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Foto: Harald Schröder
Foto: Harald Schröder

Sex, Money and Respect im Mousonturm

Rapper mit Handtaschen

Im Mousonturm veranstalten Murat Güngör und Markus Gardian die Konferenz „Sex, Money & Respect: Männlichkeit zwischen Gangsta- und Queerrap“. Besseres Timing für eine Konferenz, die sich um Männlichkeitsbilder dreht, kann man sich nicht vorstellen.
JOURNAL FRANKFURT: Wieso ist es wichtig, über Männerbilder im Hip-Hop zu reden?
GÜNGÖR (rechts im Foto): Die Szene ist immer noch sehr männlich dominiert. Natürlich gibt es weibliche MCs. Aber es ist immer noch eine sehr starke männliche Musikform. Aber sie wird jetzt von beiden Seiten aufgebrochen. Sowohl von weiblichen MCs als auch von queeren Künstlern, die auch diese Rollenverständnisse in Frage stellen.

GARDIAN (links im Foto): Es gibt diese neue Welle aus Amerika, den Cloud-Rap. Da sind dann auf einmal Rapper mit Handtaschen. Die Künstler sehen gar nicht queer aus, weil sie sich in diesem harten, männlichen Kontext inszenieren. Und auf einmal sieht die Handtasche an ihnen ganz cool aus.

Mit der #metoo-Debatte könnte das Timing für solch eine Debatte nicht besser sein ...

GARDIAN: Das ist spannend. Gesellschaftlich gibt es ja zurzeit sehr stark dieses Phänomen des starken Mannes. Man muss sich nur Donald Trump oder die AfD ansehen. Da kommt unsere Konferenz natürlich zum richtigen Zeitpunkt.

GÜNGÖR: Es gibt da dieses Foto. Das war bei mir das Aha-Erlebnis. Als ich das gesehen habe, dachte ich mir: Ok, da muss man jetzt echt was machen. Es geht dabei um das Foto auf dem Trump und Kanye West im Trump Tower zu sehen sind - das war kurz nach der Vereidigung. Auf diesem Bild sieht man zwei komplett unterschiedliche Männer. Da fragt man sich: Wie geht das?! Ich glaube, das verbindende Moment ist die Männlichkeit. Beide sind auf so einem Egotrip und vertreten eine ganz übertriebene Form von Männlichkeit.

Sprechen Sie das Thema Sexismus dezidiert an?
GÜNGÖR: Das wird garantiert ein Thema bei dem Streitgespräch zwischen Sookee und Celo sein. Sookee ist eine Rapperin, die aus dem Berliner Queer-Rap-Umfeld kommt. Celo & Abdi sind beim Label Azzlackz von Rapper Haftbefehl. Da prallen zwei Welten aufeinander. Aber auch bei Tricia Rose, der renommiertesten Hip-Hop-Theoretikerin, die wir aus New York einfliegen lassen, wird das ein Thema sein.

Ihr Vortrag dreht sich um die Hypermaskulinität im amerikanischen Rap. Aber auch Frieda Frost und Michael Rappe beleuchten die ästhetischen Formen des Aushandelns von Genderkonstruktionen im Breakdance. Da geht es dann um die Sichtbarmachung von Frauen im Breakdance. Die waren dort viel präsenter als im Rap-Kontext. Außerdem geht es beim Breakdance viel stärker um Kooperation, darum, gemeinsam zu tanzen. Da zählt viel mehr das, was du kannst. Und beim Rap hast du die Sprache. Ich finde, dass die Sprache ganz entscheidend ist, um Abgrenzung überhaupt herzustellen.

Woher kommt es, dass Hip-Hop-Künstler auf einmal Gender zum Thema machen?
GÜNGÖR: Ich glaube, das Bedürfnis kommt auch aus der Szene selber heraus. Wenn man sich anschaut, dass mittlerweile viel mehr Künstler diese stereotypischen Männlichkeitskonstruktionen in Frage stellen. Frank Ocean zum Beispiel, der sich selber in seinen Songs outet, dass er auf Männer steht. Oder Tylor the Creator, der mit solchen Modellen spielt. Da gibt es aus der Szene heraus eine Bewegung, die in Deutschland allerdings noch relativ schwach ausgeprägt ist.

