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Autonomes Fahrzeug „Easy“
 

Autonomes Fahrzeug „Easy“

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Fahrerlos über den Mainkai

Foto: © Bernd Kammerer
Foto: © Bernd Kammerer
Vergangen Freitag startete am Mainkai das Projekt „Easy“, bei dem erstmals das autonome Fahren im öffentlichen Raum getestet wird. Ein fahrerloser Kleinbus verbindet dabei Untermainbrücke und Alte Brücke. Die Fahrt ist kostenlos.
Ein etwa vier Meter langes Fahrzeug, entfernt an eine Kehrmaschine erinnernd, jedoch nicht in orange oder weiß/blau, sondern weiß mit türkisen Elementen – das untrügliche Zeichen dafür, dass es sich bei dem Fahrzeug nicht um eines der Frankfurter Entsorgungsbetriebe handelt, sondern zum Nahverkehr der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) gehört. Gemeinsam mit der Muttergesellschaft traffiQ und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) wird bis Juli 2020 am Mainufer das autonome Fahren getestet. Es ist der Auftakt einer dreijährigen Testphase des RMV, während der das autonome Fahren an verschiedenen Stellen im RMV-Gebiet getestet werden soll. Den ersten Test lassen sich die Beteiligten circa 500 000 Euro kosten. Die Bedingungen am Mainkai sind dabei durchaus eine Herausforderung. Der Mainkai ist zwar derzeit für den Autoverkehr gesperrt, aber auch ohne die etwa 20 000 Fahrzeuge täglich ist der Mainkai ein kompliziertes Testfeld. Fahrräder, Fußgängerinnen und Fußgänger und E-Scooter frequentieren die Straße.

Von innen ist das Fahrzeug eher schlicht gehalten: Holzsitze sorgen für ein wenig Wärme, große Fenster bieten einen guten Blick auf das Geschehen außerhalb des Vehikels. Das Fahrzeug verfügt über sechs Sitzplätze. In der Mitte gäbe es zwar noch Platz für Stehplätze, diese dürfen aber nicht genutzt werden – eine Auflage des Regierungspräsidiums. Stehen darf nur der Operator, der bei jeder Fahrt an Bord ist – eine weitere Auflage. Der Operator kann mit Hilfe einer Fernbedienung jederzeit die Kontrolle übernehmen und das Fahrzeug steuern. Ansonsten fährt das elektrische Fahrzeug vollautomatisch. Bei jedem Halt öffnen sich die Türen – ebenfalls automatisch.

Gemächlich, mit maximal 15 km/h, fährt das Fahrzeug die drei Haltestellen auf der 700 Meter langen Strecke ab. Erkennt einer der Sensoren ein Hindernis, verlangsamt sich zunächst die Geschwindigkeit, bei näheren Hindernissen erfolgt eine Bremsung. Bei einer Probefahrt am Freitag erfolgt der erste ungeplante Halt bereits nach wenigen Metern. Zu sehen ist nichts. Vielleicht lag es an einer Taube. Operator Klaus Düwel lässt das Fahrzeug wieder starten. In beide Richtungen wird die nördliche Fahrspur befahren. Dies ist gewöhnungsbedürftig für die anderen Verkehrsteilnehmenden, die sich von Ost nach West bewegen. Diese wähnen sich durch die noch vorhandene Fahrbahnmarkierung auf der richtigen Spur, haben jedoch plötzlich Gegenverkehr durch das futuristische Gefährt.

Da das Fahrzeug nur eine Tür hat, muss es an den Enden der Strecke wenden, obwohl es nur auf einer Spur fährt und vorne und hinten gleich aussieht. Beim Wenden und an sogenannten Furten (besonders stark von Fußgängerinnen und Fußgängern genutzten Kreuzungsbereiche), wie etwa zwischen Fahrtor und Eisernem Steg, gibt das Fahrzeug ein Klingelzeichen von sich. Die Klingel ertönt, das Fahrzeug fährt einen Schlenker, um zu wenden – und hält. Eine vorbeifahrende Fahrradfahrerin wurde rechtzeitig erkannt, sie schaut dennoch etwas misstrauisch. Die Akzeptanz der Bevölkerung für autonome Fahrzeuge zu testen und zu steigern, ist eines der Ziele des Tests. Wie sich zeigt, klappt das bei einer Gruppe von Schülern schon einmal ganz gut. Sie rennen neben dem Fahrzeug her und nehmen enttäuscht zur Kenntnis, dass nach erfolgter, automatischer Türöffnung keiner der Mitfahrenden aussteigen möchte. Vielleicht nächste Runde. Gelegenheiten gibt es noch genug, denn das Fahrzeug soll täglich von 13 bis 19 Uhr fahren. Das Mitfahren ist kostenlos. Haltestellen gibt es in der Nähe der Alten Brücke, in der Nähe der Untermainbrücke und am Eisernen Steg. Während Großveranstaltungen, wie zum Beispiel der Europäischen Woche des Sports vom 23. bis 30. September, pausiert der Betrieb. Bei Schnee und Starkregen wird ebenfalls nicht gefahren – die Sensorik ist zu empfindlich und würde in Schneeflocken und Starkregentropfen Hindernisse erkennen.
 
23. September 2019, 12.09 Uhr
Nathanael Reuter
 
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