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Bockenheim

Kulturcampus ohne Musikhochschule?

Thomas Rietschel, Präsident der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, hatte damit gerechnet, bald mit seinem Institut nach Bockenheim zu ziehen. So schnell scheint sich dieser Wunsch nicht zu erfüllen.
Der Kulturcampus in Bockenheim nimmt langsam Formen an. In der vergangenen Woche verkündete Matthias Arning, Sprecher von Oberbürgermeisterin Petra Roth, mit den Bauarbeiten solle bereits im kommenden Jahr begonnen werden.

Mit dem Beginn der Arbeiten stellt sich jedoch auch die Frage, welche Institutionen und Lehranstalten nun zuerst ein neues Zuhause auf dem Kulturcampus finden sollen. Matthias Urning sprach davon, der Neubau der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) sei erst im Laufe der kommenden zehn Jahre geplant. Thomas Rietschel, Präsident der Hochschule, zeigt sich entsprechend entsetzt: „Die grundsätzliche Idee des Kulturcampus geht weit über die rein nachbarschaftliche Ansiedlung einzelner Kulturinstitutionen hinaus. Die vier inhaltlichen Leitlinien des geplanten ‚Kulturcampus Frankfurt’ sind Ausbildung, Vermittlung, Zukunft von Musik und Darstellender Kunst sowie Kunst und Wissenschaft. Ohne die Hochschule wäre der Aspekt Ausbildung nicht mehr vertreten, auch die Ansiedelung des Hindemith-Instituts, der Jungen Deutschen Philharmonie, des Frankfurt LAB und der Hessischen Theaterakademie hätte ohne die Hochschule keinen Sinn, da sie für all die genannten Institutionen der wichtigste Partner ist.“

Bliebe die HfMDK in Bockenheim also zunähst unberücksichtigt, entstehe dort ein Kulturzentrum, wie es das in vielen Städten gäbe, jedoch nicht der geplante und einzigartige Kulturcampus mit internationaler Ausstrahlung, so Rietschel weiter.

Matthias Arning sieht die Verantwortung für einen Neubau der HfMDK zunächst nicht bei der Stadt Frankfurt: „Die Musikhochschule ist eine Einrichtung des Landes. Deswegen sorgt auch das Land für einen Neubau“, erklärt er. Es sei geplant, die Hochschule auf die heutige Universitätsbibliothek zu gründen. Zuerst müsse allerdings deren Neubau am Alleenring fertig sein. Davon hänge der Umzug der Musikhochschule auf den Kulturcampus ab.

Auch Matthias Arning sagt aber: „Unabhängig vom Zeitpunkt ihres neuen Entstehens an der Senckenberganlage bildet die Musikhochschule den Nukleus des Kulturcampus Frankfurt. Mit dieser Einrichtung steht alles andere in Verbindung.“

Doch bis zur Errichtung der Hochschule wollen Stadt und ABG Frankfurt Holding mit der allmählichen Fertigstellung des Kulturcampus nicht warten. Damit soll noch im Jahr 2012 begonnen werden. Stadt und ABG Holding planen drei Planungswerkstätten gleich nach den Herbstferien im Oktober 2011. „In der ersten Hälfte des Jahres 2012 soll es einen Architekturwettbewerb geben, um dem gesamten Quartier eine Handschrift zu geben“, so Matthias Urning.

Die Hochschule muss sich derweil mit Platzproblemen herumschlagen. "Wir bräuchten dringend einen größeren Neubau", sagt Thomas Rietschel. Zum einen sei die Hochschule, was Studentenzahlen betrifft, in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gewachsen. Durchschnittlich schreiben sich pro Semester rund 900 junge Künstler an der HfMDK ein. „Darüber hinaus haben sich einzelne Studiengänge weiterentwickelt; einer unserer inhaltlichen Schwerpunkte ist heute die Darstellende Kunst, die jedoch unter miserablen räumlichen Bedingungen arbeiten muss. So verfügen unsere Darstellenden Künste bis heute als einzige Ausbildungsstätte in Deutschland über keine eigenen Theaterräume, sondern müssen mit ihren Produktionen auf Partnerinstitutionen in der Rhein-Main-Region ausweichen. Das ist jedes Mal mit einem erheblichen organisatorischen Aufwand verbunden, der den Ausbildungsbetrieb im Moment noch entscheidend beeinträchtigt."

Die Idee des Kulturcampus Frankfurt erschöpfe sich aber nicht im Neubau der HfMDK und im Zusammenschluss der einzelnen Kulturinstitutionen. „Dieses Zentrum wird Frankfurt in die Welt hinein öffnen. Es wird ein Drehkreuz für zeitgenössische Künstler weltweit werden - und gleichzeitig ein Treffpunkt für die Bürger der Stadt und die Besucher aus aller Welt sein. Damit bietet der Kulturcampus Frankfurt eine wunderbare Perspektive mit einzigartigen gesellschafts- und kulturpolitischen Entwicklungschancen – für unsere Hochschule, aber auch für die Menschen in der Stadt und in der Region.“ Wie nun genau die Menschen in Stadt und Region die Zukunft des langjährigen Uni-Standortes sehen, darüber soll in Planungswerkstätten diskutiert werden. Ein erstes Bürgergepräch im Mai fand jedenfalls ein jähes Ende.

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14. September 2011, 11.18 Uhr
Kim Herschmann
 
 
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