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Frauenpower im Frankfurt Lab
 

Frauenpower im Frankfurt Lab

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„Ein Ort für Austausch und Begegnung“

Foto: tm
Foto: tm
Das Frankfurt Lab wird seit kurzem von gleich zwei Frauen geleitet: Hanna Knell und Hanke Wilsmann haben im Oktober die Führung des künstlerischen Labors übernommen. Ein Gespräch über Inhalte, Pläne und Visionen.
JOURNAL FRANKFURT: Was bedeutet das Frankfurt Lab für Sie?

Hanna Knell: Aus Zuschauerinnen-Perspektive empfand ich den Weg hier raus in die Schmidtstraße manchmal lästig. Erst seit ich hier arbeite, habe ich verstanden, wie großartig dieser Ort ist: Zum Einen bietet er Künstlerinnen und Künstlern extrem professionelle Rahmenbedingungen zum künstlerischen Arbeiten, auch Studierende können hier eigenverantwortlich proben und ihre Projekte in direkter Nachbarschaft zu etablierten Künstlerinnen und Künstlern entwickeln. Zum Anderen – und das ist finde ich persönlich genauso wichtig – ist das Lab ein Ort für Austausch und Begegnung. Die Künstler, Technikerinnen und Techniker und unser Team treffen sich in der Küche und auf der Terrasse, kochen und essen gemeinsam und helfen einander mit Rat und Tat. Auch die Nachbarschaft zum freien „Z Zentrum für Proben und Forschung“ ist total inspirierend und führt immer wieder zu tollen Synergien.

Hanke Wilsmann: Ich kann mich Hanna Knell unbedingt anschließen. Auf persönlicher Ebene möchte ich an dieser Stelle ergänzen, dass das Frankfurt Lab für mich darüber hinaus vor allem ein Ort ist, an dem ich sehr viel lernen durfte und den ich mittlerweile über sieben Jahre hinweg in verschiedenen Phasen man könnte sagen „multi-perspektivisch“ erleben durfte.

Auf welche Funktion des Frankfurt Lab legen Sie besonders wert?

Knell: Der besondere Wert des Frankfurt Lab liegt genau darin, dass hier sehr verschiedene Formate stattfinden können. Die Räumlichkeiten bieten Platz für die Entwicklung und Präsentation großformatiger, auch internationaler Gastspiele mit teilweise ungewohnten Raumkonstellationen, die uns neue Seherfahrungen ermöglichen und den eigenen ästhetischen Horizont erweitern. Aber es steht eben genauso Zeit und Raum zur Verfügung für konzentrierte Residenzen und künstlerische Produktionsprozesse, die nicht zwangsläufig in öffentlichen Aufführungen münden müssen. Solche „Safe Spaces“ brauchen nicht nur junge Künstler, die noch auf der Suche nach einer eigenen Sprache sind, sondern auch etablierte Theatermacherinnen, Tänzer und Musikerinnen, um ihre eigene Praxis hinterfragen und weiterentwickeln zu können. Alle drei Funktionen – Forschung, Produktion und Vermittlung – sind für die Idee des Frankfurt Lab zentral.

Wilsmann: Auch hier möchte ich meiner Kollegin gern folgen. In der Konstruktion des Frankfurt Lab macht genau eben die Mischung der drei genannten Elemente den Reiz aus. Es ist prima wenn im Sommer die große Terrasse des Frankfurt Lab (irgendwo da draußen gelegen zwischen der Müllpresse von Aldi, einem komischen KiTa-Spielplatz und dubios großem, brummenden Server-Tower) förmlich „explodiert“ weil Studierende Bühnen- und Kostümbilder dort bauen, Köpfe rauchen lassen, Texte proben und mittags gemeinsam kochen und ihre Wäsche zum Trocknen raushängen. Und dies findet Tür an Tür mit umfangreichen Einrichtungen international agierender Künstler in der immer wieder neu von Grund auf individuell für die jeweiligen Bedürfnisse hin eingerichteten großen Veranstaltungshalle (über 600qm) statt. An Vorstellungstagen begrüßen wir mitunter bis zu 300 Menschen, die hier Kunst erleben und mit Künstlern bei Sekt und Buffet ins Gespräch kommen – und dann gibt es wiederum kleine, intime Showings von residierenden Künstlern, eher rough, eher eine offene Tür, ein kleiner Ausschnitt, eine Fragestellung die zur Diskussion einlädt.

Was haben Sie mit dem Frankfurt Lab vor? Soll es Änderungen geben?