Was ist anders an Queer-Rap?
GÜNGÖR: Die Thematiken sind natürlich ganz unterschiedlich und auch die Bilder und Leerstellen. Das sind komplett unterschiedliche Blickwinkel. Im klassischen Gangsta-Rap haben wir die Straße im Vordergrund, das Kleinkriminelle und diesen Wettbewerb darum, wer der Stärkste ist. Dass das Individuum und sein Erfolg so sehr im Vordergrund stehen, ist natürlich eine unglaubliche neoliberale Haltung. Es geht auch um den Männerbund. Dafür stehen diese ganz klassischen Mafia-Filme Pate. In Deutschland ist Queer-Rap noch ein ganz junges Phänomen. Da kann man noch nicht von so einer einheitlichen Richtung sprechen.

Wie kommt es eigentlich, dass Gangsta-Rap auf einmal in den Feuilletons angekommen ist?
GÜNGÖR: Gangsta-Rap wird hier von seiner ästhetischen Seite heraus thematisiert. Das Phänomen einer neuen Jugendsprache wird untersucht. Da wird das neue Album von Celo & Abdi zum Beispiel nicht nur in der Juice, sondern auch in der Süddeutschen besprochen. Denn dort geht es um eine migrantische Perspektive. Es geht um Identitäten, die darauf verhandelt werden. Und die Quellen für Identitäten sind Migration und Gender.

Woher kommt es, dass Migration solch ein zentrales Thema im Gangsta-Rap ist?
GÜNGÖR: Da muss man sich nur die Biografien von den Künstlern anschauen. Gerade hier in Deutschland. Die meisten Gangsta-Rapper haben eine migrantische Biografie. Und mittlerweile sogar eine Flüchtlingsbiografie wie Xatar zum Beispiel, der kurdischer Abstammung ist. Da wird ja nicht Hochdeutsch gerappt. Da gibt es ganz viele Versatzstücke aus dem Arabischen, dem Kurdischen, Türkischen oder Serbisch-Kroatischen wie bei Celo & Abdi. Und nicht nur die sprachliche Gemengelage, sondern auch die Inhalte verhandeln das Thema Migration. Gerade bei Celo & Abdi: Ihr letztes Album trägt den Titel „Diaspora“.

Nach welchen Kriterien habt ihr das musikalische Programm kuratiert?
GARDIAN::Uns war wichtig, dass die neue Welle des Hip-Hops repräsentiert wird. Auch damit man die Jugendlichen erreicht. Diese Neue Welle des Cloud Rap, so Künstler wie RIN oder Ufo361, ziehen ein ganz anderes Publikum an: Hipster und Studenten. Der Frauenanteil ist höher. Die Stimmung ist eine andere. Es geht nicht mehr ums Kleinkriminelle. Musikalisch ist es auch nicht mehr so aggressiv. Es ist chilliger, mehr elektronische Klänge und alles wabert so herum.

Was bezwecken Sie mit dieser ­Konferenz?
GARDIAN: Wir versuchen, die Jugendlichen, die sich für Popkultur interessieren, näher an den Diskurs zu bringen. In der Hip-Hop-Kultur geht man ja nicht so auf Vorträge. Das was wir machen, gab’s bisher noch nicht in der Hip-Hop-Kultur. Aber jetzt hören auch Hipster und Studenten Hip-Hop. Auch deswegen wollten wir da mal etwas Diskursiveres veranstalten.
GÜNGÖR: Aber auch aus der Szene heraus werden diese Fragen aufgeworfen. Uns geht es auch darum, dass wir nicht nur einen akademischen Diskurs thematisieren. Wir wollen auch die Szene zu Wort kommen lassen. Und auch nicht nur die Rapper selbst, sondern auch die Konsumenten: die Jugendlichen. Spaiche von Aggro Berlin hat es mal auf den Punkt gebracht: Rap ist ein Männerauffanglager. Damit meint er, dass letztendlich Rap eines der wenigen Refugien ist, wo man eine ganz starke, heterosexuelle, dominante Männerkultur ausleben kann. Wir wollen allerdings nicht mit dem gehobenen Zeigefinger an den Diskurs herangehen.

Konferenz Fr 8.–So 10.12., Mousonturm, Waldschmidtstraße 4.
Infos zu Tickets und Programm unter
www.mousonturm.de
 
7. Dezember 2017, 10.20 Uhr
Tamara Marszalkowski
 
 
Fotogalerie:
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