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Ups and Downs der Buchmesse
 

Ups and Downs der Buchmesse

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Eine fulminante 69.Frankfurter Buchmesse

Foto: Frankfurter Buchmesse
Foto: Frankfurter Buchmesse
Am Sonntag ging die 69.Frankfurter Buchmesse zu Ende. Dieses Jahr gab's jedoch nicht nur Highlights. Die Messe trat bereits im Vorfeld eine Debatte los - die sogar am Ende in Krawall mündete. Wir ziehen Bilanz für Sie.
Am Sonntag ging die 69.Frankfurter Buchmesse zu Ende, traditionsgemäß mit der Übergabe der Gastrolle. Der diesjährige Ehrengast Frankreich sorgte für viel Glanz: Mit einem schönen, dauerhaft gut besuchten Pavillon, mit Emmanuel Macron als Ehrengast und einem besonders wohlgesonnenen Auftritt des Skandalautors Michel Houellebecq. Nächstes Jahr wird Georgien Ehrengast sein.

+ Die Buchmesse in Zahlen
Obwohl die Frankfurter Buchmesse besonders am Messewochenende, das auch für private Besucher geöffnet ist, gefühlt aus allen Nähten platzte, kann sie dieses Jahr ein Besucherplus verzeichnen. Insgesamt kamen 286.425 Besucherinnen und Besucher. Das entspricht einem Zuwachs von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt nahmen 7.300 Aussteller aus 102 Ländern an der Messe teil. 4.000 Veranstaltungen fanden in der Woche statt.



Foto: © Dettmar/Goethe-Universität

+ Der Auftritt von Emmanuel Macron
Zur Eröffnung der Buchmesse gab sich niemand Geringerer die Ehre als das französische Staatsoberhaupt Emmanuel Macron. Gemeinsam mit Angela Merkel eröffnete er die 96.Frankfurter Buchmesse. So nahm man in dieser Woche nicht nur das Gastland in den Blick, sondern viel eher die gemeinsame Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich. Dabei spielte Europa eine zentrale Rolle - was besonders bei Macrons Besuch und Vortrag an der Goethe-Universität vor der Eröffnung spürbar wurde. Dort sprach er über seine Visionen für Europa und setzte im Gespräch mit Daniel Cohn-Bendit und Gilles Kepel für die Zukunft Europas auf Bildung und Kultur.



Foto: © Bernd Kammerer

+ Deutscher Buchpreis: Robert Menasse
Über Europa schreibt auch der diesjährige Träger des Deutschen Buchpreises: Robert Menasse. Der gebürtige Wiener wurde für seinen Roman "Die Hauptstadt" mit dem wichtigsten deutschen Bücherpreis ausgezeichnet. Der Roman spielt in Brüssel und im Milieu der EU-Kommission.



Foto: © Bernd Kammerer

+ Friedenspreis: Margaret Atwood
In der Paulskirche wurde am Sonntag der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Margaret Atwood verliehen. In der Laudatio bezeichnete die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse Atwood als ein "dramaturgisches Genie mit Röntgenblick und der Präzision einer Messerwerferin". Diese Fähigkeit zeigte die Preisträgerin auch beim Gespräch mit der versammelten Presse, als sie Stellung zur aktuellen Politik bezog. "Ich bin möglicherweise die einzige Autorin, die von Trump profitiert", sagte die Kanadierin, deren Werke wie "The Handmaid's Tale" wegen ihrer dystopischen Weltsicht aktuell in vielen Buchhandlungen prominent ausliegen. Die politische Situation fühle sich an wie in den 1930er Jahren, gab die 77-Jährige zu bedenken. Viele hätten nicht glauben wollen, dass eine Welt voller Unterdrückung, wie sie Atwood in ihrem bekanntesten Werk beschreibt, auch in den USA passieren könne. Als ein Journalist sie nach einem Wunsch an Trump fragte, zeigte Atwood auch ihren feinen Humor: "Ich glaube nicht, dass ich die Chance hätte, ihm etwas zu sagen, denn er würde die ganze Zeit selbst reden. Ich würde stattdessen seinen Mitarbeiter bitten, ihm den Twitter-Account wegzunehmen."

+ Der Auftritt von Michel Houellebecq
Sogar der französische Skandalautor Michel Houellebecq war dieses Jahr der Buchmesse wohlgesonnen. Auf die Lesung im Schauspiel Frankfurt hatte der unberechenbare Schriftsteller sich nur halbherzig eingelassen. Eigentlich wollte er nur kurz auf die Bühne und dann wieder verschwinden. Doch was geschah? Er war kaum zu bremsen und hielt erst einmal einen einstündigen Monolog, vergnüglich an seiner E-Zigarette ziehend.



