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"Stadtentwicklung ohne Knirschen gibt's nicht"
 

"Stadtentwicklung ohne Knirschen gibt's nicht"

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Olaf Cunitz bleibt beim Immo-Skandal gelassen

Bei der Veranstaltungsreihe „Immo-Skandal“ im Kabarett Die Schmiere stellte sich der Bürgermeister und Planungsdezernent den Fragen von Edda Rössler zu Wohnungsnot, Fluglärm und zu Motörhead.
Seit fünf Jahren findet regelmäßig das Netzwerkertreffen „Immo-Skandal“ vor dem eigentlichen Abendprogramm im Kabarett Die Schmiere statt. Fast genauso lange hatte sich die Organisatorin Edda Rössler bemüht, den einstigen Planungsdezernenten Edwin Schwarz (CDU) als Gesprächspartner zu gewinnen. Doch irgendwie muss er abgeschreckt gewesen sein vom Titel der Talkrunde. Dabei ist da wenig skandalös – aber es geht um Stadtplanung und –entwicklung, um Architektur und wie wir künftig leben wollen. Etwas mutiger war da Schwarz’ Nachfolger Olaf Cunitz (Grüne), der sich bei dem 18. Immo-Skandal anlässlich seines ersten Amtsjahres in geselliger Runde den neugierigen Fragen von Edda Rössler und dem Schmiere-Ensemblemitglied Effi B. Rolfs (im Bild rechts) stellte.

Ein Jahr als Bürgermeister und Stadtplanungsdezernent hat den Grünen-Politiker noch nicht mürbe gemacht. „Ich fahre noch jeden Morgen freudig zu meinem Dienstsitz. Ich mag die Möglichkeit zu gestalten und ich lerne noch immer viel. So gesehen geht’s mir hervorragend.“ Die Work-Life-Balance stimme noch. „Ich glaube, mein Sohn kommt immer noch freudig auf mich zugelaufen, wenn ich Heim komme und kennt mich noch“, sagt der 44-Jährige und schmunzelt. Dennoch sei die Arbeitsbelastung im Vergleich zu seiner Zeit als Fraktionschef der Grünen im Römer angestiegen. „Es sollten nicht noch mehr Ämter dazu kommen, aber fairerweise muss ich sagen, dass sich einige in Frankfurt vergleichsweise krumm und buckelig arbeiten und ich wusste ja vorher, worauf ich mich einlasse.“

Ob es ihn nicht störe, dass er die Projekte – quasi die Babys anderer – übernehmen musste, fragte Edda Rössler. „Das wichtigste Baby ist zwei Jahre alt und doch von mir“, frotzelt Cunitz mit Vaterstolz. Aber man rechne im Stadtplanungsamt nun mal nicht in Monaten und Jahren, sondern in Dekaden. „Man übernimmt ganze Projekte vom Vorgänger und stößt neue Projekte an, von denen man weiß, dass man deren Ende nicht erlebt.“ Und auch wenn man kein Fan mancher Projekte sei, so seien diese letztlich doch demokratisch beschlossen worden, was es zu respektieren gelte.

Eines seiner derzeitigen, aber überparteilichen Anliegen sei die Wohnraumversorgung, sagt der studierte Historiker. Als umweltbewusster Politiker beschäftige er sich jedoch speziell mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Großstädte. „Wir wirkt man der Erhitzung der Städte entgegen?“, sind Fragen, die Cunitz umtreiben. Die Stadt habe mikroklimatische Gutachten anfertigen lassen und es deute viel darauf hin, dass die Tage mit extremer Hitzeentwicklung in Frankfurt zunehmen werden. Als richtungsweisend bezeichnete Cunitz die Speerstudie „Frankfurt für alle“ mit der Vision für das Jahr 2030. Das sei ein völlig unterbewerteter Fundus, der unbeachtet in der Schublade läge. Denn es mangele Frankfurt an einer umfassenden Stadtentwicklungsstrategie, stattdessen gebe es viele einzelne Strategien. Doch was man heute plane, scheine über 2030 hinaus. „Ich kann mich da nicht zurücklehnen und sechs Jahre aussitzen.“