Beide: Mit der Entscheidung für ein Leitungsteam ist ja bereits eine sehr große Veränderung zu der bisherigen Personalstruktur vollzogen worden. Wir freuen uns sehr über diese großartige Chance, die wir der guten Vorarbeit des bisherigen Teams und des Vorstands verdanken. Dem gestiegenen Aufgabenspektrum kann so Rechnung getragen werden und das Frankfurt Lab ist organisatorisch zeitgemäßer aufgestellt.
2019 wird das Frankfurt Lab sein 10-jähriges Jubiläum feiern. Seit seiner Gründung hat es sich als unverzichtbarer Bestandteil der Kulturlandschaft Rhein-Main etabliert und viele einzigartige künstlerische Produktionen beherbergt. Neben den Programmen der Partnerinstitutionen hat das Frankfurt Lab auch eigene Projekte hervorgebracht.

Diese Formate möchten wir gemeinsam weiterentwickeln. Und natürlich wollen wir den runden Geburtstag dazu nutzen, das „Konstrukt“ Frankfurt Lab verständlicher zu machen. Als Ort des künstlerischen Austauschs und Experiments ist es zwar einerseits von Vorteil, nicht immer auf dem Radar der kulturellen Öffentlichkeit zu stehen – daraus entstehen subversive Freiräume und Möglichkeiten. Andererseits wissen viele Besucher gar nichts von der außergewöhnlichen Struktur des Hauses und dem kreativen, interdisziplinären Potential, das sich aus dem Zusammenschluss der fünf Partnerinstitutionen ergibt. Das Geflecht Frankfurt Lab in seiner Pluralität darzustellen und gleichzeitig als charakteristischen Ort im Bewusstsein des hiesigen Kulturpublikums zu verankern, darin besteht eine große Herausforderung.

Was bringen Sie für das Frankfurt Lab mit?

Wilsmann: Ich bringe einige Jahre Erfahrung im Frankfurt Lab mit und bin gut vertraut mit Ort, Arbeitsabläufen und dem dicht verzahnten Netzwerk der Partnerinstitutionen.
Durch meine künstlerische Ausbildung und meine bisherigen Tätigkeiten kenne ich sowohl die Perspektive einer Kunstschaffenden, als auch die Produktions- und Verwaltungsseite und nicht zuletzt die der technischen und infrastrukturellen Realisation. Ich schätze all diese Komponenten und damit einhergehenden Bedürfnisse sehr wert und verstehe meine Position im Lab oft als vermittelnde, Bedürfnisse eruierende und an Verbesserung von Rahmenbedingungen Arbeitende.

Knell: Durch meine bisherigen Tätigkeiten kenne ich die Partnerinstitutionen gut und bin zudem eng mit der lokalen freien Performance- und Tanzszene vertraut. Neben dem fachlichen Know-How – ich habe unter anderem Theater- und Orchestermanagement studiert und jüngst ein interdisziplinäres Festival mit zahlreichen Kooperationspartnern geleitet – ist es aber vor allem meine persönliche Leidenschaft für zeitgenössische darstellende Kunst und meine gewissermaßen intrinsische Motivation, Künstler bei der Realisation ihrer Arbeit zu unterstützen und gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Dass ich einen gewissen Hang zum Multitasking habe, ist bei den vielfältigen Aufgaben innerhalb des kleinen Teams sicherlich auch von Vorteil.

Was erhoffen Sie sich von Ihrer Arbeit?

Beide: Wir wollen mit unserer Arbeit natürlich zum gesicherten Fortbestand des Frankfurt Lab beitragen, sind gespannt auf die weiteren Entwicklungen des Kulturcampus und freuen uns jetzt erst mal auf die gemeinsame Zeit als Leitungsteam!

Die studierte Theatermanagerin Hanna Knell (*1985) arbeitet seit 2010 in unterschiedlichen künstlerischen Kontexten Frankfurts, u.a. am Mousonturm, der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst sowie dem Weltkulturen Museum. Als Vorstandsmitglied engagiert sie sich für den kulturpolitischen Verein Id_Frankfurt. 2018 leitete sie das ortsspezifische Performancefestival Implantieren in Frankfurt, Offenbach und Hanau. Seit Oktober ist sie Projektleiterin des Frankfurt Lab.

Hanke Wilsmann (*1987) studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Seit 2011 arbeitet sie künstlerisch im Duo F.Wiesel (www.flinkwiesel.de, Ponto Performance Preis 2017) und im Bereich Technik, Bühne, Theaterfotografie. Seit 2013 ist sie Teil des internationalen Touring-Teams der Produktion Situation Rooms (Rimini Protokoll). 2012 begann sie zudem im Frankfurt Lab zu arbeiten: zunächst als Freelancerin und seit 2016 als feste Technisch-Organisatorische Assistentin. Seit August 2018 ist sie Teil des Leitungsteams.

Die Fragen stellte Tamara Marszalkowski.
9. November 2018
Tamara Marszalkowski
 
Tamara Marszalkowski
Theaterredakteurin. Jahrgang 1987, Studium der Kunstgeschichte, Ethnologie und Pädagogik in Frankfurt, seit 2015 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Tamara Marszalkowski >>
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