Facebook
|
Twitter
|
RSS
|
eMags Kontakt
|
Mediadaten
|
Impressum
Kultur
Startseite Alle NachrichtenKultur
Stadtbaumeister und Künstler Madern Gerthener
 

Stadtbaumeister und Künstler Madern Gerthener

0

Frankfurts wahrer Star-Architekt

Foto: Uwe Dettmar/ Inst. für Stadtgeschichte
Foto: Uwe Dettmar/ Inst. für Stadtgeschichte
Eschenheimer Turm, Römer, Dom - gleich mehrere Frankfurter Wahrzeichen verdanken ihr Aussehen dem Künstler Madern Gerthener. Zum 600-jährigen Domturm-Jubiläum sucht eine Studie die Frage zu beantworten: Wer war der Mann?
Wenn über die Frage lamentiert wird, ob nicht die immer gleichen Architekten über die gegenwärtige Stadtentwicklung entscheiden, hilft es, sich zurückzuversetzen in die Zeit des 14. Jahrhunderts. Damals bestimmte vor allem ein Mann das künftige Antlitz von Frankfurt am Main und seine Entscheidungen prägen das Stadtbild bis heute: Madern Gerthener. „Der einzige Frankfurt Künstler von überregionalem Rang, den Frankfurt je hatte“, sagt Gerhard Ringshausen über ihn. Sein Name dürfte dennoch nur Spezialisten der Kunstgeschichte geläufig sein. Ein bisschen soll sich das jetzt zum Domjubiläum ändern. Anfang Juni soll es gefeiert werden, gerade rechtzeitig vorher ist eine neue Studie zu dem, wie ihn der Autor nennt, „Architekt des Jahrtausends“ erschienen. Evelyn Brockhoff, Leiterin des Instituts für Stadtgeschichte und Herausgeberin des Buchs sagt über die Studie: "Da Gertheners Entwürfe die Entwicklung der Kunst im 15. Jahrhundert am Mittelrhein und den angrenzenden Kulturlandschaften prägten, handelt es sich um ein längst überfälliges Standardwerk."

Das Buch fußt auf einer Dissertation aus dem Jahre 1968 und sein Verfasser erzählt, dass er kurz nach seiner Emeritierung mit der Anfrage, sie noch einmal neu zu veröffentlichen, in seine wissenschaftlichen Anfänge zurückkatapultiert wurde. Aus einer anfänglich angedachten Digitalisierung, allenfalls einer behutsamen Anpassung der Arbeit, wie sie der Berliner Kunsthistoriker Christian Freigang anregte, wurde jedoch schnell mehr. „Um im Bilde zu bleiben: Ich habe keinen Stein auf dem anderen gelassen“, sagt Ringshausen, der sich in seiner weiteren wissenschaftlichen Karriere vor allem mit der Theologie befasste.

So liegt nun ein Werk vor, dass nicht nur die architektonischen und künstlerischen Hinterlassenschaften des 1365 in Frankfurt geborenen Gertheners genauestens beschreibt, sondern auch das Porträt eines Mannes ist, der es in wenigen Jahren schaffte, unter der Gunst der Stadtoberen, der Kurfürsten, Bischöfen und Patrizier zum Stadtbaumeister aufzusteigen - just in einer Zeit, in der Frankfurt prosperierte und sich der wachsende Wohlstand auch in großen Baumaßnahmen niederschlug. In seine Zeit fällt die Entscheidung, das Rathaus in die Häuser "Zum Goldenen Schwan" und "Zum Römer" umzuziehen – die deswegen aufwendig umgebaut werden müssen. Dadurch wird der Platz frei für einen repräsenativen Domturm – der Grundstein für den Westturm am 6. Juni 1415 gelegt wird.

