöten, damit sich zwischen Mensch und Tier ein Vertrauensverhältnis aufbaut. „Dann steigt ein Tier auch bereitwillig in eine Transportbox, wenn es umgesiedelt werden muss und das ganz stressfrei", sagt Casares. Anfang Februar hat der Zoo ein dreitägiges Tiertrainingsseminar veranstaltet, bei dem rund 100 Tierpfleger aus Deutschland und der Schweiz mitgemacht haben. „Der Austausch ist ganz wichtig, da kann jeder vom anderen noch etwas lernen“, berichtet der Zoodirektor.



Regina Brinkmann koordiniert auch die artgerechte Tierbeschäftigung, das übrigens auch Enrichment genannt wird. Das soll ganz wichtig sein für die in Gefangenschaft gehaltenen Tiere, die in ihren kleinen aber geschützten Lebensräumen schnell mal an Langeweile leiden könnten. „Die Gehege sind extra nicht reizarm gestaltet. Aber die aus Südamerika stammenden Tamaduras beispielsweise vermissen den Regen, den Wind und die Geräusche aus der Wildnis.“ Darum versuche man, sie durch neue Reize zu bespaßen, etwa in dem man neue Wurzeln mitbringe oder morsche Stämme aus dem Wald, wo viele Insekten drin leben. „Mit den Vorderbeinen brechen die Ameisenbären die Stämme auf, um an die Insekten zu gelangen. Es sollen alle Sinne geschärft werden und auch der Kopf der Tiere will beschäftigt werden.“ So stopfe man auch mal Insekten in Löcher, die man dann verschließe und die Tiere versuchten dann, mit Tricks und Hilfsmitteln an die Leckereien zu gelangen. Auch ein neues Bodensubstrat könne einen neuen Reiz setzen, weil es einen anderen Geruch ins Gehege bringe, sagt Brinkmann. „Es muss immer spannend sein, die Tiere sollen sich bei uns ja nicht langweilen.“
13. Februar 2018
Nicole Brevoord
 
Empfehlen
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
Schreiben Sie den ersten Kommentar.
 
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Panorama
 
 
Zeit fürs Rotlintstraßenfest
0
Am Samstag kommt Tarek Al-Wazir ins Nordend
Das nun schon 35. Rotlintstraßenfest steht am Samstag an. Gefeiert wird mit einem bunten Bühnenprogramm, mit Flohmarktständen und viel grüner Politikprominenz, unter anderem mit Tarek Al-Wazir. – Weiterlesen >>
Text: nb / Foto: © Bernd Kammerer
 
 
Eine schwarze Nacht im Bahnhofsviertel
0
ROSALIE: Ein Comic über Frankfurts polarisierendste Ecke
Das berüchtigte Bahnhofsviertel inspiriert Michael Götz und Daniel Hartlaub zu einem Comic Noir. 2019 soll "ROSALIE" fertig sein, erste Einblicke in das Projekt erhält man schon jetzt im Yok Yok-Kiosk an der Münchener Straße. – Weiterlesen >>
Text: Ilona Youssef / Foto: Ilona Youssef
 
 
Bombenentschärfung am Kaiserleikreisel
0
1500 Offenbacher mussten ihre Wohnungen verlassen
Am Donnerstagnachmittag wurde bei Bauarbeiten am Kaiserlei-Kreisel ein Blindgänger gefunden, der abends entschärft wurde. Rund 1500 Anwohner mussten evakuiert werden. – Weiterlesen >>
Text: nb / Foto: Kampfmittelräumdienst (Archivaufnahme)
 
 
 
In der Nacht zum Donnerstag brannte in Fechenheim ein Auto der Marke Mercedes-Benz. Der Brand griff zwar nicht erheblich an andere Fahrzeuge über, doch Anwohner erlitten Atemwegsreizungen. Der entstandene Schaden ist hoch. – Weiterlesen >>
Text: vh / Foto: nil
 
 
Rabe Socke, Pettersson und Findus:
2
Vom Frankfurter Ostend auf die große Leinwand
Die Frankfurter Produktionsfirma Chimney animiert Kinofilmfiguren wie Rabe Socke oder Pettersson und Findus. In einem Großbaumbüro im Ostend werden diese Charaktere gerade lebendig. – Weiterlesen >>
Text: ffm/Pelin Abuzahra / Foto: Stadt Frankfurt
 
 
<<
<
1  2  3  4  ...  1440 

Twitter Activity