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Infektionsgeschehen in Schulen

Kindeswohl versus Infektionszahlen

Das Gesundheitsamt Frankfurt kritisiert den Gesamtpersonalrat der Lehrerinnen und Lehrer dafür, die Infektionszahlen an Schulen nicht korrekt wiederzugeben. Schulen seien keine Hotspots, heißt es stattdessen. Dem Personalrat geht es jedoch um etwas Anderes: das Kindeswohl.
Mit dem „Lockdown light“ wollten Bund und Länder neben der Schließung von Geschäften vor allem die Schließung der Schulen vermeiden. Der Präsenzunterricht habe „weiterhin höchste Priorität“, betonte der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Dienstag erneut. Schulen seien kein Ort mit besonderem Infektionsgeschehen, wie regelmäßige Untersuchungen gezeigt hätten.

Auch das Frankfurter Gesundheitsamt verteidigt diesen Standpunkt, zuletzt gegenüber dem Gesamtpersonalrat der Lehrerinnen und Lehrer (GPRLL) in Frankfurt. Dieser habe in einem offenen Brief vom vergangenen Freitag Inzidenzen zusammengetragen und daraus Schlussfolgerungen gezogen, die das infektiologische Geschehen „nicht korrekt“ wiedergeben würden, hieß es vonseiten des Gesundheitsamts am Dienstag. „Die Mutmaßung, dass die Schulen einen Hotspot für das Pandemiegeschehen darstellen, können wir nicht bestätigen.“ Man sei über diese Darstellung „sehr irritiert“ gewesen.

Anhand der Infektionszahlen sowie der Zahlen des Robert-Koch-Instituts für Frankfurt, die nach Altersgruppen aufgeschlüsselt wurden, habe man festgestellt, dass die Inzidenzen unter den Schüler:innen insgesamt etwas höher liegen würden als in der Allgemeinbevölkerung. Eine weitere Differenzierung aber ergebe, „dass die höheren Infektionszahlen im Wesentlichen auf die Gruppe der 14-17-jährigen (sic) zurückgehen.“ Umfangreiche Testungen an Kontaktpersonen in der Klasse führten zu dem Schluss, dass Corona-Infektionen bei schulpflichtigen Kindern zumeist auf eine Ansteckung im häuslichen oder privaten Umfeld zurückzuführen seien, so das Gesundheitsamt.

Die Wahrung des Kindeswohls

„Wir haben nie behauptet, dass Schulen Hotspots sind“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der GPRLL, Sebastian Guttmann, gegenüber dem JOURNAL FRANKFURT. Es ginge nicht nur um das Infektionsrisiko an Schulen, sondern auch darum, das Kindeswohl zu wahren. In dem offenen Brief, auf den sich das Gesundheitsamt bezieht, hatten die GPRLL sowie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Frankfurt ein vom Gesundheitsamt herausgegebenes Infoblatt kritisiert, da es nach Eindruck des GPRLL mit Überschriften wie „Schulen sind keine Infektionstreiber“ politische Wertungen enthalten habe. Mit dem Ausrechnen der 7-Tage-Inzidenz an Frankfurter Schulen sollte diese Aussage in dem offenen Brief der GPRLL schließlich widerlegt werden. Bei diesen Zahlen handelt es sich um die Zahlen, die das Gesundheitsamt in ihrem offenen Brief vom Dienstag kritisiert hatte.

„Diese Verhinderungstaktik muss endlich aufgegeben werden! Ein entschiedenes Handeln zur Bekämpfung von Infektionen an Frankfurter Schulen ist dringend geboten! Und dies kann nicht nur aus Masken und Lüften bestehen“, forderte die GPRLL in dem Schreiben. Deshalb wolle man in erster Linie ein Wechselmodell, ergänzte Guttmann. „Wir sollen Sicherheit und Geborgenheit vermitteln, doch von vielen Lehrerinnen und Lehrern höre ich, dass sie sich unter den aktuellen Umständen vor allem als Maßregler fühlen.“ Schüler:innen und Lehrer:innen würden ihre Tage frierend verbringen, in vielen Schulen finde kein Sportunterricht statt, dadurch mache sich der Bewegungsdrang der Schüler:innen zunehmend bemerkbar.

GPRLL fordert Wechselunterricht

Durch das Lüften müsse der Unterricht häufig unterbrochen werden, sagte Guttman. Zudem störe die Lautstärke von draußen. Deshalb sei man ebenfalls dafür, ein Wechselmodell einzuführen. „Wenn sich nur die Hälfte der Schüler im Klassenraum befindet, muss auch nur halb so oft gelüftet werden. Zudem können Abstände besser eingehalten werden“, erläuterte der GPRLL-Vorsitzende. Es müsse von der Politik mehr in den Blick genommen werden, was in Schulen gerade wirklich passiere. „Den Schülern muss eigentlich das Gefühl gegeben werden, dass sie nicht immer funktionieren müssen. Aber genau das ist gerade der Fall. Den Kindern wurde alles genommen. Sie haben keine Freizeit mehr, in der sie beispielsweise in ihren Sportverein gehen können.“

Wenn es das Infektionsgeschehen nicht anders zulasse, sei eine Vollschließung der Schulen unvermeidbar, sagte Guttmann, andernfalls sei er aber dagegen und der Meinung, dass man die Situation mit Wechselunterricht übergangsweise in den Griff bekomme. „Ich verstehe, dass die Betreuung in diesem Fall ein Problem ist, aber alle anderen Probleme würden sich dadurch lösen.“

Selbstverständlich stehe man dem Gesamtpersonalrat der Lehrerschaft jederzeit für ein Gespräch zur Verfügung, hieß es in dem Schreiben des Gesundheitsamts. Für die ebenfalls vom GPRLL geforderten Luftfilteranlagen gebe es nach Kenntnisstand des Gesundheitsamts jedoch keine Untersuchung, die einen nachweisbaren Effekt auf das „ohnehin sehr geringe Infektionsrisiko durch SARS-CoV-2 in Schulklassen“ belegten. Für Guttmann geht die Argumentation an den Forderungen vorbei. „Es wird nicht wirklich darüber nachgedacht, was in Schulen los ist und was diese brauchen.“

StadtschülerInnenrat fordert konsequenteres Handeln

Vom StadtschülerInnenrat Frankfurt werden zudem die laschen Quarantäneverordnungen in Schulen kritisiert. Hannes Kaulfersch vom StadtschülerInnenrat in Frankfurt sagte, dass bei den Schüler:innen zur Angst selbst erkrankt zu sein und seine Familienangehörigen anzustecken, die Sorge hinzukomme, seine Mitschüler:innen ebenfalls anzustecken. Man fordere den Leiter des Frankfurter Gesundheitsamt René Gottschalk auf, dafür zu sorgen, dass Sitznachbar:innen und Kontaktpersonen von infizierten Mitschüler:innen in Quarantäne geschickt würden, bis ein negatives Testergebnis vorliege, teilte zudem Gabriel Hanika vom StadtschülerInnenrat mit.

Kommende Woche soll ein Gespräch zwischen dem Gesundheitsamt, der GEW Frankfurt, dem StadtschülerInnenrat und dem Stadtelternbeirat stattfinden. Damit bekomme man nun von den Vertreter:innen des Gesundheitsamtes, „unsere Sicht auf die Dinge darzulegen“, sagte Kaulfersch.
 
10. Dezember 2020, 12.59 Uhr
jwe
 
 
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