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Foto: Alexander Dummer/unsplash
Foto: Alexander Dummer/unsplash

Gespräch Kinder- und Jugendpsychotherapeutin

Corona: Kindern die Krise erklären

Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus sind insbesondere für Kinder oftmals nur schwer verständlich. Die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Ariadne Sartorius erklärt, wie Eltern mit der herausfordernden Situation umgehen können.
JOURNAL FRANKFURT: Frau Sartorius, für Kinder ist die aktuelle Situation besonders schwer zu verstehen. Warum ist das so?
Ariadne Sartorius: Kinder denken noch nicht so weit in die Zukunft und umso jünger sie sind, desto mehr leben sie im Hier und Jetzt. Sie können nicht einschätzen, welche Folgen, welche Konsequenzen ihr Handeln haben kann. Darüber hinaus fehlen ihnen zum Beispiel auch mathematische Kenntnisse. Wie viel sind 50 000 Infizierte? Was ist eine Verdopplungsrate? All das kriegen sie zwar mit, aber verstehen es noch nicht.

Das heißt aber, Kinder bekommen trotz Verständnisschwierigkeiten alles mit?
Ja auf jeden Fall. Entweder unterbewusst durch die mediale Berichterstattung und die Gespräche der Erwachsenen, aber vor allem durch ihre Beobachtungsgabe. Sie sehen das Verhalten, die neue Tagesstruktur und wie Menschen zum Beispiel mit Mundschutz umher laufen. Schule und Betreuungsngebote sind weg, Kontakte zu den Freunden und Großeltern fehlen und zuletzt auch die Bewegung durch den Sport. Nicht nur den Eltern werden alle Entlastungsmöglichkeiten genommen, auch den Kindern fehlen Struktur, Stützen, Licht und Luft.

Wieviel sollte ich meinem Kind dann erzählen?
In erster Linie sollten alle Fragen beantwortet werden, die die Kinder stellen. Die meisten gehen gut mit der Situation um, doch Corona kann Kinder auch verängstigen. Das kann beispielsweise die reale Sorge um die Großeltern sein, aber auch eine irrationale Angst vor der Ungewissheit. Hier ist es wichtig zu unterscheiden, woher die Gefühle kommen und diese dann auch zu benennen.

Aber sie verstehen eben doch nicht alles.
Die Welt ist komplex, und sie zu erfassen fällt auch uns Erwachsenen schwer. Sie haben verstanden, dass die Lage ernst ist, aber sie haben vielleicht noch nicht die sozialen und wirtschaftlichen Folgen, die es ja auch geben wird, im Kopf. Das ist auch gut so, denn das sind in erster Linie Erwachsenenprobleme die diese lösen und müssen. Und was es dann für den Einzelnen bedeutet, das wissen wir oft noch nicht. Wichtig ist, dass Kinder erfahren: Ja, es gibt Probleme. Aber wir können sie lösen. Ja, es gibt Sorgen. Aber wir lassen uns nicht unter kriegen.

Wie gehe ich am besten damit um, wenn mein Kind Angst hat?
Das Wichtigste ist, die Ängste der Kinder ernst zu nehmen. Statt die Gefühle abzutun oder sie davor bewahren zu wollen, sollten Eltern den Kindern das Gefühl geben, dass ihre Gefühle eine Daseinsberechtigung haben. Gemeinsam können dann Strategien entwickelt werden, um ihnen die Ängste zu nehmen.

Wie können solche Strategien aussehen?
Ablenken ist natürlich immer eine Möglichkeit und auch ein Realitätscheck kann helfen. Doch am besten ist Wertschätzung und gezieltes fragen: Wovor genau hast du Angst? Was können wir da jetzt tun? In der Regel haben die Kinder selbst die besten Ideen und eigene Lösungen, was ihnen in der jeweiligen Situation helfen könnte.

Zahlreiche Kinderhilfswerke, aber auch das Bundesfamilienministerium befürchten, dass durch die Kontakteinschränkungen häusliche Gewalt zunehmen könnte.
In diesem Fall stimmt die Tatsache, dass auch jetzt wieder die Schwächsten oft am Härtesten getroffen werden. Familien, die über weniger Ressourcen verfügen, sind vermehrt auf sich alleine gestellt. Bei einigen fallen die pädagogischen und entlastenden Unterstützungsmaßnahmen weg, andere müssen auf engsten Raum zusammenleben. Dadurch kann auch ein erhöhtes Risiko an häuslicher Gewalt entstehen, wenn dann irgendwann die Nerven blank liegen. Hier sind die Aufrechterhaltung und baldige Wiederaufnahme von Hilfen ganz wichtig.

Wie kann man einer Eskalation vorbeugen?
Auch hier wichtig: Die Kinder sollten wissen, dass es sich nur um eine begrenzte Zeit handelt und nicht für immer so sein wird. Darüber hinaus sollte gezielt nach Angeboten gesucht werden, wie zum Beispiel Sportprogramme im Netz oder kreative Bastelideen für zuhause. Wenn es die zeitlichen Ressourcen zulassen, ist es immer sinnvoll raus an die frische Luft zu gehen. Ein Kind muss sich bewegen. Und wenn es eskaliert: Es gibt auch jetzt Unterstützung, zum Beispiel Notruftelefonnummern, auch das Kinderschutztelefon zum Beispiel. Hier wird man auf Wunsch auch anonym beraten.
 
6. April 2020, 13.38 Uhr
Sina Eichhorn
 
Sina Eichhorn
Jahrgang 1994, Studium der Germanistik an der Justus-Liebig-Universität Gießen, seit Oktober 2018 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Sina Eichhorn >>
 
 
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