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Wirtschaft
 

Fair Finance Week

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Geld anlegen und die Welt retten?

Foto: Harald Schröder
Foto: Harald Schröder
Die Fair Finance Week stellt die nachhaltige Finanzbranche in den Mittelpunkt – zeitgleich zu einem Branchentreffen der herkömmlichen Banken.
Soll nochmal einer sagen, im Bank-Gewerbe gebe es keinen Boom mehr: Zweistellig sind die Wachstumsraten von der GLS, der Triodos oder ähnlicher Institute, die sich eine nachhaltige Finanzwirtschaft auf die Fahnen geschrieben haben. Und das schon seit Jahren, ein Trend der mit der Finanzkrise von 2007 ­verstärkt und seither nicht nach­gelassen hat.

Diese Woche kommt es nun in Frankfurt zu einer schönen Gleichzeitigkeit. Während bei der Eurofinance-Week unter der Schirmherrschaft von Finanzminister Wolfgang Schäuble die ganz Großen der Branche zusammenkommen, um über ihre Zukunft zu reden, wird bei der Fair Finance Week über Klimawandel, die Frage einer neuen Geldordnung und überhaupt: eine gerechtere Welt gesprochen. Während Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die Euro Finance Week eröffnet, sprechen die Grünen-Politiker Sven Giegold und Tarek Al-Wazir Grußworte beim alternativen Pendant. Als Konkurrenz-Event will Initiator Georg Schürmann von der Triodos die Woche nicht sehen, „die Schnittmengen zwischen den Besuchern beider Veranstaltung sind gering“, meint er – und schiebt gleich nach, dass er sich natürlich über ein größeres Interesse ehemaliger Kollegen freuen würde. 2008 war Schürmann von der Deutschen Bank zur Triodos gewechselt und gilt seither als Streiter für nachhaltige Geld­anlagen.

Auch die großen Institute versuchen sich mit der energetischen Sanierung ihrer Gebäude oder dem Auflegen von Öko-Fonds ein nachhaltigeres Image zu geben. Von „Greenwashing“ sprechen da die Kritiker. Auf den Podien während der Fair ­Finance Week sitzen denn auch keine Commerz- oder Deutschbanker. Dafür aber, und auch das dürften schon interessante Gespräche werden, Vertreter der Sparkassen. Bei einem Filmabend im Offen­bacher Hafenkino wird „Macht ohne Kontrolle“ des Journalisten Harald Schumann gezeigt, im Anschluss diskutieren Wolfgang Kessler vom Glaubensblatt Publik-Forum und die Chefvolkswirtin der Helaba, Gertrud R. Traud. Zwei Tage später geht es in der Nikolai-Kirche am Römerberg um die Weltveränderung, die nach­haltige Finanzwirtschaft mitzu­bringen verspricht, mit auf dem Podium: Sven Matthiesen von der Frankfurter Sparkasse.

Ein Massenphänomen sind nachhaltige Geldanlagen trotz der Wachstumsraten allerdings noch bei Weitem nicht: Es sind Nischenprodukte. Bei Bioprodukten aus dem Supermarkt sind die Verbraucher schon weiter, fragen auch nach der Herkunft oder den Implikationen der Herstellung von Lebensmitteln. „Auch das ändert sich, aber es braucht eben Zeit“, sagt Georg Schürmann. Aufklärung sei wichtig, Gespräche, manchmal auch das schlichte Zusammenbringen von Menschen mit ähnlichen Ideen und Wertvorstellungen. Dafür soll die Fair Finance Week wie auch der halbjährliche, von der Triodos unterstützte N-Klub da sein.

>> Fair Finance Week – Programmübersicht

17.11., 19.30 Uhr: Brauchen wir eine neue Geldordnung?
Das Podium diskutiert, wie nach seiner Ansicht eine neue Finanzkrise verhindert werden kann.
Einführung: Tarek Al-Wazir, Hessischer Wirtschaftsminister
Podium mit: Prof. Dr. Dr. Helge Peukert und Thomas Mayer
Moderation: Elke Pickartz (Journalistin und Moderatorin)
Gemeindehaus St. Katharinengemeinde, Leerbachstr. 18, 60322 Frankfurt am Main

18.11., 19.30 Uhr: Film-Abend „Macht ohne Kontrolle“ von Harald Schumann
Nach seinem preisgekrönten Film „Staatsgeheimnis Bankenrettung“ geht der Wirtschaftsjournalist und Bestseller-Autor Harald Schumann erneut einer brisanten Frage auf den Grund: Was passiert mit Europa im Namen der Troika?
Podium mit: Dr. Gertrud R. Traud (Chefvolkswirtin der Helaba), Wolfgang Kessler (Publik-Forum)
Moderation: Jan Grossarth (Journalist und Autor)
Die Besucher entscheiden, wieviel sie zahlen.
Hafenkino, Nordring 129, 63067 Offenbach am Main

19.11., 19.30 Uhr: Transition Town: Den Wandel praktisch gestalten
Wie kann unsere Kommune auf die Herausforderungen und Chancen reagieren, die durch das Ölfördermaximum und den Klimawandel entstehen? Welche Rolle kann dabei eine regionale Währung spielen?
Referenten: Matthias Emde von Transition Town Frankfurt stellt das Konzept und die Aktivitäten der Initiative vor.
Norbert Rost von der Regiogeldinitiative Elbtaler – Wie wirkt Regionalgeld und welchen Beitrag leistet es zum gesellschaftlichen Wandel?
Moderation: Josef Schnitzbauer (GLS-Bank)
Im Anschluss gibt es Gesprächsrunden zu den Themen: Repair Café, Energie & Mobilität, Transition Town, Regionalwährung
GLS Bank, Mainzer Landstraße 47, 60329 Frankfurt am Main

20.11., 19.30 Uhr: Geld anlegen für eine gerechtere Welt?
Kann man durch Geldanlangen einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit und Solidarität leisten? Welche Rolle übernehmen dabei die Finanzinstitute? Was ist zu beachten, um dieses Ziel zu erreichen?
Impuls: Dr. Florian Grohs (Direktor Oikocredit International Amersfoort)
Podium mit: Dr. Sven Matthiesen (Leiter des Ressorts Vorstandsstab / Kommunikation Pressesprecher der Frankfurter Sparkasse), Genossenschaftsbank (angefragt), Dr. Florian Grohs
Moderation: Gesine Kauffmann (Redakteurin und Autorin)
Alte Nikolai Kirche, Römerberg 11, 60311 Frankfurt am Main

Eine Version dieses Artikels erschien zuerst in der Ausgabe 24/2015 des Journal Frankfurt.
17. November 2015
Nils Bremer
 
Nils Bremer
Jahrgang 1978, Politologe, insgesamt 14 Jahre beim Journal Frankfurt, von 2010 bis Juni 2018 als Chefredakteur. – Mehr von Nils Bremer >>
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