Foto: © Bernd Kammerer

+ Die Lesung mit Dan Brown
Dass sich der amerikanische Bestseller-Autor die Frankfurter Buchmesse für seinen einzigen Auftritt in Deutschland ausgesucht hat, dürfte die Veranstalter sehr gefreut haben. Als Mann, der "die Mona Lisa zum Lächeln brachte, die Kritik zur Ekstase und den Vatikan zur Verzweiflung" wurde Brown am Samstagabend vor 1.200 Besuchern angekündigt, die seinen neuesten Thriller "Origin" kennenlernen wollten - in der deutschen Übersetzung kongenial vorgetragen von Richard III-Darsteller Wolfram Koch, der auch Brown schwer beeindruckte. "Ich wusste gar nicht, dass meine Texte so dramatisch sind", scherzte er angesichts Kochs Darbietung. Daneben zeigte sich Brown bestens gelaunt und plauderte ähnlich angeregt über sein Werk wie beim Pressegespräch am Donnerstag. Seine Fans bedankten sich für Browns Auftritt mit Standing Ovations.

+ Yasmina Reza im Schauspiel
Auch eine der bekanntesten Schriftstellerinnen des Gastlandes hat in Frankfurt vorbeigeschaut. Im Schauspiel stellte Yasmina Reza am Freitagabend gutgelaunt ihr neuestes Werk vor: Den Roman "Babylon". Erneut geht es um Unsicherheiten, unausgesprochene Dinge und die Frage, wie schnell das Glück zerbrechen kann. Reza schaut hinter die Fassaden ihrer Figuren und deckt auf, worüber ihre Protagonisten schweigen. Schauplatz ist diesmal eine Gartenparty, die von anfangs harmlosen Plaudereien zu den Abgründen menschlicher Beziehungen führt und schließlich mit einem Mord endet. Die Autorin des in Hollywood verfilmten Theaterstücks "Der Gott des Gemetzels" verriet, dass es ihr schwerfalle, ihre Figuren zu töten und sie es nicht mag, dass Schriftsteller häufig eine Metamorphose zum Intellektuellen durchmachen. Zu Macron sagte sie dann doch noch etwas. "Er ist neu, unverbraucht in der Politik. Eine Mehrheit in Frankreich wünscht ihm Erfolg, ohne ihn zu lieben."



Foto: © Andreas Henn

+ Die Buchmessenpartys
Ein Plus (mit darauf folgendem Minus am nächsten Tag) sind auch immer die Buchmessenpartys. Sie sind das eigentliche Highlight der Buchmesse und das worauf jeder heimlich hinfiebert. Von der Zeit Magazin-Party im Plank am Dienstag, über die Rowohlt-Party im Schirn-Café, bis hin zur Titanic-Party am Freitag im Ruderverein und der Open Party am Samstag im Literaturhaus: Getrunken wird immer. Geraucht auch. Getanzt nur manchmal. Da lästert dann der Feuilletonist über die Schriftstellerin und manch einer freut sich darüber, dass sich sein Alkoholkonsum im Gegensatz zu der journalistischen Zunft dann doch noch in Grenzen hält. Und über allem schwebt Richard David Precht und seine Haarpracht.

Und Florian Illies erzählte im Plank folgende Anekdote über die Gestaltung des aktuellen Zeit Magazins, das er zum Thema Wolken konzipierte: Illies habe in allen seinen journalistischen Stationen probiert, mit Gerhard Richter zusammenzuarbeiten. "Ich habe ihm lange Anfragen geschrieben. Ein paar Tage später hat er sich am Telefon stets mit 'Richter, Köln' gemeldet - und meinte auch jedesmal, meine Idee sei wunderbar. Nur leider, leider passe es gerade nicht. Diesmal habe ich, darauf vertrauend, dass es nichts wird, einen Einzeiler geschrieben: Ob er Wolkenbilder habe fürs Zeit Magazin zum Thema Wolken? Wenige Tage später rief er an. 'Wunderbare Idee!' Und: 'Ich habe gerade welche gemacht, schick ich Ihnen zu.' - So einfach."

- Debatte um rechte Verlage und Handgreiflichkeiten
Die Teilnahme rechter Verlage wurde bereits im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse kontrovers debattiert. Unterschiedliche Protestaktionen vonseiten der Mitarbeiter des Börsenvereins selber, des Oberbürgermeisters und der Bildungsstätte Anne Frank prägten die Bilder der diesjährigen Buchmesse. Die Organisatoren platzierten bewusst linke Stände gegenüber den Ständen der rechten Verlage. Schließlich kam es dann zu Provokationen beider Seiten. Da wurden Bücher rechter Stände mit Zahnpasta beschmiert oder gleich ganze Stände leergeräumt. Sowohl am Freitag als auch am Samstag kam es dann zu körperlichen Auseinandersetzungen.

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, und Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, äußerten sich wie folgt zu den Vorkommnissen: "Wir verurteilen jede Form der Gewalt. Sie verhindert den Austausch von politischen Positionen. Wir werden sie als Mittel der Auseinandersetzung nicht zulassen." Auch beziehen sie nochmals Stellung zu der Entscheidung, die rechten Verlage an der Messe teilnehmen haben zu lassen: "Die Frankfurter Buchmesse lebe von der Vielfalt der Meinungen und ist ein Ort des freien Dialogs. Das ist die unveränderliche Haltung der Frankfurter Buchmesse und des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels."
16. Oktober 2017
Tamara Marszalkowski/ Nicole Nadine Seliger
 
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