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Kultur-Campus

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Was Bürger wollen

Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth lud gestern Abend zum ersten Bürgerforum Kultur-Campus Bockenheim ins Senckenberg-Museum ein. Ideen gab es viele. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.
Vergangene Woche startete die CDU in die heiße Phase für den Wahlkampf. Jetzt tut es ihnen Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) gleich. Sie betreibt ihren ganz eigenen Kampf. „Partizipative Demokratie“ nennt sie das. Und beruft sogleich ein Bürgerforum ein. Thema: Kultur-Campus Bockenheim. Und so kamen die Bürger in Scharen in das Senckenberg-Museum, das aus den Nähten zu platzen schien. Kein Wunder: Ist das Thema doch ein heiß diskutiertes bei den Anwohnern des Stadtteils. Denn: Was passiert mit dem 16,7 Hektar großen Areal, wenn die Goethe-Uni all ihre sieben Sachen gepackt und den Campus Westend bezogen hat? Pläne gibt es viele. Doch noch nichts ist wirklich beschlossene Sache. Die Musikhochschule, das Ensemble Modern und die Forsythe Company sollen neue Mieter werden. Gerüchte gibt es viele. Und in den vergangenen Monaten schossen die Bürgerinitiativen, die sich ihrem Quartier und dem Kultur-Campus widmen, wie Pilze aus dem Boden. Letzte Woche schlossen sich einige von ihnen zum Verein „Offenes Haus der Kulturen“ (wir berichteten) zusammen, um für den Erhalt des Studierendenhauses zu kämpfen. Gestern wurde noch das Forum Kultur-Campus Bockenheim gegründet – ein Zusammenschluss aus neun Institutionen, die nach dem Wegzug der Goethe-Uni auf dem Campusgelände bleiben oder sich niederlassen wollen – von der Musikhochschule über die Forsythe Company, das Ensemble Modern, das Frankfurt Lab bis hin zur Senckenberg Naturforschende Gesellschaft.

Und die Ungeduld, was wohl mit dem freiwerdenden Campusgelände passiert, lag gestern Abend spürbar in der Luft im Senckenberg-Museum zwischen all den Dinosaurier-Skeletten. Doch bevor die Bürger zu Wort kommen durften, mussten sie eine anderthalbstündige Podiumsdiskussion über sich ergehen lassen. Wobei das Wort „Diskussion“ in diesem Fall nicht passend war. Waren sich die Podiumsteilnehmer doch eher einig als uneinig. Und so ergriff Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) als erstes das Wort. „Hätte man die Bürger rechtzeitig miteinbezogen, wäre Stuttgart 21 nicht zu einem Eklat geworden“, so Roth und rief die Bürger zur Partizipation und zum Mitreden auf. Wo der Schuh drücke, wolle sie wissen, und was die Bockenheimer „mögen könnten“. Planungswerkstätten wie schon beim Bolongaro-Palast plane sie, die mögliche Entwürfe erstellen würden. Doch das dauert. „Wir dürfen hier keine Brache entstehen lassen“, sagt Roth. „Und ja, es gibt schönere Teile in Frankfurt. Die Gebäude werden nicht mehr genutzt, stehen leer und das sieht man auch. Aber es ist ein Juwel, das zum Strahlen gebracht werden muss.“ Da waren sich alle einig. Und Stadtplaner Albert Speer sagt: „Man sollte klotzen, statt kleckern.“ Grünflächen und Parks werden dank des Palmengartens, des Botanischen Gartens und des Grüneburgparks nicht benötigt. Ebendies gelte auch für Arbeitsplätze. Auf Kultur und Wohnen solle man sich konzentrieren. Politiker müssten endlich anfangen, langfristig zu denken. „Das ist doch auch in den siebziger Jahren mit dem Museumsufer gelungen. Das war ein Quantensprung mit Blick in die Zukunft.“ Und Stefan Mumme, Rechtsanwalt und Sprecher des Forum Kultur-Campus, fügt hinzu: „Der Ort könnte ähnlich wichtig für das Profil Frankfurts werden wie das Museumsufer, aber wir wollen kein elitäres Zentrum, sondern flexible, offene und transparente Räume für Produktion und Forschung.“ Ein mit 1500 Künstlern, Wissenschaftlern und Studenten belebtes Quartier, das von Bockenheimern bewohnt wird, schwebe ihm da vor. Ein Bindeglied zwischen Innenstadt und Westend sozusagen mit Cafés, Restaurants und verglasten Proberäumen.

Doch während das nur alles mögliche Ideen sind, steht schon jetzt fest: Im Herbst wird die städtische ABG Holding mit dem Bau der ersten 200 Wohnungen nördlich des Bockenheimer Depots beginnen. „Der Kultur-Campus schafft den perfekten Übergang zwischen dem günstigen Bockenheim und dem teuren Westend“, so ABG-Geschäftsführer Frank Junker. Wohnungen für alle wolle er schaffen, sowohl für den Sozialhilfeempfänger als auch für den Generaldirektor. Das freut die Bürger. Wünschen sie sich doch günstigen Wohnraum. Doch vor allem liegt ihnen der Erhalt des Studierendenhauses am Herzen. „Viele übersehen, dass es schon einen kleinen Kultur-Campus gibt, nämlich das Studierendenhaus, das vor sechzig Jahren als partizipativer, offener Ort gegründet wurde“, so Tim Schuster, Sprecher des Vereins „Offenes Haus der Kulturen“. „Und mittlerweile ist es ein Ort der freien Kunstszene, des kulturellen und politischen Lebens und ebendies sollte er bleiben.“ Doch das letzte Wort ist da noch nicht gesprochen. Albert Speer sagt dazu: „Der Bebauungsplan ist noch nicht offengelegt. Über das Studierendenhaus müssen wir in der nächsten Phase intensiv reden. Und entweder kommt das Gebäude weg oder es bleibt komplett erhalten. Ein Teilabriss wäre schwachsinnig.“ Da scheint noch viel Diskussionsstoff vorhanden zu sein.
 
22. Februar 2011, 11.50 Uhr
Julia Lorenz
 
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