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Fridays for Future

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Weltklimastreik erreicht die Zeil

Foto: © Bernd Kammerer
Foto: © Bernd Kammerer
Am vergangen Freitag ging der Weltklimastreik in die vierte Runde. Laut Fridays for Future spielt ziviler Ungehorsam eine wachsende Rolle innerhalb der Bewegung. Am Black Friday, dem umsatzstärksten Tag des Jahres, wurden in Frankfurt erstmals Geschäfte blockiert.
Trotz kaltem Wetter, Vorabitur und vorweihnachtlichen Ablenkungen kam es am vergangenen Freitag zum vierten globalen Klimastreik. Bereits im Juli hatte die Fridays for Future-Bewegung in Frankfurt durch Straßen-Blockaden für Aufsehen gesorgt. Infolgedessen wurden die Demonstrierenden teilweise als „laut, wütend und unbequem“ wahrgenommen. Unter dem Slogan „Climate Justice! Global Justice!“ richteten die Protestierenden ihr Augenmerk diesmal auf die globalen Produktionsverhältnisse. „Wir leben in einem System, in dem 100 Konzerne 71 Prozent der weltweiten Emissionen verursachen, ohne dass sie die Konsequenzen dafür tragen müssen“, so die Demonstrierenden. Als konkrete Ursache dafür, wurde von Seiten der Aktivist*innen weniger das Konsumverhalten der Endverbraucher*innen ausgemacht, sondern viel mehr das Verhalten der Läden und Konzerne. Gerade der „Black Friday“, ein aus Amerika stammendes Marketing-Tool des Einzelhandels zur Steuerung des vorweihnachtlichen Kaufverhaltens, hat sich in den vergangenen Jahren auch hierzulande zum umsatzstärksten Tag des Jahres entwickelt. Mit Rabatten und Angeboten locken insbesondere Anbieter von Elektronik- und Textilwaren Kunden für jährlich steigende Rekordzahlen in die Geschäfte.

Daraus ergab sich am Freitag der Zusammenprall zweier Welten: Konsumfreund*innen und Konsumgegner*innen trafen auf der Frankfurter Zeil aufeinander. Eine Fraktion strömte schubweise und unorganisiert aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet herbei, die Andere traf sich zum „bisher am stärksten aktionistisch geprägten Tag“ zunächst an der Bockenheimer Warte und am Frankfurter Zoo. Dort starteten nach kurzen Ansprachen um 12 Uhr die beiden Demonstrationszüge, nach Angaben der Organisator*innen waren es rund 10 000 Demonstrierende. Neben den Ansprachen von Anti-Kohlekraft-Bewegung „Ende Gelände“ und „Fridays for Future“ bekamen die Bewegung „Scientists for Future“ eine größere Plattform. Unter anderem wies Klimaforscher Professor Joachim Curtius darauf hin, dass sich die Erde weiter erwärmt und bei einer Erhöhung von 4 Grad Celsius bereits in weiten Teilen unbewohnbar wäre, wenn sich die Klimapolitik nicht ändert. Insbesondere im Hinblick auf den am heutigen Montag in Madrid startenden Weltklima-Gipfel wurden die Forderungen an die Politik, das 2 Grad Celsius Ziel umzusetzen, erneuert.




© ahe

Nach den Ansprachen machten sich die Aktivistinnen und Aktivisten auf den Weg zu der Zeil. Auf dem Weg bildeten sich kleine Gruppe und die bekannten Sprechchöre wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“ oder „What do we want? Climate Justice! When do we want it? Now!“ hallten durch die Straßen. Als die Demonstrierenden um 14 Uhr Frankfurts größte Einkaufsmeile erreichten, fanden an sechs verschiedenen Orten Blockaden statt. Ziel der eigendynamisch organisierten Aktionen waren das Einkaufszentrum MyZeil, Karstadt, Primarkt, McDonalds, Peek&Cloppenburg sowie die Kreuzung am Brockhaus Brunnen. Diese wurden bis zu zwei Stunden lang blockiert, wobei die Polizei das Vorhandensein von Schleusen sicherstellte, sodass das Betreten oder Verlassen der Geschäfte möglich, jedoch mit erheblichen Wartezeiten verbunden war. Aus Sicht der Aktivist*innen und der Polizei vor Ort, blieben die Aktionen weitestgehend gewaltfrei, die Passantinnen und Passanten zeigten sich jedoch genervt, wodurch es zu einzelnen Vorfällen gegen die Aktivist*innen kam, bei denen niemand verletzt wurde.




© ahe

Insgesamt verbucht Fridays for Future Frankfurt die Aktion als Erfolg. Deutschlandweit fanden rund 630 000 Menschen den Weg auf die Straße, die Zahlen sind geringer als bei dem Septemberstreik. Sprecherinnen und Sprecher von Fridays for Future sahen die Ursachen dafür in geringerer Vorbereitungszeit und dem momentanen Klausurstress in der Schule. Die gestiegenen Vorfälle können mit den neuen Protestformen zusammenhängen, wie Dominik Ullrich, Pressesprecher der Bewegung, erklärt: „Fridays for Future durchläuft eine Entwicklung. Innerhalb der Bewegung gibt es Unmut, da nach den 1,4 Millionen Menschen, die am 20. September auf der Straße waren, so wenig passiert ist.“ Deshalb stehen diesmal auch die Produktionsbedingungen im Fokus: „Wir wollen klar machen, dass unsere jetzige Wirtschaft keine Zukunft hat. Es muss klimagerechte Standards geben, an die sich alle Unternehmen halten.“ Gleichzeitig erneuerten die Aktivistinnen und Aktivisten ihre Forderungen: „Flüge müssen teurer werden und große Städte autofrei.“ Ein 13-jähriger Demonstrant ergänzte: „generell muss die Politik etwas gegen die spürbaren Folgen des Klimawandels unternehmen. Ich habe noch ein langes Leben vor mir und das möchte ich genießen. Ich möchte meinen Kindern und deren Kindern ein schönes Leben ermöglichen und nicht, dass irgendwann Schluss ist, weil sich jetzt viele Menschen in die eigene Tasche wirtschaften“.
 
2. Dezember 2019, 13.21 Uhr
Armin Heinrich
 
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Leser-Kommentare

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Christian Six Spreen am 2.12.2019, 14:29 Uhr:
Ich hätte das miteinander verknüpfen können: demonstrieren und auf dem Nachhauseweg noch nach nem günstigen Beamer gucken.
 
 
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