Facebook
|
Twitter
|
RSS
|
eMags Kontakt
|
Mediadaten
|
Impressum
Kultur
Startseite Alle NachrichtenKultur
Ausstellung in der Schirn enttäuscht
 

Ausstellung in der Schirn enttäuscht

1

Heute kein König

Foto: © Schirn Kunsthalle Frankfurt /Norbert Miguletz
Foto: © Schirn Kunsthalle Frankfurt /Norbert Miguletz
Am Donnerstag eröffnet in der Schirn eine neue Ausstellung: „König der Tiere“ befasst sich mit dem Afrikabild des Landschafts- und Tiermalers Wilhelm Kuhnert. Leider bleibt die Schau weit hinter dem zurück, was man von der Kunsthalle gewohnt ist.
In der Schirn Kunsthalle hat eine neue Ausstellung eröffnet. „König der Tiere“ lautet der reißerische Titel, im Mittelpunkt steht Wilhelm Kuhnert, ein Landschafts- und Tiermaler des frühen 20. Jahrhunderts. Hell und luftig ist die Ausstellungsarchitektur gehalten, man wandelt über neues, noch nach frischem Holz duftenden Parkett in der gerade erst sanierten Schirn, die großformatigen Ölgemälde Kuhnerts zeigen prachtvolle Löwen und mächtige Büffel in der Savanne. Fast bekommt man beim Anblick der goldenen Landschaften Lust, eine Safari zu buchen. Damit ist eigentlich aber auch bereits alles gesagt über diese Ausstellung, die derart uninspiriert und unkritisch inszeniert ist, das vor allem eines die großzügigen Räume füllt: gähnende Langeweile.

Keine Frage, Wilhelm Kuhnert verstand sein Handwerk. Seine Arbeiten sind unzweifelhaft von hoher Qualität und wer ein Faible für Tiermalerei hat und sich gern afrikanisch anmutende Deko-Objekte ins Beige gestrichene Wohnzimmer stellt, wird sicher Freude beim Schlendern durch diese Schau haben. Die Umsetzung der Ausstellung ist jedoch leider an Oberflächlichkeit kaum zu überbieten, haut sie den Besuchern doch eine Phrase nach der anderen um die Ohren. „Wie kaum ein anderer Maler seiner Zeit“, „bis heute gegenwärtig“, „Naturromantik und Exotik“, „zentraler Beitrag zur Tiermalerei“, „besondere Faszination“ und andere, nicht minder schlecht getextete PR-Sätze sind an den Wänden zu lesen. Passenderweise sind die begleitenden Texte so klein geschrieben, dass sie teils kaum zu lesen sind – beinahe, als würden sie sich vor Scham verstecken wollen.

Das größte Versäumnis der Ausstellung ist aber vor allem die fehlende Auseinandersetzung mit dem kolonialen Kontext, der diesen Maler begleitet. Ja, Kuhnert hat „wie kaum ein anderer Maler seiner Zeit [...] die westliche Vorstellung von Afrika und der afrikanischen Natur“ geprägt, um bei der Wortwahl der Kuratoren zu bleiben. Doch zu welchem Preis? Der begleitend zur Schau publizierte Katalog greift die koloniale Vergangenheit auf und versucht in einem Kapitel die Auseinandersetzung mit dem Rassismus, der die Kunst dieser Zeit zwangsläufig begleitete. In der Ausstellung selbst entdeckt man nur in einigen wenigen Nebensätzen einen Hinweis darauf, dass dieses verklärte Afrikabild, das in Kuhnerts Werken transportiert wird, nicht einfach nur auf „Naturromantik und Exotik“ zurückzuführen ist.