Von 1395 bis zu seinem Tod im Jahre 1430 war Madern Gerthener als Stadtbaumeister für den Bau von Sankt Bartholomäus verantwortlich. Neben dem Domturm hinterließ er auch die Schaufassade der Liebfrauenkirche, den Eschenheimer Turm und den Chor von Sankt Leonhard. Auch die Sakristei des Speyerer Doms und einige Gebäude in Mainz und Heidelberg gehen auf ihn zurück. "Man muss sich sein Wirken wie das einer riesigen Bauunternehmung vorstellen", so Christian Freigang. Rechnungen zwischen Gerthener und seinen Auftraggebern kündeten auch davon, dass sich der Star-Architekt auch für kleinere Arbeiten nicht zu schade war – so erzählt Ringshausen von einem Schriftwechsel bezüglich einer Teilungsvereinbarung eines kleineren Gebäudes, wo sich der gelernte Steinmetz mit dem Einbau von neuen Türen befasst. "Das ist für einen Künstler seiner Zeit singulär." Das kunstgeschichtliche Buch geht auf die Architektur ein, aber auch eingehend auf die bildhauerischen Arbeiten, etwa die Epitaphien oder Wappenschilden im Torgewölbe des Nürnberger Hofs in Frankfurt.

>> Madern Gerthener
Frankfurts großer Architekt und Bildhauer der Spätgotik, von Gerhard Ringshausen erschienen bei Henrich Editionen, 528 Seiten, 34,80 Euro.
13. Mai 2015
nil
 
Nils Bremer
Jahrgang 1978, Politologe, insgesamt 14 Jahre beim Journal Frankfurt, von 2010 bis Juni 2018 als Chefredakteur. – Mehr von Nils Bremer >>
Mail schreiben
 
Empfehlen
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
Schreiben Sie den ersten Kommentar.
 
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Kultur
 
 
Lesung von Jörg-Uwe Albig
0
Ein Rittergut namens Zornfried
Der Schriftsteller Jörg-Uwe Halbig liest am kommenden Dienstag, den 28. Mai aus seinem neuesten Werk „Zornfried“. Die Lesung in der Ausstellungshalle1A wird von der Frankfurter Lyrikerin Julia Mantel moderiert. – Weiterlesen >>
Text: Christoph Schröder / Foto: Christina Zück
 
 
Ausstellung im Caricatura Museum
0
Hans Traxler und kein Ende
Das Caricatura-Museum zeigt mit der Ausstellung „Hans Traxler – Zum Neunzigsten“ die vierte Werkschau des Gründungsmitgliedes der „Neuen Frankfurter Schule“, das bis heute zeichnet, malt und schreibt. – Weiterlesen >>
Text: Moritz Post / Foto: Bernd Kammerer
 
 
Start des Nippon Connection-Festivals
0
Roboter, Pinguine und desillusionierte Samurais
Selbst für Vielseher ist das umfangreiche Programm des japanischen Filmfests „Nippon Connection“ mit über 100 Spiel-, Kurz-, Animations- und Dokumentarfilmen kaum zu bewältigen. Die 19. Auflage findet vom 28.5. bis 2.6. mit den bewährten Spielstätten statt. – Weiterlesen >>
Text: Gregor Ries / Foto: Penguin Highway. © KaZé
 
 
 
DekaBank und MMK verlängern Partnerschaft
0
50 000 Euro jährlich für die zeitgenössische Kunst
Die DekaBank und das Museum für Moderne Kunst verbindet bereits seit 17 Jahren eine enge Partnerschaft. Die Bank ist unter anderem Gründungspartnerin der MMK-Dependance im Taunusturm. Nun soll die Kooperation in Form einer jährlichen Fördersumme verlängert werden. – Weiterlesen >>
Text: Ronja Merkel / Foto: Journal Frankfurt
 
 
Nachlass von Fassbinder kommt nach Frankfurt
0
„70 Jahre alt und wir sehen gut aus“
Am Montag feierte das Deutsche Filminstitut und Filmmuseum (DFF) sein 70-jähriges Bestehen und eröffnete das neue DFF Fassbinder Center. Dort verwahrt das DFF von nun an den Nachlass von Rainer Werner Fassbinder. – Weiterlesen >>
Text: Julia Heßler / Foto: Rainer Werner Fassbinder mit Harry Baer mit Team bei Dreharbeiten 1971 // Foto: Peter-Gauhe
 
 
<<
<
1  2  3  4  ...  654