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Foto: Van Tran/NC 19
Foto: Van Tran/NC 19

Filmfestivals

Freiheit fürs Kino

15 Jahre Lichter Filmfest Frankfurt International und 22 Jahre Nippon Connection: Zwei Frankfurter Traditionsfestivals kehren nach der Corona-Pause in den vergangenen zwei Jahren in die Kinosäle zurück. Das muss gefeiert werden.
Es war ein Trauerspiel: Mit ganz wenigen Ausnahmen mussten in den vergangenen beiden Jahren die lokalen Frankfurter Filmfestivals aufgrund der Corona-Pandemie die Kinos verlassen und auf Online-Präsenz ausweichen. Besonders bedauerlich zudem, dass der mehrfach verschobene zweite Kongress „Zukunft Deutscher Film“ (Thema: „Forum Europa“) des Lichter Filmfest Frankfurt International, bei dem die Situation des deutschen Films facetten- und kenntnisreich durchleuchtet wird, im vergangenen Dezember aufgrund hoher Inzidenzen erneut kurzfristig abgesagt werden musste. Nun aber stehen sowohl das 15. Lichter Filmfest samt Kongress als auch das japanische Festival Nippon Connection – bereits zum 22. Mal – in den Startlöchern: Spürbare Erleichterung macht sich breit.

Beide Veranstaltungen setzen unter anderem auf das Frankfurter Eldorado-Kino als neuen Spielort. Für Nippon-Programmleiter Florian Höhr bedeutet die Location eine Entlastung des Mal Seh’n-Kinos als Platz für Wiederholungsvorstellungen: Da die wenigen Plätze im Mal Seh’n oft schon vor Festivalbeginn ausgebucht sind, sollen im Eldorado Kurzentschlossene die Möglichkeit haben, noch eine Karte zu bekommen.

Während Nippon Connection auf das Naxos-Theater als Festivalzentrum baut, kehrt Lichter samt Eröffnungsveranstaltung in den mittlerweile etablierten Cantate-Saal der Volksbühne zurück. Daneben werden das Stadthaus am Markt sowie die Konferenzräume des MMK und der Schirn eingebunden, um überall in der City auf kurzer Distanz präsent zu sein. Als Spielstätten nutzt man neben DFF-Kino und Mal Seh’n erstmals auch den Pupille-Saal im Studierendenhaus. Organisiert wird der parallel stattfindende Deutscher-Film-Kongress in Zusammenarbeit mit der Federation of European Screen Directors, der AG Dok und weiteren wichtigen Filminitiativen. Erneut hofft man, mit Altmeister Constantin Costa-Gavras („Z“) den Präsidenten der Cinémathèque française begrüßen zu dürfen. Vorstellen wird er mit „Adults in the Room“ sein jüngstes Werk über die griechische Finanzkrise. Auf die Filmhistorie in völlig unterschiedlicher Ausprägung bauen der Lichter-Beitrag „Komm mit mir ins Kino – Die Gregors“, ein Porträt des einflussreichen Berliner Cineasten-Ehepaars, und der nostalgische Dokumentarfilm „Demnächst auf VHS“ als Hommage an das Videothekenzeitalter der 1970er- und -80er Jahre, stets in Anwesenheit der Regisseurinnen und Regisseure.

Auch im mit Feierlaune angekündigten 15. Festivaljahr zeichnet sich das Lichter-Programm durch eine mittlerweile bewährte Mischung aus: Dazu gehören aktuelle hessische Produktionen wie zum Beispiel die regionalen Kurzfilmrollen in der Pupille, aber auch neun herausragende deutsche Arbeiten, darunter Julian Radlmeiers Satire „Blutsauger“, plus internationale Festivalhits aus Cannes, Locarno, Sundance und der Berlinale. Darunter finden sich das Familiendrama „Passengers of the Night“ mit Charlotte Gainbourg, der spanische Goldene-Bär-Gewinner „Alcarrás“ oder der senegalesische Mystery-Western „Saloum“, bereits vor kurzem bei den „Fantasy Nights“ zu sehen.

