Facebook
|
Twitter
|
RSS
|
eMags Kontakt
|
Mediadaten
|
Impressum
Kultur
Startseite Alle NachrichtenKultur
Zwei Künstler bespielen das Lola Montez
 

Zwei Künstler bespielen das Lola Montez

0

Holger Kurt Jäger und Philipp Alexander Schäfer loten Gemeinsamkeiten aus

Foto: Tamara Marszalkowski
Foto: Tamara Marszalkowski
Im Kunstverein Familie Montez werden unter dem Titel "Lot" Werke zweier befreundeter Künstler ausgestellt: Was verbindet den Düsseldorfer Holger Kurt Jäger und den Frankfurter Philipp Alexander Schäfer?
An den Airbags kleben Blut, Schweiß und Tränen. Sie haben schon mal ein Leben gerettet. Nun werden sie von Zitaten aus der Popkultur gekrönt: „I Believe I Can Fly“ oder „Everybody Dance Now!“ Doch das banalisiert den Airbag keineswegs. Es beflügelt viel eher beim Betrachten. Die Arbeiten des Düsseldorfer Künstlers Holger Kurt Jäger lassen dem Gegenstand eine ihm gebührende Ehre zuteil werden: Sie machen ihn zur Kunst. „Das sind Schutzengel. Und als Informationsträger sind sie besonders spannend“, sagt Jäger. Schließlich steckt eine unglaubliche Geschichte hinter jedem einzelnen. Und die Körperflüssigkeiten sind stumme Zeugen.

Jäger eröffnet heute Abend gemeinsam mit dem befreundeten Künstler Philipp Alexander Schäfer die Schau „Lot“ im Kunstverein Familie Montez e.V. Die beiden kennen sich bereits seit fast 20 Jahren und haben sich über das Graffiti Sprühen kennengelernt. In der Schau zeigen sie Malerei, Skulptur und Fotografien.

Der Autodidakt Philipp Alexander Schäfer zeigt politische Arbeiten. Sie drehen sich vor allem um das Thema der Überwachung. Gullideckel spielen dabei auch eine Rolle. Das ist jetzt gar nicht verschwörungstheoretisch gemeint. Vielmehr stehen sie bildlich für ein Tor zu einer unsichtbaren Unterwelt, auf die man keinen Zugriff hat. Ähnlich wie wir keine Gewalt mehr über unsere Daten haben. So tauchen sie in seinen Arbeiten immer wieder auf. Besonders beeindruckend ist die Nachbildung des Hauptsitzes des GCHQ, also des britischen Nachrichtendienstes. Es ist ein interaktives Objekt: In der Öffnung des Modells zeichnen zwei Kameras gegenüberliegende Bildschirme auf. Dadurch entsteht ein Effekt wie bei zwei gegenüberliegenden Spiegeln – ein Sog entsteht. Läuft man daran vorbei wird man unendlichfach gespiegelt. Die Spiegelung wird in das kleine Gebäude hineingesogen. Das steht dann stellvertretend für unsere Daten, die auch einfach so von den Geheimdiensten eingefangen werden, die unter einer Oberfläche verschwinden und auf die wir keinen Zugriff mehr haben. Auch Whistleblower spielen in dem Kontext natürlich eine große Rolle. So auch für Schäfer. Er zeigt mit seiner Skulptur einer Pfeife, bestehend aus vielen kleinen Pfeifen, dass ein Mutiger allein nicht reicht. Erst müssen viele sich gegen die großen Mächte der Geheimdienste und Unternehmen erheben und zusammenschließen, damit sich etwas bewegen kann.

Von Jäger ist viel Malerei zu sehen. Auch er nimmt sich politische Themen zur Brust. Seine Vorliebe für besondere Informationsträger ist auffällig: Er stellt eine Reihe von Porträts politischer Despoten auf Waschlappen aus. Was uns das wohl zu sagen hat? Donald Trump, Uwe Mundlos und Alice Schwarzer sind unter anderem zu sehen. „Ich mag Doppelbödigkeit“, so Jäger.

Wer also zugängliche Kunst, gewürzt mit einer ordentlichen Portion Zynismus, einem Schuss Bitterkeit und einem guten Stück Humor sehen will, sollte heute Abend zur Vernissage im Lola Montez gehen.

>>> "Lot" im Kunstverein Familie Montez, Honsellstraße 7, 60314 Frankfurt am Main, Vernissage: 8. Januar 2016, 18 Uhr, Ausstellung: 8. Januar bis 7. Februar 2016
 
8. Januar 2016, 11.36 Uhr
Tamara Marszalkowski
 
Tamara Marszalkowski
Theaterredakteurin. Jahrgang 1987, Studium der Kunstgeschichte, Ethnologie und Pädagogik in Frankfurt, seit 2015 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Tamara Marszalkowski >>
Mail schreiben
 
Empfehlen
 
Fotogalerie: LOT im Lola Montez
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
Schreiben Sie den ersten Kommentar.
 
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Kultur
 
 
Am morgigen Samstag eröffnet das Historische Museum seine neuen Ausstellungsräume im Haus zur Goldenen Waage. In dem rekonstruierten Renaissancebau in der Neuen Altstadt, gibt es eine Ausstellung mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen aus dem 17. Und 18. Jahrhundert zu sehen. – Weiterlesen >>
Text: Nathanael Reuter / Foto: © HMF, Uwe Dettmar
 
 
Die für Frühjahr 2020 angesetzte Wiedereröffnung des Jüdischen Museums verzögert sich. Durch unerwartet aufwändige Arbeiten am Altbau und Schwierigkeiten, Baufirmen zu finden, müsse der Termin verschoben werden. – Weiterlesen >>
Text: nre / Foto: Staab Architekten
 
 
Ausstellung im Archäologischen Museum
1
Grönland – Mehr als Schnee und Schlittenhunde
Derzeit befasst sich eine Ausstellung im Archäologischen Museum mit der Geschichte Grönlands. Gezeigt wird unter anderem ein Graphic Novel-Projekt, das sich in enger Abstimmung mit Archäologinnen und Archäologen der Geschichte Grönlands angenähert hat. – Weiterlesen >>
Text: Nathanael Reuter / Foto: nre
 
 
 
Praml trifft Beethoven
0
Ta ta ta taaaaa!
Gregor Praml trifft Ludwig van Beethoven. Zur Feier von Beethovens 250. Geburtstags hat sich der Gastgeber der Gesprächskonzert-Reihe „The LOKAL Listener“ viele regionale Künstlerinnen und Künstler in den Mousonturm eingeladen. – Weiterlesen >>
Text: Detlef Kinsler / Foto: Claudia Praml
 
 
Ausstellungsbeginn Maximilian Schell
0
Deutsches Filmmuseum widmet Schell eine große Schau
Maximilian Schell gehörte zu den wenigen deutschsprachigen Schauspielern, die in Hollywood reüssierten. Bereits früh gewann er den Oscar als bester Hauptdarsteller. Das Deutsche Filmmuseum Frankfurt widmet ihm ab morgen eine große Ausstellung. – Weiterlesen >>
Text: Andreas Dosch/srp / Foto: Uwe Dettmar/DFF
 
 
<<
<
1  2  3  4  ...  674