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Foto: red
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Zukunft Städtische Bühnen

Die große Frage am Willy-Brandt-Platz

Abriss und ein Neubau am Osthafen oder doch der Erhalt der Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz? Wenn es um die Zukunft der Städtischen Bühnen geht, gehen die Meinungen auseinander. Am Montagabend fand der Auftakt einer neuen Veranstaltungsreihe statt.
Aus Altem Neues entstehen lassen ist eigentlich etwas, was wir zumeist mit Alltagsgegenständen verbinden, wenn ausrangierte Möbel oder alte Kleidungsstücke wiederverwertet werden. Was heutzutage als Upcycling bezeichnet wird, kann genauso gut auch für Gebäude funktionieren – zumindest, wenn es nach Architekt und Professor Claus Anderhalten geht. Gemeinsam mit Baudezernent Jan Schneider (CDU) und den beiden Architektinnen Astrid Wuttke und Maren Harnack läutete er am gestrigen Montag die neue Veranstaltungsreihe zur Zukunft der Städtischen Bühnen ein. Das Thema und die Frage der Auftaktveranstaltung: Soll die „Kulturikone“ am Willy-Brandt-Platz weitergebaut werden?

Die Zukunft der Städtischen Bühnen in Frankfurt ist viel diskutiert, bleibt nach wie vor aber ungewiss. Während seitens der Römerkoalition aus Kostengründen ein Abriss und Neubau an anderer Stelle favorisiert wird, setzen sich andere Partien, wie etwa die Initiative Zukunft Städtische Bühnen Frankfurt, für den Erhalt der Doppelanlage ein. Erst kürzlich ließ der Verband Deutscher Kunsthistoriker den Theaterdoppelkomplex auf die sogenannte „Rote Liste“ setzen und forderte in einem offenen Brief an die Stadt Frankfurt den Erhalt der denkmalgeschützten Teile.

„Man verbindet Altes mit Neuem und versucht dabei, möglichst viel zu erhalten“, sagte Anderhalten am Montagabend. Der Berliner Architekt, der an der Kasseler Universität das Fach Entwerfen im Bestand unterrichtet, verwies dabei auf bereits erfolgreich realisierte Projekte wie das Naturkundemuseum in Berlin-Mitte oder die Technische Hochschule in Wildau, die in einer ehemaligen Maschinenfabrik realisiert werden konnte. Ein solches Vorgehen sei auch hier in Frankfurt denkbar, so Anderhalten. Die Anlage sei bereits mehrfach weitergebaut worden und infolgedessen ein Konglomerat aus mehreren Modulen wie dem Foyer, dem Magazin und dem Jugendstilbau. Sie sei dementsprechend prädestiniert dafür, einzelne Teile zu erhalten, diese zu ergänzen und neu zu interpretieren. Hier gelte es zunächst, jedes dieser Module im Einzelnen zu betrachten um zu entscheiden, was erhaltenswert sei. Das Wolkenfoyer, so Anderhalten, sei eine „Ikone der Moderne“, die definitiv schützenswert sei. Er könne sich sogar eine Realisierung vorstellen, bei der die Oper an anderer Stelle aufgebaut, das Wolkenfoyer jedoch alleine erhalten und freigestellt werden würde.

Interimsflächen im Grüneburgpark möglich

Auch die Frankfurter Architektin Astrid Wuttke sprach sich für den Erhalt der Doppelanlage aus. Klar sei, dass man Interimsflächen benötige, da man nicht im laufenden Betrieb weiterbauen und sanieren könne. Diese könnten in Frankfurt – analog zu einem Genfer Konzept – laut Wuttke unter anderem an die Wallanlagen oder den Opernplatz, vis-a-vis zur Alten Oper, wandern. Eine „Oper im Grünen“ wäre im Grüneburgpark denkbar, darüber hinaus stehe das Projekt „Kulturcampus“ noch aus. Dort angesiedelt könnten sich beide Projekte, der Campus und die Interimsfläche von Schauspiel und Oper, gegenseitig fördern. „Es geht um die Frage ‚Wie will Frankfurt 2030 auftreten?‘“, sagte Wuttke und verwies dabei auch auf die aktuelle Corona-Krise. Eine Auslagerung von Schauspiel und Oper aus der Innenstadt sei das falsche Signal an die Kultur, die ohnehin schon sehr unter der aktuellen Situation leide.

Festhalten am Osthafen

Er verstehe alle, die an dem aktuellen Platz hängen, sagte Baudezernent Jan Schneider; vor allem im Hinblick auf die Zentralität des Ortes. Auch er sei per se kein „Gegner“ des Willy-Brandt-Platzes, befürworte jedoch klar den Neubau am Osthafen oder im Hafenpark-Quartier – einem Quartier, das sich laut Schneider „so dynamisch“ weiterentwickele wie kein anderes Gebiet in Frankfurt. „Wir müssen das Quartier neu betrachten. Dort entstehen Wohnungen für tausende Menschen, Hafenpark und Weseler Werft sind Knotenpunkte. Frankfurt wächst. Ein Kilometer Luftlinie sollte da nicht das Problem sein.“

Einen Vorteil an diesem Standort sehe er vor allem darin, dass es keine Interimsflächen benötige, da der Betrieb am Willy-Brandt-Platz noch bis zuletzt vor Ort weiterlaufen könne. „Wir gestalten dort nicht einfach ein Haus, sondern ein Gebäude für rund 1100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagte Schneider. Dementsprechend müsse man vordergründig vor allem dahingehend entscheiden, was für die Beschäftigten eine zukunftsfähige Spielstätte darstelle.

„Es geht darum, das zu behalten, was wichtig ist“, sagte Wuttke zum Abschluss der Veranstaltung und traf damit womöglich einen der wenigen Übereinstimmungspunkte unter den Beteiligten. Zu klären bleibt nun jedoch noch, was dieses „was“ ist.

>> Weitere Termine der Veranstaltungsreihe sind für den 4. und den 16. Dezember sowie für Anfang 2021 vorgesehen.
 
24. November 2020, 13.21 Uhr
Sina Eichhorn
 
Sina Eichhorn
Jahrgang 1994, Studium der Germanistik an der Justus-Liebig-Universität Gießen, seit Oktober 2018 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Sina Eichhorn >>
 
 
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