Co-Festivalleiterin Johanna Süß sagt zum diesjährigen übergeordneten Lichter-Festivalthema „Freiheit“: „Man findet die verschiedensten Formen der Freiheit und Unfreiheit. Dies zieht sich durch viele Bereiche, wie man überhaupt eine ziemlich düstere Stimmung derzeit in der Filmwelt vorfindet. Es dreht sich um politische und persönliche Fragen oder um Wege in persönliche Freiheitsgefüge.“ Natürlich hat das Thema angesichts pandemiebedingter Restriktionen und der brutalen Realität des Ukraine-Krieges auch einen äußerst aktuellen Bezug. Der dunkle Tonfall schlägt sich laut Süß ebenso in den 360 Grad-Filmen nieder, die man jetzt wieder per Headset erleben darf. Ebenso passend: die Wiederaufführung des restaurierten Dokumentarfilms „Keine Startbahn West“ von Thomas Frickel, Rolf Silber und Kollegen, zu dessen Entstehung die Macher im DFF-Kino Rede und Antwort stehen werden. Der Lichter-Eröffnungsfilm „Liebe, Deutschmark und Tod“ über türkische Musikkultur in Deutschland fiel laut Co-Leiter Gregor Maria Schubert dermaßen bedeutend aus, dass man ihn gleich zweimal ins Programm holte.

Der letztjährige Berlinale-Preisträger „Wheel of Fortune and Fantasy“, ein Episodenfilm des diesjährigen Oscar-Gewinners Ryûsuke Hamaguchi („Drive My Car“), als weiterer Lichter-Höhepunkt leitet dabei den Übergang zu Nippon Connection ein. Als Schwerpunkt des mit 22 Jahren die Adoleszenz inzwischen hinter sich gelassenen Japan-Festivals (Lichter steckt mit 15 noch mitten in der Pubertät) bestimmte das Team um Leiterin Marion Klomfaß und Programmdirektor Florian Höhr dieses Mal das Thema „Stories of Youth“ – was sowohl auf das Nippon Cinema-Programm als auch auf die Retrospektive im DFF-Kino zutrifft. Die achtteilige Auswahl in Zusammenarbeit mit der Japan Foundation Köln mit Beiträgen von 1959 bis 2005 weist prominente Namen wie Skandalregisseur Nagisa Ōshima oder Miko Naruse als Meister des poetischen Erzählens auf. Stolz zeigt sich Höhr, dass Masatoshi Nagase als Preisträger des Nippon Honor Award nach Frankfurt kommen wird, um seine Karriere Revue passieren zu lassen.

Am Online-Format möchte man dank reichlich Zuspruch weiter festhalten. Höhr: „Es war vor allem für diejenigen gedacht, die nicht nach Frankfurt kommen konnten: eine Chance, noch einmal unseren Publikumskreis zu erweitern. Viele Leute haben teilgenommen, die das Festival noch gar nicht kannten.“ Vom 30. Mai bis 6. Juni soll noch ein Teil des Programms auf der eigenen Plattform zu sichten sein, was jedoch von der Zustimmung der Produzenten abhängt. Podiumsdiskussionen zum diesjährigen Schwerpunkt sind ebenso vorgesehen wie zum früheren Topic „Frauen in der japanischen Arbeitsgesellschaft“. Hierbei sollen aktuelle Kontroversen wie die #MeToo-Vorfälle in der asiatischen Filmindustrie zu Wort kommen: „Da sind wir ganz aktuell. Es ist ein besonders brisantes Thema rund um einige Missbrauchsskandale. Es kann sein, dass bis zum Festival noch einiges mehr herauskommt.“ Neben der Live-Vertonung des Klassiker „Eine Seite des Wahnsinns“ von 1926 durch ein siebenköpfiges Ensemble dürfen erfolgreiche Formate wie „Nippon Home Cinema“ mit Jörg Buttgereit und Markus Stiglegger als Live-Kommentatoren eines trashigen Genrefilms endlich wieder vor Publikum stattfinden. Schon aus Gründen der Sicherheit für Organisatoren und Publikum hofft Höhr trotz Aufhebung der Maskenpflicht auf Achtsamkeit in stark frequentierten Sälen. Genauso wie das Lichter-Team will man hier Vorsicht walten lassen und setzt im Zweifelsfall auf die Eigenverantwortung der Besucher. Nach einer langen Phase erzwungener Kino-Abstinenz wollen zwei große beliebte Frankfurter Filmfestivals mit langer Tradition nun wieder die Systeme hochfahren und bringen abwechslungsreiche Programme an den Start, bei denen das Publikum die Qual der Wahl hat. Beide wünschen sich vor allem eines: volle Häuser. Das dürfte zu machen sein.

15. Lichter Filmfest Frankfurt International & 2. Kongress Zukunft
Deutscher Film, 10.-15.5., www.lichter-filmfest.de


Nippon Connection – 22. Japanisches Filmfestival, 24.-29.5.,
www.nipponconnection.com


Dieser Text ist zuerst in der Mai-Ausgabe (5/22) des JOURNAL FRANKFURT erschienen.
 
9. Mai 2022, 11.48 Uhr
Gregor Ries
 
 
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