Besonders ärgerlich dabei ist, dass die Schirn doch so viel mehr kann. Man erinnere sich nur an großartige Ausstellungen wie „Unendlicher Spaß“, „Tobias Rehberger. Home and Away and Outside“ oder „Doug Aitken“. Das waren intelligente, kritische, aufregende Präsentationen. Oder auch „Esprit Montmartre: die Bohème in Paris um 1900“. Nach dem Besuch dieser Ausstellungen verließ man die Kunsthalle mit dem bereichernden Gefühl, etwas Neues entdeckt und ungewohnte Perspektiven erfahren zu haben. „König der Tiere“ könnte das auch, Diskussionspotenzial bietet das Thema ausreichend. Leider haben sich die Kuratoren nicht die Mühe gemacht, über das simple Aneinanderreihen von einer Vielzahl an Gemälden hinauszugehen. Schade.
 
25. Oktober 2018, 12.18 Uhr
Ronja Merkel
 
Ronja Merkel
Jahrgang 1989, Kunsthistorikerin, von Mai 2014 bis Oktober 2015 leitende Kunstredakteurin des JOURNAL FRANKFURT, seit September 2018 Chefredakteurin. – Mehr von Ronja Merkel >>
 
Empfehlen
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
 
Martina Schoder am 26.10.2018, 14:11 Uhr:
Na gut dass ich gestern Abend die Eröffnung in der Schirn vergaß und stattdessen im Weltkulturen Museum das herrliche Opening der 'Grey is the new Pink' Ausstellung erlebt habe - und entzückende Stars aus Berlin: Günter Krabbenhöft und Britt Kanja - kennenlernnen durfte.
 
 
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Kultur
 
 
Batschkapp: Barrelhouse Jazzband im Biergarten
0
Absolut keine Berührungsängste
Eine Institution ist bedroht. Vier Musiker der Barrelhouse Jazzband hat Corona besonders hart getroffen. Crowdfunding soll ihnen helfen. Und ein Konzert am 16. August. Das JOURNAL FRANKFURT befragte Saxofonist Frank Selten dazu. – Weiterlesen >>
Text: Detlef Kinsler / Foto: PR/© Barrelhouse Jazzband
 
 
Atelierfrankfurt öffnet wieder seine Türen
0
OPEN AteliAir: Kunst unter freiem Himmel
Vom 07. bis zum 09. August wird das Atelierfrankfurt seine facettenreiche Kunst zeigen. Von Wandarbeiten bis hin zu Konzerten erwartet die Besucherinnen und Besucher ein breites Spektrum an Kreativität und Unterhaltung. – Weiterlesen >>
Text: dp / Foto: Peter Krausgrill
 
 
15 unterschiedliche Kurzfilm-Programme
0
Shorts at Moonlight geht in die letzte Runde  
Seit dem 15. Juli läuft das Kurzfilmfestival Shorts at Moonlight. In diesem Jahr stellt es seine Kurzfilme wegen Corona ausschließlich online zur Verfügung. Nun geht das Programm in die dritte Runde und nähert sich langsam seinem letzten Abend. – Weiterlesen >>
Text: dp / Foto: © Shorts at Moonlight/Leroy räumt auf
 
 
 
Stadtführung des Historischen Museum
0
Auf den Spuren von Goethe und Karl dem Großen
Wie entstand Frankfurt? Wo hielt sich Goethe gerne auf? Viele dieser Fragen über die Geschichte der Stadt Frankfurt und ihrer wichtigen Persönlichkeiten kann der Stadtrundgang des Historischen Museum Frankfurt am 2. August beantworten. – Weiterlesen >>
Text: dp / Foto: Moritz Bernoully/©HMF
 
 
Zum 250. Geburtstag
0
Ihr Freund Beethoven
Was haben Bonns großer Sohn Ludwig van Beethoven und der Mainzer Musikverlag Schott gemeinsam? Sie feiern beide in diesem Jahr ihren 250. Geburtstag. Und siehe da: Es gab auch freundschaftliche Bande zwischen dem Komponist und den Verlegern. – Weiterlesen >>
Text: Detlef Kinsler / Foto: Schott Music Group
 
 
<<
<
1  2  3  4  ...  698