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Foto: privat
Foto: privat

Im Gegenlicht: Heinz Sauer

„Mit einer Biografie kommt man ihm nicht bei“

Unverwechselbar ist das Spiel des Saxophonisten Heinz Sauer. Ihm und seiner Musik kann man nicht mit einer normalen Biografie gerecht werden. Rainer Wieczorek hat ihm ein literarisches Porträt gewidmet; expressiv wie dessen Spiel.
Das ausdrucksstarke Schwarzweiß-Foto von Wilfried Martin auf dem Cover von Rainer Wieczoreks Buch „Im Gegenlicht: Heinz Sauer“ zeigt den Musiker im Anschnitt, sein Saxophon fest im Griff, mit gesenktem Kopf auf den richtigen Moment wartend, sein Spiel zu beginnen oder fortzusetzen. Das erste Zitat Sauers, das dem Band anstelle eines Prologs voran steht, sagt viel über den Portraitierten aus. „Die Kunst des Weglassens: Das ist die Kunst“. Die Pianistin und Sängerin Petra Woisetschläger und der Kontrabassist Udo Betz werden ihr gemeinsames Konzert in der Brotfabrik sicher nie vergessen. Sie hatten Sauer als Solisten für ihre ohnehin sparsam angelegten Interpretationen von Rock- und Pop-Klassikern gewinnen können und das Repertoire des Abends vorher kurz angespielt. Das Geprobte im Ohr wartete Woisetschläger auf Sauers Einsatz. Aber Heinz spielte, anders als verabredet, erst einmal – nichts.

Wer dabei auf die Idee gekommen wäre, das als Nichtachtung oder Respektlosigkeit zu begreifen, es war genau das Gegenteil. Sauer hörte den beiden Mitstreitern konzentriert zu. Und in dem Moment, wo er glaubte, zum Stück etwas Sinnvolles beitragen zu können, setzte er sein Instrument an. Wolfram Knauer, der Direktor des Jazzinstituts Darmstadt, ergänzte den eingangs zitierten Satz Sauers wie folgt: „Die Kunst des Weglassens ist zugleich die Kunst, zum Wesentlichen zu gelangen. Wenig Musikern gelingt dies so ein- und ausdrucksvoll wie dem Tenorsaxofonisten Heinz Sauer.“ Einer Persönlichkeit wie Sauer wird man mit einer normalen Biografie nicht gerecht. Daten lassen sich bei Wikipedia nachlesen. Rainer Wieczorek (links im Bild), der Deutsch an der Bertolt-Brecht-Schule in Darmstadt lehrt, hat bereits mehrere, preisgekrönte, der Kunst gewidmete Bücher geschrieben.

Warum also ist „Im Gegenlicht“ eine Künstlernovelle und nicht einfach nur eine Biografie? „Helmut Böttiger meinte im Jazzpodium, es sei eine Künstlernovelle. Ich habe versucht, mich sehr stark zurückzunehmen, um Heinz Sauer den Platz zu lassen, den er verdient. Mit einer Biografie kommt man ihm nicht bei. Da braucht es schon mehr.“ Warum Heinz Sauer? „Sein Ton hat mich von allem Anfang an inspiriert, Verletzlichkeit war da zu spüren, aber auch Selbstbehauptung, Triumph.“ Warum der Kunstgriff mit der Kunstfigur, die den Dialog fordert und fördert? „Eine Kunstfigur kann Ambivalenzen zum Schwingen bringen, widersprechen. Es entspricht auch der Ästhetik Sauers, der ja stets einen starken Duo-Partner brauchte, der ihm entgegentrat.“ Eine Lesung mit Episoden aus dem Buch „Im Gegenlicht: Heinz Sauer“ von und mit Rainer Wieczorek war für den 26. April, 19.30 Uhr im Rahmen der Reihe „Literarisches Frühjahr“ in der Stadtkirche Darmstadt angekündigt worden. Leider musste der Termin Pandemie-bedingt abgesagt werden.

Rainer Wieczorek: Im Gegenlicht: Heinz Sauer: Ein literarisches Portrait, Dittrich Verlag, Hardcover 22,90/Taschenbuch 13,90 €
 
26. April 2021, 11.56 Uhr
Detlef Kinsler
 
Detlef Kinsler
Weil sein Hobby schon früh zum Beruf wurde, ist Fotografieren eine weitere Leidenschaft des Journal-Frankfurt-Musikredakteurs, der außerdem regelmäßig über Frauenfußball schreibt. – Mehr von Detlef Kinsler >>
 
 
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