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Brexit

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Wie geht es weiter ohne Großbritannien?

Foto: Goethe-Universität
Foto: Goethe-Universität
Der Brexit ist Realität. Wie geht es weiter? Finanzexperte Jan Pieter Krahnen sieht ein unheilvolles Zeichen für die EU. Für Frankfurt prognostizieren Kämmerer Uwe Becker und OB Peter Feldmann (SPD) eine positive Zukunft.
Der Brexit ist Wirklichkeit geworden. Mehr als 70 Prozent der wahlberechtigten Briten stimmten ab – und mit knapper Mehrheit für den Austritt aus der Europäischen Union. Die Reaktionen auf diese Entscheidung folgten auf dem Fuße: Das Pfund stürzt auf tiefsten Stand seit 1985, auch der Dax brach ein, Premier David Cameron kündigte seinen Rücktritt an. Welche Auswirkungen wird der EU-Austritt auf lange Sicht haben? Jan Pieter Krahnen (Foto), Professor für Kreditwirtschaft und Finanzierung an der Goethe-Universität, sieht ein unheilvolles Zeichen für die restliche Europäische Union. Er ist ein guter Kenner des europäischen Finanzsystems und hat als einziges deutsches Mitglied der sogenannten Liikanen-Kommission an der Reform des europäischen Finanzsystems mitgewirkt.

„Die EU ist nun gezwungen, sich neu zu definieren und neu zu positionieren, zum Beispiel im Rahmen eines Verfassungskonvents. Gesucht ist ein neuer ‚Bearing Point‘, eine Vision, an der man sich auf dem Weg, etwa in eine immer engere Union, orientieren kann“, sagt Krahnen. Ein solcher Orientierungspunkt könnte ein „Avantgarde-Modell“ sein, bei dem sich eine Handvoll Staaten für einige ausgewählte Politikbereiche enger zusammenschließen, so der Experte weiter. Zudem könne er sich ein zweistufiges Bundesstaaten-Modell vorstellen. Das sollte demokratisch legitimiert sein, mit einer eingeschränkten Handlungs- und Budgethoheit in der Zentrale. Natürlich seien auch andere Modelle denkbar, „wichtig ist, dass es einen ernsthaften Versuch gibt, ein neues Wegeziel festzulegen“.

Falls ein solcher Neufindungsprozess in kleiner Runde gelinge, können sich andere Länder nach und nach einwählen – vielleicht auch irgendwann wieder ein Großbritannien oder aber, falls es hier zu einer Spaltung kommt, Schottland oder Nordirland, überlegt Krahnen.

An den Finanzmärkten prognostiziert er eine enorme Instabilität, „mindestens bis sich alle wichtigen Institute und Hedgefonds neu positioniert haben“. Der Brexit sei ein schwerwiegender Test der Bankenunion mit einem Höhepunkt vermutlich in der nächsten Woche, so Krahnen. „Ich bin jedoch zuversichtlich, dass die Finanzinstitute ebenso wie Zentralbanken und Aufsichtsbehörden Vorkehrungen getroffen haben, die es erlauben, den Schock zu verarbeiten.“

Auch Kämmerer Uwe Becker (CDU) äußerte sich zum EU-Austritt der Briten. „Heute ist ein trauriger Tag für die Europäische Union. Die genauen Konsequenzen sind noch schwer abzusehen, es wird nun sicherlich langwierige Verhandlungen über das zukünftige Verhältnis Großbritanniens zur EU geben“, sagte er.

Auf Frankfurt als Finanzstandort könne das Votum besondere Auswirkungen haben. „Ich sehe optimistisch in Frankfurts Zukunft. Die Mainmetropole ist weit über ihre Grenzen hinaus als attraktiver Wirtschaftsstandort, als Bankenstadt, aber auch als weltoffene, lebenswerte und internationale Stadt bekannt", so Becker. Gerade für internationale Banken sei die Nähe zur Zentralbank ein entscheidendes Kriterium für eine Standortentscheidung. „Sollten Unternehmen in Betracht ziehen, ihren Sitz von London nach Frankfurt zu verlegen, so sind wir in Frankfurt gut aufgestellt und werden die Infrastruktur dem dadurch steigenden Bedarf anpassen.“

„Ich bin enttäuscht über die Entscheidung der britischen Wähler, Europa zu verlassen“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). „Dennoch bleiben die Briten ein Partner für uns. Dabei denke ich besonders an unsere Partnerstadt Birmingham. Ich hoffe, dass der schwierige Übergang gelingt ohne ein wirtschaftliches Erdbeben.“ Feldmann sei überzeugt, dass Frankfurt die neuen Herausforderungen mit Ruhe und Gelassenheit bewältigen werde. „Aber unter diesen Umständen muss die Entscheidung der Börse und ihres Standortes weiter diskutiert werden. Ich bin gespannt, wie sich das Land Hessen im Genehmigungsverfahren verhalten wird“, sagte er in Bezug auf eine mögliche Börsenfusion.
24. Juni 2016
wch
 
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Leser-Kommentare

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Ralph Lange am 27.6.2016, 15:05 Uhr:
Frankfurt ist auf große Ansiedlung von Banken schlecht vorbereitet. Die Stadt muss endlich ihre Hausaufgaben machen und den U-Bahnbau, Ringstraßen, Schnellradwege und viel mehr Raum für privaten Wohnungsbau vorantreiben. Dann klappt es auch trotz Brexit.
 
Uwe Looschen (GastronomieRheinMainde) am 24.6.2016, 13:27 Uhr:
Schon viele Jahre war erkennbar, dass irgendwann jemand aus der EU austritt. Denn es wurde versäumt, sowohl eine Fiskalunion sowie Sozialunion mit gleichen Standards wie beim EURO zu bilden. Es ist eine große Schieflage entstanden. Daher auch vermehrt die Stärke von rechten Parteien EU-weit. Die EU hat sich hauptsächlich mit Wirtschaft beschäftigt. Weiterhin hat die EU es versäumt, den EU-Bürgern zu erklären, was der Sinn der Gemeinschaft ist. Und in Brüssel wurde so vieles reguliert, was oftmals übertrieben war und vor-Ort hätte besser reguliert werden können. Was hat die EU denn bisher für die EU-Bürger erreicht, außer eine Art Freihandelszone und den EURO?
Viele EU-Bürger machen sich auch Sorgen, wer denn für die Staatsanleihkäufe der EZB bezahlen muß! Irgendwann wird allen EU-Bürgern die Rechnung präsentiert.

Ich sehe den BREXIT nicht als Beinbruch. Vielleicht ist diese Entscheidung für die EU-Bürokraten heilsam und es wird gemerkt, dass der Bürgerwille zu respektieren ist. Wenn jetzt ein Wandel bei den Politikern entsteht, dann hat die EU eine Zukunftschance. Wenn nicht - und das befürchte ich - folgen weitere Staaten mit einem Referendum. Gewinnt die FN nächstes Jahr in Frankreich, dann wird es das nächste Land sein, was eine Abstimmung durchführt.
Wir Bürger sollten jetzt sehr genau zuhören, was uns die Politiker erzählen.
 
 
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