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Foto: Dirk Ostermeier
Foto: Dirk Ostermeier

Gesichter der Stadt: Katja Heubach

Sie hat den grünen Daumen

Katja Heubach ist Direktorin des Palmengartens Frankfurt. Im Interview verrät sie ihren Lieblingsort, erklärt, warum die Bienen so wichtig für das Stöffche sind und was auf kleinen Flächen Sinnvolles gepflanzt werden kann.
JOURNAL FRANKFURT: Frau Dr. Heubach, Sie haben vermutlich einen der schönsten Arbeitsplätze Frankfurts. Wo ist ihr Lieblingsort hier im Palmengarten?
Katja Heubach
: Mein Lieblingsort im Palmengarten ist nahe der Villa Leonhardi, am Bambushain. Man kann von dort auf die Frankfurter Skyline schauen, und das ist ein erhabenes Gefühl. Hier ist das Kosmopolitische zu sehen, das Frankfurt auch hat. So ein bisschen erinnert mich das an den Big Apple. Das ist vielleicht etwas vermessen, aber man kann ja träumen…

Sie sind Direktorin des Palmengartens und des Botanischen Gartens. Haben Sie einen grünen Daumen?
Ja, ich habe tatsächlich einen grünen Daumen. Zumindest wächst und gedeiht bei mir zu Hause eine ganze Menge – sowohl drinnen als auch draußen. Ich habe sogar seit einiger Zeit einen Schrebergarten, in Fechenheim am Mainbogen.

Was pflanzen Sie dort an?
In einen Schrebergarten gehört selbstverständlich Gemüse und Obst. Was ich als Biologin allerdings viel spannender finde, ist kleine Lebensgemeinschaften zu bilden, zu schauen, welche kleinen Habitate man anlegen kann. Welche Vorbilder aus der Natur kann ich hier integrieren? Unter einem belaubten Quittenbaum herrscht ein anderes Mikroklima als auf der sonnenbeschienenen Wiese und so siedeln sich hier auch ganz unterschiedliche Pflanzen an.

Was bedeutet der Palmengarten für Frankfurt?
Der Palmengarten ist eines der frühesten Bürgerbeteiligungsprojekte der Stadt. Vor 150 Jahren haben sich Bürgerinnen und Bürger zusammengetan und eine Aktiengesellschaft gegründet, um gemeinsam mit dem Initiator des Palmengartens, Heinrich Siesmayer, die nötigen Gulden für den Ankauf der exotischen Pflanzensammlung des Herzogs von Nassau einzusammeln. Das Spannende ist, dass sich der Palmengarten im Laufe der Geschichte immer wieder gewandelt hat. Denn das ist das Grundprinzip der Evolution, das Überleben sichert: Anpassung. Und das macht letztendlich auch den Palmengarten aus. Für die Frankfurter, ob echte Stadtgewächse oder zugezogen, ist der Palmengarten ein Identifikationsort.

Im vergangenen Jahr hat der Palmengarten zu seinem Jubiläum das Blüten- und Schmetterlingshaus eröffnet. Dort ist die Dauerausstellung „Abgestaubt“
zu sehen. Sie haben die Wichtigkeit der Bestäubung in die Formel „No Bees, no Bembel“ gepackt.

Das Thema Bestäubungsökologie ist für Nicht-Ökologinnen und -Ökologen nicht unmittelbar zu greifen. Unser Anspruch ist aber, diese Sachverhalte so einfach wie möglich zu vermitteln und diese im Lebensalltag zu verankern. Wir haben uns daher überlegt, was das Thema Bestäubung mit Frankfurt zu tun hat und sind selbstverständlich auf unser geliebtes Getränk, den Apfelwein, gekommen. Wenn ich also etwas im Bembel haben will, muss ich dafür vorher etwas produzieren – die Äpfel. Die Apfelblüten werden von den Bienen und Hummeln bestäubt und wenn ich die also nicht habe, habe ich auch kein Stöffche im Bembel. Wir wollen mit dieser humoristischen Formel ein Verständnis dafür erzeugen, dass die Produkte, die uns die Natur schenkt, einen Werdegang haben. Und am Anfang dieses Werdegangs stehen eben auch die bestäubenden Insekten. Das dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren.

Wie schneidet Frankfurt in puncto Biodiversität ab?
Tatsächlich schneiden viele Städte gut ab. Das liegt daran, dass sie im Vergleich zum agrarisch geprägten Umland viel mehr kleinräumige Strukturen bilden. Wir haben unterschiedliche Bebauungen, Vorgärten, Straßenzüge, Brachflächen. Das führt zu unterschiedlichen kleinräumigen Klimata und Standortbedingungen, so dass dort ganz unterschiedliche Arten leben können. Wir sind was die Stadtnatur betrifft gut aufgestellt.

Nicht jeder hat einen Garten. Was lässt sich auf kleinen Flächen, zum Beispiel auf einem Balkon, Sinnvolles tun?
Räume für Insekten zu schaffen ist immer toll, denn Insekten stehen am Anfang einer Nahrungskette. Insektenhotels sind wunderbar. Erst kommen die Insekten, dann die Vögel, die die Samen ausbreiten. Damit erhalten wir unsere ökologischen Netze. Auf einem Balkon bietet es sich an, mediterrane Küchenkräuter zu pflanzen, zum Beispiel Rosmarin, Thymian, Lavendel oder Pfefferminze. Wer es heimischer mag, dem empfehlen wir Blühpflanzen, wie Gold-Fingerkraut, Blutroter Storchschnabel oder Knäuel-Glockenblume.

Die Begrünung von Fassaden ist ja ein großes Thema, wenn es um den Klimawandel geht. In anderen Städten, wie etwa in Mailand, wird das ja bereits umgesetzt. Auch Sie hatten dazu Vorschläge gemacht.
Wir arbeiten im Botanischen Garten derzeit am Thema biodiverse Dachbegrünungen. Es gibt viele Dächer in der Stadt, die gut dazu geeignet wären, sie zu bepflanzen und damit zur Luftreinigung in der Stadt beizutragen. In unserem Forschungsprojekt, das von der KfW Stiftung gefördert wird, testen wir aktuell unterschiedliche Artenzusammensetzungen auf Flachdächern.

Welche Themen sind in Zukunft relevant für Sie?
Das relevanteste Thema für mich ist der Umgang mit den Auswirkungen des Klimawandels. Es wird wärmer und trockener werden und die Starkregenereignisse werden zunehmen. Wir werden kürzere aber kältere Winter und längere Vegetationsperioden haben. Daraus ergeben sich wiederum praktische Fragen: Wie sieht ein angepasstes Wassermanagement aus? Wie gehen wir mit zusätzlichem Bedarf an Personal und Technik für die Bewässerung der Bäume und Pflanzen um? Und wir müssen die passenden Pflanzen auswählen.

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Zur Person:
Katja Heubach ist in der Nähe von Weimar aufgewachsen und kam mit 19 Jahren nach Frankfurt. Hier studierte sie Biologie an der Goethe-Universität. Von 2009 bis 2011 war sie als Doktorandin am Senckenberg Biodiversität und Klimaforschungszentrum beschäftigt, wo sie auch promovierte.

Dieses Interview ist zuerst in der Mai-Ausgabe (5/22) des JOURNAL FRANKFURT erschienen.
 
23. Mai 2022, 11.30 Uhr
Jasmin Schülke
 
Jasmin Schülke
Studium der Publizistik und Kunstgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Oktober 2021 Chefredakteurin beim Journal Frankfurt. – Mehr von Jasmin Schülke >>
 
 
Fotogalerie:
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