Nichtseattle heißt das Projekt von Katharina Kolmann, das sie solo oder mit Band am 9. Juni in der Brotfabrik auf die Bühne bringt. Nicht Seattle? Denkste. Mitunter klingen tatsächlich Nirvana an.
Detlef Kinsler /
Tocotronic standen mit ihrem Song „Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk“ vom gefeierten Debütalbum „Digital ist besser“ Pate für Katharina Kolmanns Künstlernamen. Unter dem hat die Ostberlinerin bis dato drei Alben aufgenommen. „Wendekind“ (2019) und „Kommunistenlibido“ (2022) bezogen sich dabei – sie wurde vier Jahre vor dem Fall der Mauer geboren – textlich auf ihre Sozialisation in der DDR und die Wiedervereinigung.
Nichtseattle – Wiederaufleben der Hamburger Schule unter feministischen Vorzeichen
„Falls jemand auf der Suche war nach einer Liedermacherin für diese Zeit: Sie ist gefunden“, war im Musikexpress zu lesen: „großartiges Singer/Songwriter*innentum; Wiederaufleben der Hamburger Schule, aber unter feministischen Vorzeichen; gesellschaftliche Analyse mit politischem Bewusstsein jenseits von Parteiengrenzen ...“. Tatsächlich war es das Tocotronic-Album „K.O.O.K“, das Kolmann inspirierte, wie sie einmal wissen ließ. Da die Songs dem Folk so nah sind wie sie andererseits Indie-Feeling versprühen, sind die Assoziationen, die sie in den Rezensionen auslösten, breit gefächert von Crosby, Stills & Nash über PJ Harvey bis – von wegen nicht Seattle – Nirvana.
Katharina Kolmann „bleibt auf Abwegen, weil zu sensibel“
Beim neuen Song „Attribute“ drängt sich bei der Art wie die Sängerin phrasiert und die Gitarrenakkorde setzt The Police auf. Auch wenn Kolmann ihre Tour jetzt mit Sebastian Wiege (Gitarre, Background Vocals), Juliane Graf (Bass, Background Vocals), Sebastian Albin (Schlagzeug) und Gregor Lener (Flügelhorn) als Band absolviert, spielt sie nach wie vor viele Solokonzerte. Denn da lässt sich die Aufmerksamkeit des Publikums stärker auf die Texte lenken, die sie in den teils bis zu siebenminütigen Stücken intuitiv entwickelt. „Haus“ heißt das zuletzt erschienene Album. Angekündigt werden Lieder aus der Prekarität, über notwendige Solidarität, über Sippen und notwendige Unterstände. Bei all der Aufmerksamkeit, die ihr zuteil wird und den Feedbacks, die sie dankbar wahrnimmt, gilt für sie: „Ich bleib auf Abwegen, weil zu sensibel.“
Info Nichtseattle, Singer/Songwriter-Pop, Ffm: Brotfabrik, Bachmannstraße 2–4, 9.6., 20 Uhr, Eintritt: 18,60 Euro Weitere Konzert-Highlights im Juni finden Sie hier.
Weil sein Hobby schon früh zum Beruf wurde, ist Fotografieren eine weitere Leidenschaft des Journal-Frankfurt-Musikredakteurs, der außerdem regelmäßig über Frauenfußball schreibt.