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Zwischenruf von Thomas Schwemmer

Der RMVsmart-Tarif ist unzulänglich

Thomas Schwemmer engagiert sich beim Fahrgastverband Pro Bahn. Den Versuch, das Tarifsystem des RMV zu erneuern, bezeichnet er als mutig, dennoch müsse beim RMVsmart-Tarif stark nachgebessert werden.
Der jetzige Tarif des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) mit seinen Strukturen ist ein Problem. Das prominenteste Beispiel dafür ist der Tarifsprung von Frankfurt zu Offenbach. Seit mehr als einem Jahrzehnt bestehen Forderungen, dass der RMV die gravierenden Sprünge abmildert. Der Versuch, diese mit einem entfernungsabhängigen Tarif ganz zu umgehen ist mutig, denn er stellt einen Systemwechsel dar. Doch ein Tarifsystem muss für die Kunden nachvollziehbar und handhabbar sein. Das größte Problem des RMV-smart ist, dass es unterschiedliche Fahrtmöglichkeiten mit unterschiedlichen Ticketpreisen gibt und man gezwungen ist, den gebuchten Weg zu benutzen. Als Beispiel die Fahrt von Königstein Stadtmitte nach Frankfurt Taunusanlage: Hier gibt es sechs verschiedene Fahrtvarianten mit verschiedenen Linien, die der RMVsmart zu fünf verschiedenen Preisen anbietet. Besonders krass ist auch der Preisunterschied für die Fahrt von Wiesbaden nach Bad Homburg Bahnhof. Mit der S-Bahn kostet die Fahrt in dem smart-Tarif 10,74 Euro, mit dem Schnellbus hingegen 4,04 Euro. Zum Vergleich: Im alten Tarif kostet sie 8,25 Euro. Aus der Sicht des Fahrgastes ist diese Preispolitik schwer nachvollziehbar. Noch dazu ist der Fahrgast unflexibel. Denn hier gilt der Preis und die Fahrkarte zunächst nur für die gewählte Verbindung. Fährt man aus irgendeinem Grunde anders, sei es man ist in die falsche Linie gestiegen, fährt man gegebenenfalls schwarz. Solch ein System ist dem Fahrgast schwer zu vermitteln. Außerdem muss im RMVsmart geklärt werden, wie man mit Zeitkarten umgeht. Denn routenbezogenes Fahren lässt keine Flatrate zu und am Ende muss es ein einheitliches System geben. Das Pilotprojekt bezieht sich also allein auf Einzelfahrten. Dabei sind die größten Umsatzträger Zeitkarten und Jobtickets. Auch für die muss eine Lösung gefunden werden, die nicht teuer sein darf. Ein großes Manko an dem Versuch ist auch, dass die Fahrten innerhalb Frankfurts teurer geworden sind: viele der stadtinternen Fahrten sind von höheren Preisen betroffen. Das verfehlt den Sinn von Verkehrspolitik. Da versucht man Menschen mit größter Mühe vom Auto wegzubewegen, hin zur S-Bahn und macht die umweltfreundliche Variante unattraktiv.

Eine Tarifumstellung ist eine diffizile Angelegenheit – keine Frage! Viele Interessen kommen zusammen. Für den RMV darf eine Tarifreform nicht zu Einnahmeausfällen führen. Hier ist auch die Politik gefragt. Wenn die Politiker mehr Leute in den Bahnen haben wollen, dann müssen sie im Zweifelsfall mehr Geld in die Hand nehmen. Die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs ist auch von der Landesfinanzierung abhängig.
Die Zielpunkte eines neuen Tarifsystems sind klar: er muss handhabbar und nachvollziehbar sein. Ja, ein Test ist wichtig und er muss fortgesetzt werden. Punkte, die Probleme bereiten, müssen nachgebessert werden, so lange bis sie funktionieren. Das ist wie beim Kochen: Das Gericht muss abgeschmeckt und nachgewürzt werden. Man muss also dem RMV auch die Chance geben, daran zu arbeiten. Aber dann darf man auch etwas erwarten. Das Wichtigste hierbei ist: Transparenz.
 
29. November 2016, 11.17 Uhr
Thomas Schwemmer
 
 
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Text: sie / Foto: AdobeStoc/zigres
 
 
 
 
 
 
 
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