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Sondermann-Preisverleihung in der Brotfabrik
 

Sondermann-Preisverleihung in der Brotfabrik

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Komik ist harte Arbeit

Foto: Sondermann e.V.
Foto: Sondermann e.V.
Hans Traxler ist eine Ikone der komischen Kunst und Mitbegründer der Satirezeitschrift Titanic. Nun wird er mit dem Sondermann-Preis ausgezeichnet – ebenso wie Kathrin Fricke alias Coldmirror. Kurz: Es wird ein Fest.
Die Sondermann-Gala ist eine wahre Revue. Anders kann man es nicht sagen. Im vergangenen Jahr bekam dort Jan Böhmermann den Förderpreis, der Hauptpreis ging an Thomas Kapielski. Und dieses Jahr nun Hans Traxler und Kathrin Fricke. Frau Fricke ist im Internet besser bekannt unter ihrem Künstler-Alter-Ego Coldmirror, als das sie Werke zeitgenössischer Musik dem Hörensagen nach untertitelt. Das sieht dann zum Beispiel so aus:


Coldmirror kommt also wunderbarerweise am kommenden Samstag in die Brotfabrik und neben ihr und Traxler noch Hans "Biermösl" Well und seine Wellbappn mit bajuwarischer Livemucke, Patrick Bahners, Bernd Eilert, Martina Gerhardt, Hans Zippert und andere machen mit und Oliver Maria Schmitt moderiert.

Zunächst muss man vielleicht erklären, wer dieser Sondermann eigentlich ist, der dort oben so elegant wie ernst durch den blauen Himmel fliegt. Es ist vermutlich ein Frankfurter Himmel. Denn Sondermann ist eine Figur des hier geborenen und 2004 verstorbenen Comiczeichners Bernd Pfarr, einem Absolventen der Hochschule für Gestaltung in Offenbach.

Pfarr zeichnete hauptsächlich für die Titanic und das Magazin der Wochenzeitung Die Zeit und galt auf seinem Gebiet als ein herausragender Künstler. Robert Gernhardt wird mit den Worten zitiert, Pfarr habe „Sachen in Cartoons gebracht, die dort nichts verloren haben“.

Seine Sondermann-Figur wiederum ist angelehnt an den ersten Verleger der Titanic, Gerhard Sondermann. Der Kosmos der Pfarr-Figur, von Beruf Buchhalter und insgesamt eine eher unauffällige Erscheinung, hat seine eigenen Rituale und ist bevölkert von einer Reihe skurriler Darsteller. Die Sondermann-Fangemeinde ist nach wie vor groß; selbst die Punkband „Die Ärzte“ erwies Bernd Pfarr eine Referenz, die allerdings nicht jugendfrei ist und deswegen hier nicht weiter ausgeführt wird.

Seit dem Jahr 2004 wird der Sondermann-Preis für komische Kunst vergeben, der mit 5000 Euro der höchstdotierte Preis für komische Kunst im deutschen Sprachraum ist. Ein merkwürdiger Umstand, wenn man die Honorierungen anderer Preise bedenkt. Die Auszeichnung ist aufgeteilt in einen Haupt- und einen Newcomer-Preis. Zu den Gewinnern zählen unter anderem Greser & Lenz, Stephan Rürup, Eugen Egner und Michael Sowa. Und eben in diesem Jahr neben Coldmirror jener Hans Traxler, der für sein Lebenswerk geehrt wird und ohne Übertreibung als eine Ikone der komischen Kunst gelten kann.



Kann man sich beispielsweise vorstellen, sich den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl nicht als Birne vorzustellen? Das emblematische Bild von Kohl als Birne hat Traxler 1980 gemeinsam mit Pit Knorr erfunden. Das war aber nicht sein erster Streich. Kanonisiert ist mittlerweile sein Buch „Die Wahrheit über Hänsel und Gretel“, erschienen im Jahr 1963, in dem Traxler unter dem Anschein strenger Wissenschaftlichkeit das Grimm’sche Märchen satirisch auseinandernimmt. Das Buch, zunächst unter dem Pseudonym „Georg Ossegg“ erschienen, brachte Traxler eine Anzeige wegen Betrugs ein. So waren die Zeiten.

Traxler wurde 1929 in Böhmen geboren, kam 1951 nach Frankfurt und studierte an der Städelschule Malerei. Später lernte er Chlodwig Poth kennen, begann für die Pardon zu arbeiten und war 1979 Mitbegründer der Titanic. Er schreibt, zeichnet und malt, arbeitet für den Film und für das Theater, ist im Kinderbuchbereich erfolgreich und hatte eigene Serien im Zeit-Magazin und in der Süddeutschen Zeitung. Die Stadt Frankfurt ehrte ihn 2014 mit der Goetheplakette.

An Hans Traxler lässt sich nachvollziehen, dass gelungene Komik, die scheinbar so leicht daherkommt, harte Arbeit ist. „Wenn die Zeichnung gelungen ist“, so erzählte Traxler einmal über seinen Arbeitsprozess, „dann gibt es eigentlich nichts Schöneres. Aber es gibt auch die Stunden der Qual, wo man sagt: Du kannst nichts mehr, du hast es völlig verlernt, schau dir das doch mal an! Schämst du dich nicht? Das gibt’s auch. Aber am nächsten Tag geht’s dann wieder weiter.“ Im Mai ist Hans Traxler 88 Jahre alt geworden. Möge es trotzdem noch lange weitergehen.

>> Sondermann-Gala und Preisverleihung
Frankfurt, Brotfabrik, Bachmannstraße 2–4, 11.11., 20 Uhr, Eintritt: 19,– Karten unter www.journal-tickets.de
9. November 2017
tk/nil
 
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