Derzeit aber werde eine „überhitzte Debatte“ zum Wohnungsmangel geführt. „Das Thema nimmt durch zwei Wahlen an Geschwindigkeit zu. Das droht in Aktionismus zu verkommen. Dennoch haben wir einen Wohnungsdruck.“ Dafür müsse mehr Bauland zur Verfügung gestellt werden, es gebe ja bereits Förderprogramme für sozialverträgliches Wohnen und man müsse insgesamt mehr Flächen innerhalb Frankfurts in Anspruch nehmen. 325 000 Einpendlern stünden in Frankfurt 70 000 Auspendlern gegenüber. Allein der Klimaverträglichkeit halber sei es da vernünftig, durch Wohnungsangebote den wachsenden Pendlerstrom einzudämmen. „Viele Jahre lang hat man in Frankfurt falsche Annahmen gehabt. Da hieß es, die Stadt wird schrumpfen. Und das holt einen jetzt bitter ein“, sagt Cunitz über Frankfurt, dass bi der Einwohnerzahl mittlerweile die 700 000-er Marke geknackt hat. „Es ist ein Gebot der Stunde: Diese Stadt muss dichter und kompakter werden.“

Sicher sei es nicht immer leicht, die eigenen politischen Visionen durchzusetzen. Aber: „Ein Planungsdezernent, der sich nicht traut, solche Debatten anzustoßen, ist am falschen Platz. Stadtentwicklung ohne Knirschen gibt’s nicht!“

Wohnhochhäuser, wie sie am Henninger Areal, in der Stiftstraße und im Europaviertel vorgesehen sind, seien ein Versuch, mit den Wohnflächen statt in die Breite in die Höhe zu streben. „Mit Einfamilienhäusern werden wir in Frankfurt das Wohnproblem sicher nicht lösen.“ Nur seien Wohnhochhäuser in Deutschland nur wenig positiv besetzt. Doch wenn irgendwo der Imagewandel gelänge, dann in Frankfurt, ist sich Cunitz sicher.

Doch strebt man am Henninger Turm hoch hinaus, ist die Frage, ob man dort oben angesichts des Flugverkehrs tatsächlich wohnen will. Doch zur Fluglärmdebatte will Cunitz keine Bewertung abgeben, nur drei neutrale Beobachtungen mitteilen: „In der Region gibt es Städte, die seit Jahren unter der Flugbelästigung gelitten haben, die höher ist, als die derzeitige in Sachsenhausen. Die haben es auch erduldet und die Städte gibt es immer noch.“ Ferner habe ein Gutachterausschuss festgestellt: „Es gibt keinen Verfall der Preise – nur ist die Preissteigerung in Sachsenhausen nicht mehr so hoch.“ Drittens, so gibt Cunitz zu bedenken: “In einer Stadt wie Frankfurt leben Leute an Hauptverkehrsstraßen und Bahnschienen. Es gibt Leute, die die Sachsenhäuser nicht verstehen. Bestimmte Dinge sind einfach Bestandteil einer Großstadt. Das bedeutet natürlich nicht, dass man nichts gegen den Fluglärm tun soll“, sagt Cunitz, der am Mittwochabend passend zum Lärmthema auch eine Schwäche für Heavy Metal offenbarte. Sein Tipp: Motörhead. „Die kommen fast jedes Jahr in die Offenbacher Stadthalle.“

Wer indes zum nächsten Immo-Skandal in die Schmiere als Talk-Gast kommt, steht noch nicht fest, interessierte Zuhörer können sich aber schon mal den 22. Mai als Termin notieren.
21. März 2013
Nicole Brevoord
 
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