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Foto: Tamara Marszalkowski
Foto: Tamara Marszalkowski

Zwei Künstler bespielen das Lola Montez

Holger Kurt Jäger und Philipp Alexander Schäfer loten Gemeinsamkeiten aus

Im Kunstverein Familie Montez werden unter dem Titel "Lot" Werke zweier befreundeter Künstler ausgestellt: Was verbindet den Düsseldorfer Holger Kurt Jäger und den Frankfurter Philipp Alexander Schäfer?
An den Airbags kleben Blut, Schweiß und Tränen. Sie haben schon mal ein Leben gerettet. Nun werden sie von Zitaten aus der Popkultur gekrönt: „I Believe I Can Fly“ oder „Everybody Dance Now!“ Doch das banalisiert den Airbag keineswegs. Es beflügelt viel eher beim Betrachten. Die Arbeiten des Düsseldorfer Künstlers Holger Kurt Jäger lassen dem Gegenstand eine ihm gebührende Ehre zuteil werden: Sie machen ihn zur Kunst. „Das sind Schutzengel. Und als Informationsträger sind sie besonders spannend“, sagt Jäger. Schließlich steckt eine unglaubliche Geschichte hinter jedem einzelnen. Und die Körperflüssigkeiten sind stumme Zeugen.

Jäger eröffnet heute Abend gemeinsam mit dem befreundeten Künstler Philipp Alexander Schäfer die Schau „Lot“ im Kunstverein Familie Montez e.V. Die beiden kennen sich bereits seit fast 20 Jahren und haben sich über das Graffiti Sprühen kennengelernt. In der Schau zeigen sie Malerei, Skulptur und Fotografien.

Der Autodidakt Philipp Alexander Schäfer zeigt politische Arbeiten. Sie drehen sich vor allem um das Thema der Überwachung. Gullideckel spielen dabei auch eine Rolle. Das ist jetzt gar nicht verschwörungstheoretisch gemeint. Vielmehr stehen sie bildlich für ein Tor zu einer unsichtbaren Unterwelt, auf die man keinen Zugriff hat. Ähnlich wie wir keine Gewalt mehr über unsere Daten haben. So tauchen sie in seinen Arbeiten immer wieder auf. Besonders beeindruckend ist die Nachbildung des Hauptsitzes des GCHQ, also des britischen Nachrichtendienstes. Es ist ein interaktives Objekt: In der Öffnung des Modells zeichnen zwei Kameras gegenüberliegende Bildschirme auf. Dadurch entsteht ein Effekt wie bei zwei gegenüberliegenden Spiegeln – ein Sog entsteht. Läuft man daran vorbei wird man unendlichfach gespiegelt. Die Spiegelung wird in das kleine Gebäude hineingesogen. Das steht dann stellvertretend für unsere Daten, die auch einfach so von den Geheimdiensten eingefangen werden, die unter einer Oberfläche verschwinden und auf die wir keinen Zugriff mehr haben. Auch Whistleblower spielen in dem Kontext natürlich eine große Rolle. So auch für Schäfer. Er zeigt mit seiner Skulptur einer Pfeife, bestehend aus vielen kleinen Pfeifen, dass ein Mutiger allein nicht reicht. Erst müssen viele sich gegen die großen Mächte der Geheimdienste und Unternehmen erheben und zusammenschließen, damit sich etwas bewegen kann.

Von Jäger ist viel Malerei zu sehen. Auch er nimmt sich politische Themen zur Brust. Seine Vorliebe für besondere Informationsträger ist auffällig: Er stellt eine Reihe von Porträts politischer Despoten auf Waschlappen aus. Was uns das wohl zu sagen hat? Donald Trump, Uwe Mundlos und Alice Schwarzer sind unter anderem zu sehen. „Ich mag Doppelbödigkeit“, so Jäger.

Wer also zugängliche Kunst, gewürzt mit einer ordentlichen Portion Zynismus, einem Schuss Bitterkeit und einem guten Stück Humor sehen will, sollte heute Abend zur Vernissage im Lola Montez gehen.

>>> "Lot" im Kunstverein Familie Montez, Honsellstraße 7, 60314 Frankfurt am Main, Vernissage: 8. Januar 2016, 18 Uhr, Ausstellung: 8. Januar bis 7. Februar 2016
 
8. Januar 2016, 11.36 Uhr
Tamara Marszalkowski
 
Tamara Marszalkowski
Theaterredakteurin. Jahrgang 1987, Studium der Kunstgeschichte, Ethnologie und Pädagogik in Frankfurt, seit 2015 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Tamara Marszalkowski >>
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Fotogalerie: LOT im Lola Montez
 
 
 
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