eMags
|
ePaper
|
Apps
|
Abo
|
Shop
|
Jobs
Daniel Cohn-Bendit
Startseite Alle KolumnenDaniel Cohn-Bendit
Warum wagen wir es Griechenland zu beschimpfe
 

Warum wagen wir es Griechenland zu beschimpfen?

Das Interview mit Daniel Cohn-Bendit: "So etwas wie in Norwegen kann man nicht verhindern. Das ist zwar dramatisch, aber es ist so: wenn sich der Wahn Bahn bricht, dann hilft es nicht, Internetforen beobachtet zu haben."
Beim Durchblättern der Zeitungen der letzten Wochen habe ich mich gefragt: Gibt es keine guten Nachrichten mehr?
Der Sommer ist in der Tat besonders angespannt, weil es bestimmte Krisenherde gibt, die nicht befriedet werden. Dazu kommt eine stete Verunsicherung über die Welt, in der wir leben, aus der auch Wahn entstehen kann, wie man nun in Norwegen sehen musste.

Muss die Rechte nun ihre islamophoben Argumente überprüfen angesichts eines Attentäters, der gegen alles multikulturelle zu Felde ziehen wollte?
Ich fand es auch schon seltsam im Koran nach Begründungszusammenhängen für Attentate zu suchen. Aber durch die Sarrazins dieser Welt hat sich ein argumentatives Becken gebildet, das Vorurteile festigt. Eine direkte Linie zu diesem Wahn lässt sich daraus gleichwohl nicht ziehen. Es ist ja auch herausgekommen, dass der Attentäter ein Freund von Videospielen war. Stumpfen diese Spiele die Menschen ab? Auch eine Debatte, die zu führen ist.

Interessant sind im Nachgang zum norwegischen Attentat die innenpolitischen Debatten. Während man in Norwegen die freie Gesellschaft rühmt, treten in Deutschland christliche Politiker auf und fordern mehr Überwachung.
So etwas wie in Norwegen kann man nicht verhindern. Das ist zwar dramatisch, aber es ist so: wenn sich der Wahn Bahn bricht, dann hilft es nicht, Internetforen beobachtet zu haben.

Zugleich wenden sich unsere Augen nach Somalia …
Somalia ist ein failed state und zugleich ein Land, das Nahrungssouveränität erlangen könnte. Ein Ansatz zur Lösung kann da in der Preisregulierung auf dem Weltmarkt liegen.

Lassen Sie uns noch über ein anderes Thema sprechen: Schulden. Wollen wir nicht lieber gleich nochmal bei Null anfangen?
Das hieße ja, den Menschen ihre Ersparnisse wegzunehmen, was nicht in Ordnung ist. Klar ist: Haushaltsstabilität wird man nur mit der Fähigkeit erreichen können, die Steuereinnahmen zu erhöhen.

Selbst Offenbach hat eine Milliarde Schulden. Das kann doch nicht gut sein!
Offenbach ist nichts gegen Bremen. Der Stadtstaat hat eine höhere Pro-Kopf-Verschuldung als Griechenland. Und da wagen wir es, dieses Land zu beschimpfen.

Stuttgart 21 hat den sogenannten Stresstest einigermaßen überstanden. Ist jetzt Ruhe?
Wenn ich den Grünen mal eines raten darf: Sie sollten sich voll und ganz auf die Volksabstimmung konzentrieren. Sie sollten den dreißig- bis vierzigtausend Aktivisten in Stuttgart sagen: geht ins Land und überzeugt die Menschen in Baden-Württemberg davon, wählen zu gehen. Und dann überzeugt sie davon, richtig zu wählen.

Volker Stein scheint von Ihrem Vorschlag in die Kanalisation zu ziehen, geradezu beflügelt worden zu sein: jetzt will er sogar Oberbürgermeister werden.
Oberbürgermeisterin kann nur eine werden, und das ist Manuela Rottmann. Ach, dieser … wie heißt der nochmal?

Stein.
Dieser Stein kann meinetwegen werden, was er will. Auch Sturmspitze der Eintracht, wenn er Lust dazu hat.

Apropos Eintracht: bislang sieht es nicht nach dem Durchmarsch in die erste Liga aus, oder?
Sie haben schlecht gespielt und dennoch vier Punkte gemacht. Das bedeutet: wenn sie jetzt noch gut spielen, dann machen sie noch mehr Punkte. Das ist die gute Nachricht zum Schluss.
3. August 2011
Interview: Nils Bremer
 
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_kolumne_GALERIE_WHILE#}
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
Schreiben Sie den ersten Kommentar.
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Daniel Cohn-Bendit
Nach der Landtagswahl in Hessen sieht der Politiker Daniel Cohn-Bendit (Grüne) Optionen für eine rot-grüne Minderheitsregierung. SPD und Grüne müssten Mumm beweisen, forderte er im Interview mit dem Journal Frankfurt.
Text: nil/mim / Foto: Harald Schröder
 
 
Der EU-Parlamentarierer Daniel Cohn-Bendit glaubt nicht daran, dass es einen Machtwechsel in Deutschland geben wird. Der Wahlkampf sei „gaga“, sagt er dem JOURNAL FRANKFURT. Angela Merkel werde Kanzlerin bleiben.
Text: ges / Foto: © Joelle Dolle
 
 
Daniel Cohn-Bendit nominiert:
„Gebt Edward Snowden den Sacharow-Preis“
Der Europaparlamentarier Daniel Cohn-Bendit (Die Grünen) würde Edward Snowden jederzeit Asyl auf seiner Couch gewähren. Zudem möchte er den Whistleblower mit dem EU-Menschenrechtspreis bedenken.
Text: ges / Foto: © Joelle Dolle
 
 
Der Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit äußert sich im Interview mit dem Journal Frankfurt erstmals ausführlich zu den neuerlichen Missbrauchs-Vorwürfen. "Der Text war ein großer Fehler", sagt er.
Text: mim/nil / Foto: © Bernd Kammerer
 
 
Der oberste Verfassungsrichter des Landes, Andreas Voßkuhle, zieht sich von der Theodor-Heuss-Preisverleihung zurück. Im April soll Daniel Cohn-Bendit den Preis empfangen. Für ihn will Herr Voßkuhle die Festrede aber nicht halten.
Text: ges
 
 
 
 
Ältere Beiträge