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Ausverkaufte Lesung von T.C. Boyle
 

Ausverkaufte Lesung von T.C. Boyle

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„Ich zahle Ihnen das Doppelte“

Foto: Peter-Andreas Hassiepen
Foto: Peter-Andreas Hassiepen
Kommt hier ein Schriftsteller oder ein Popstar? Diese Frage drängte sich unserem Literaturredakteur angesichts der Warteschlange vor der ausverkauften Lesung von T.C. Boyle unweigerlich auf. Im Schauspiel Frankfurt hat Boyle aus seinem neuen Roman „Das Licht“ gelesen.
T.C. Boyle ist nur im Nebenberuf Schriftsteller. Hauptsächlich ist er ein Popstar. Die Warteschlange für Restkarten vor dem seit Monaten ausverkauften Schauspiel Frankfurt zieht sich bis nach draußen auf die Straße. Als wir unsere vorbestellten Karten an der Abendkasse abholen, steht plötzlich eine Frau neben uns: „Egal, was Sie gerade bezahlt haben“, sagt sie, „ich zahle Ihnen das Doppelte.“ So geht das zu. T.C. Boyle ist im Dezember 70 Jahre alt geworden, muss aber, das gebietet das Image, noch immer den Punk geben. Die Frisur sitzt noch immer, wenn auch die Substanz ein wenig gelitten hat in den Jahrzehnten. Auftritt im schwarz-weißen Hahnentritt-Jackett, darunter ein buntes Hemd, dazu schwarze Jeans und rote Converse-Schuhe.

T.C. Boyle, der in Kalifornien lebt, hat einen neuen Roman geschrieben: „Das Licht“ ist Ende Januar in deutscher Übersetzung erschienen; das englische Original kommt erst im April auf den Markt. Es ist nicht sein bester und nicht sein schlechtester Roman, so mittelgut, aber es ist ein Stoff, über den sich prächtig reden lässt: Es geht um die Erfindung des LSD, den Drogenguru Timothy Leary, der zu Beginn der 1960er-Jahre die Psychotherapie revolutionieren wollte und für seine wilden Drogenexperimente eine Handvoll Jünger um sich geschart hat. Hippietum, Utopien, Aufbruch in neue Gedankenwelten und das unvermeidliche Scheitern inclusive Verramschung in der kapitalistischen Verwertungskette – das sind Themen, die nur so geschaffen sind für Boyle, der vor den 700 Zuhörern im Schauspiel einen unglaublich sympathischen Auftritt hinlegte. Wenn Moderator Martin Scholz sich nun noch einige originelle Fragen ausgedacht hätte, hätte das ein echt toller Abend werden können. So war es zumindest amüsant.

Boyle plauderte über seine Liebe zu Deutschland und zu den deutschen Lesern, über seine Skepsis gegenüber Guru-Figuren, über Woodstock und über Timothy Leary als eine Symbolfigur des Anbruchs einer neuen Zeit und deren gesellschaftliche Veränderungen. Und nebenbei auch über die 205 Ratten, die er rund um sein Haus lebend eingefangen und in freier Wildbahn wieder ausgesetzt hat. Alles auf Twitter dokumentiert, Rat-Content statt Cat-Content. Zwischendurch las Boyle einen kurzen Ausschnitt aus „Das Licht“ auf Englisch, im Anschluss der Schauspieler Christoph Pütthoff eine längere Passage aus der Übersetzung, in der Boyles Protagonist Fitz und seine Frau Joanie zum ersten Mal LSD ausprobieren. Ein großartiger Vortrag, der auch den Autor selbst beeindruckte.

Im zweiten Teil des Gesprächs schlug Moderator Scholz die Brücke zur politischen Gegenwart. In den 1990er-Jahren hatte Boyle einmal mit der „Miss Marple“-Darstellerin Angela Lansbury und Donald Trump auf einem Podium in Las Vegas gesessen. Was er, Boyle, denn Trump fragen würde, wenn es nach Ende von Trumps Amtszeit noch einmal zu einer solchen Begegnung käme? Das wäre nicht möglich, antwortet Boyle – „er wird danach im Gefängnis sitzen.“ Die Signierschlange im Anschluss an die Veranstaltung zog sich einmal längs durch das gesamte Schauspiel. Ein Popstar eben.
11. Februar 2019
cs
 
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