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Norah-Studie zum Fluglärm
 

Norah-Studie zum Fluglärm

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Eine Frage der Perspektive

Foto: Bernd Kammerer
Foto: Bernd Kammerer
Fluglärm schränkt die Lesefähigkeit von Kindern ein. Das geht aus der Norah-Studie hervor. Doch das Ergebnis interpretieren Landesregierung, Parteien und Fraport unterschiedlich - je nachdem welche Ziele sie verfolgen.
Eigentlich soll die Norah-Studie dabei helfen, herauszufinden, wie sich Verkehrslärm auf die Gesundheit und Lebensqualität auswirkt. Am Dienstag wurden die ersten Ergebnisse zum Fluglärm präsentiert. Doch wie sie zu verstehen sind, darüber gehen die Meinungen stark auseinander.

Die Flughafenbetreiberin Fraport vermeldet, dass die Auswirkungen des Fluglärms auf die Lesefähigkeit von Kindern "messbar, aber insgesamt vergleichsweise gering" sei. "Deutlich stärker wirken andere Faktoren, wie beispielsweise sozioökonomische Einflüsse oder unterrichtliche Rahmenbedingungen", so Fraport. Zwar hätten Eltern "leicht erhöhte Medikamentenverordnungen und Sprech- bzw. Sprachstörungen in stärker von Fluglärm betroffenen Gebieten" angegeben. Die Werte lägen jedoch unter dem Bundesdurchschnitt. "Ferner zeigt die Norah-Studie keine Ursache-Wirkungs-Beziehung zum Fluglärm auf."

Die Landesregierung sieht dennoch Handlungsbedarf: Wie Sprecher Michael Bußer mitteilt, soll nun "umgehend und gründlich" geprüft werden, wie Kinder in besonders belasteten Gebieten unterstützt werden können und "entsprechende Maßnahmen" eingeleitet werden, "um mögliche Benachteiligungen auszugleichen".

Ähnlich äußern sich auch die Fraktionen von CDU und Grünen im Landtag: Es gelte, so die Christdemokraten, "schnellstmöglich auch den passiven Schallschutz an den Schulen zu verbessern, die bislang noch keine Maßnahmen durchgeführt haben".

Die Grünen legen die Studie negativer aus: "Nun wissen wir, das Fluglärm nicht nur einen ruhigen Schlaf verhindert, sondern auch die Lernfähigkeiten von Schülerinnen und Schülern beeinflusst", sagt der flughafenpolitische Sprecher Frank Kaufmann. Die Auswirkungen von Lärmbelastungen seien also wie bereits vermutetet – "komplex und vielschichtig".

Die Opposition wird noch deutlicher. "Die Studie belegt ganz deutlich, was viele Mediziner seit Jahren sagen: Fluglärm beeinträchtigt die Leseleistung bei Grundschulkindern und ist Ursache für eine als schlechter empfundene Lebensqualität im Rhein-Main-Gebiet", sagt Hermann Schaus (Linke). "Die wissenschaftlichen Ergebnisse bestätigen damit auch die Erfahrungen von Eltern und Lehrern: Fluglärm im Klassenzimmer und im Elternhaus ist der Konzentration abträglich und beeinträchtigt die Entwicklung der Kinder." Passiver Schallschutz reiche nicht aus, Schaus fordert auch aktiven Lärmschutz sowie einen "Lärmdeckel weit unter dem aktuellen Niveau".

Ursula Fechter von der "Bürgerinitiative Sachsenhausen gegen eine neue Landebahn" (BIS) kritisiert, dass die Ergebnisse der Studie verharmlosend interpretiert werden würden. Zudem werden darin gewisse Tatsachen nicht erwähnt. BIS-Mitglied Ernst Scheuermann sieht bestätigt, was bereits vor mehreren Jahren wissenschaftliche Studien belegten: "Fluglärm beeinträchtigt kognitive Funktionen der Kinder, Fluglärm ist ein gesundheitliches Risiko für Kinder", sagt der Mediziner. Die Norah-Studie bestätige die negativen Effekte.

Norah ist eine Abkürzung für Noise-Related Annoyance, Cognition, and Health und ist von der gemeinnützigen Umwelthaus GmbH in Auftrag gegeben, die dem Land Hessen gehört.
 
5. November 2014, 16.45 Uhr
Lukas Gedziorowski
 
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Leser-Kommentare

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Lydia Ishikawa am 7.11.2014, 11:47 Uhr:
Leider ist in Ihrem Artikel nicht erwähnt, dass Kinder in der EInflugschneise einen höheren Medikamentenverbrauch haben als die Vergleichskinder. Ich finde das viel gravierender als eine Leseschwäche. Wie kann man dulden, dass Kinder aus wirtschaftlichen Erwägungen krank gemacht werden. Und wie kann dieser Fakt durch die Presse so weichgespült werden.
 
 
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