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AUSSTELLUNG IN DER DAVISKLEMM GALLERY
 

AUSSTELLUNG IN DER DAVISKLEMM GALLERY

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Albrecht Wild: Formsache / Petra Scheibe Teplitz: Torffrei

Foto: Albrecht Wild Ukiyo-e XIX (Utamaro 9), 2014
Foto: Albrecht Wild Ukiyo-e XIX (Utamaro 9), 2014
Die Hinwendung zum Trivialen, zu Massenprodukten und Konsumartikeln erinnert in den Arbeiten von Albrecht Wild und Petra Scheibe Teplitz an Pop Art. Ein Spiel mit der Grenze zwischen angewandter und freier Kunst.
Schöne japanische Geishas im Kimono – gedruckt auf Pappuntersetzer, auf Bierdeckel, Coaster oder auf, wie man im angelsächsischen Raum auch sagt, Beermats. Solch schöne Souvenirs, die sich vor allem in Japan großer Beliebtheit erfreuen, lässt sich der weltweit vernetzte Künstler Albrecht Wild von überall her zusenden. Die Motive auf den Bierdeckeln sind Reproduktionen der Werke der Meister der japanischen Farbholzschnitte und zeigen schöne Frauen, Erotika oder Szenen des Theaters.

Dekonstruktion und Neuordnung
Albrecht Wilds Arbeiten basieren auf drei kompletten Motiv-Sätzen dieser Untersetzer, die er nach akribischer Vorplanung mit nur vier Schnitten zerteilt und daraufhin in veränderter Ordnung wieder zu einem neuen Objekt zusammenfügt. In diesem künstlerischen, dekonstruktiven Vorgang durchläuft der Bierdeckel eine Metamorphose und befreit sich dabei nicht nur von seinem Gebrauchszweck sondern auch von seinem seriellen Charakter, um so zu einem neuen Ganzen zu werden, das die Aura des Einmaligen und des Autonomen besitzt. Jede neu zusammengesetzte Bierdeckel-Arbeit steht als Einzelobjekte für sich.

Auch wenn die japanische Kunst eine große Faszination auf Albrecht Wild ausübt, lässt er sich doch weder auf japanische Geishas noch auf Bierdeckel reduzieren. Albrecht Wild, der bei Thomas Bayrle an der Frankfurter Städelschule und an der Londoner Slade School of Fine Art Malerei studierte, geht in seinen großformatigen „gebauten“ Bildern, die hinsichtlich der Form des kompliziert geschwungenen Rahmengestells, wiederum die Rundungen von Bierdeckeln aufnehmen, ebenso vor: Er zerschneidet Materialen, die „aus dem Leben kommen“, in einzelne Fragmente und bindet sie in seine Malerei ein, die ihre Wurzeln in der analytischen Malerei, des Hard Edge und der Farbfeldmalerei eines Frank Stella verortet sieht.

Jedes einzelne Werk Wilds ist eine Reaktion auf die Form, die Schrift und die Grafik des Ausgangsmaterials. Dabei verwandelt er Produkte aus der angewandten Grafik wie Plakate, Flyer oder Bierdeckel in eine neue, eigenständige und freie Ästhetik ohne jeglichen zweckgebundenen Charakter. Der gemeinsame Nenner seines variantenreichen Œuvres lautet: Verwandlung.



© Petra Scheibe Teplitz: Clever eingetütet (aus der Serie "Torffrei"), 2018

Verwandlung als Kunstform
Verwandlung ist auch das verbindende Glied in den Arbeiten von Petra Scheibe Teplitz. Ihre Kunstwerke weisen einen spielerischen Umgang mit Gebrauchsgegenständen auf. Objekte mit zweckgebundenem Charakter wie Plastiktüten oder Verpackungen vollziehen in ihrem Œuvre einen Wandel vom profanen Nutzgegenstand zum autonomen Kunstwerk.

Petra Scheibe Teplitz, die ihr Studium an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und an der Nucleo de Arte Contemporaneo in Brasilien absolvierte, interessiert die inhaltliche Ebene der gefundenen und gesammelten Ausgangsmaterialien nicht. Vielmehr geht es ihr um die Transformation in eine neue Form, in ein künstlerisches Einzelobjekt, das jeglichen seriellen Grundgedanken von sich weist.

Objekte aus „Tempo“-Hüllen und Plastiktüten
Für ihre „Tempo-Serie“ sammelte Petra Scheibe Teplitz die blauen Hüllen der Papiertaschentücher der Marke „Tempo“. Unzählige Hüllen dieses Massenproduktes, das wir alle kennen und eine Synonym für Papiertaschentücher darstellt, hat die Künstlerin gesammelt und in aufwendiger Bearbeitung in neue Formen verwandelt. Gleich einer künstlerischen Leinwand hängt nun eine „Tempo-Platte“ an der Wand. Dabei erscheint der Aufdruck „Tempo“ wiederholt aber in seiner Anordnung mehr oder weniger zufällig. Die semantische Ebene weicht auch hier der formalen.



© Petra Scheibe Teplitz: Tempo, 2008

Mit dem Phänomen „Verwandlung“ agiert auch die Serie „Torffrei“. In dieser Serie verwandelt die Künstlerin den Gebrauchsgegenstand „Plastiktüte“ in eine neue Form. Die in schmale Streifen geschnittenen Plastiktüten ordnete sie rasterhaft neu an. Dabei entstehen flirrende Farbflächen sowie ornamental anmutend Kompositionen. Die alltäglichen, zweckgebundenen Gegenstände verwandeln sich durch die Konzentration der Künstlerin auf elementare, gestalterische Mittel in künstlerische Einzelobjekte.

Sowohl Petra Scheibe Teplitz als auch Albrecht Wild suchen nach neuen Stoffen und Materialien, die sie so dann in eine neue Form verwandeln. Dabei ist die neue Form, das autonome Einzelobjekt, zwar das Endprodukt, doch der Weg dahin ist für beide Künstler nicht minder von Bedeutung. Der Prozess des Suchens, des Findens und des Verwandelns ist ebenso ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit wie das künstlerischen Einzelobjekt, das am Ende entsteht.

>> Ausstellung Albrecht Wild: Formsache / Petra Scheibe Teplitz: Torffrei, bis 29. September 2018, DavisKlemmGallery, Wiesbaden (Ortsteil Mainz-Kostheim), Steinern-Kreuz-Weg 22, Mi-Sa von 11 - 16 Uhr
3. September 2018
Anett Goethe
 
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