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Rundgang Städelschule
 

Rundgang Städelschule

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Wie Alice im Wunderland

Foto: tm
Foto: tm
Wie Alice im Wunderland fühlt man sich in diesem Jahr beim Rundgang der Städelschule: Mal winzig, mal riesig. Anders dürfte es den Studierenden der Städelschule auch nicht gehen, sind sie doch noch im Werden begriffen.
Im Atrium wird man von einer 4,5 Meter hohen Pappmaché-Skulptur begrüßt. Der Mann trägt ein Hemd mit dem Label des Kunstgutlogistikers "hasenkamp" und raucht eine Zigarette. "Päusschen" ist von Max Eulitz und lässt erst einmal schmunzeln. Ganz schön selbstreferentiell, dieser Kunstbetrieb. Und Humor scheint er auch zu besitzen. Auch wenn es derzeit sehr feierlich in der Städelschule hergeht, denn sie feiert 200. Jubiläum. Die weltweit renommierte und einflussreiche Institution für künstlerische Lehre und Diskurse veranstaltet vom 1. bis zum 5. Juni ihren alljährlichen Rundgang, die Jahresausstellung der Studierenden.

Der Rundgang geht aus diesem Grund auch länger als üblich. Die Arbeiten werden in den zwei Hauptgebäuden der Städelschule gezeigt, der Dürerstraße und Daimlerstraße. Die Studierenden des Studiengangs Curatorial Studies haben ein Programm von Vorträgen und Gesprächen zusammengestellt, die in der Aula des Hauptgebäudes stattfinden werden. Videokünstler und Filmemacher zeigen ihre Produktionen im Deutschen Filmmuseum und die Architekturklasse stellt in ihren Klassenräumen aus. Insgesamt stellen ca. 190 Studierenden aus.




Max Eulitz: "Päusschen", 2017

Spannung in der Dialektik
Da 70 Prozent der Studierenden aus dem Ausland kommen, möchte man auch im Lehrkörper eine gewisse Internationalität darstellen und den Diskurs nicht nur europazentriert oder im US-amerikanischen Zusammenhang führen. Deswegen freue man sich jetzt umso mehr, dass man auch die koreanische Künstlerin Haegue Yang als Professorin gewinnen konnte, so Prorektorin Judith Hopf. "Wir wollen globale Fragen in der Professorenschaft widerspiegeln", sagt sie. Der Lehrende Willem de Rooij ergänzt: "Die Positionen der Professoren sollen so unterschiedlich wie möglich sein, um möglichst viel Spannung in der Dialektik zu erzeugen. Wir wollen kontrovers sein."

"Wir produzieren keine Künstler"
Dazu, dass nun Anne Imhof auf der 57. Kunstbiennale in Venedig den Goldenen Löwen für den Deutschen Pavillon bekommen hätte, sagen die Lehrenden, dass die Studierenden die ehemaligen Absolventen ganz genau im Blick hätten. "Diesen Dschungel da draußen haben wir nicht geschaffen", so Hopf. "Wir können lediglich versuchen eine Verbindung zur Außenwelt herzustellen." Eine Autorenschaft für die Arbeit der Studierenden wollen die Lehrenden aber nicht übernehmen. "Wir produzieren keine Künstler. Die Studierenden, die hier ankommen, sind bereits Künstler", sagt de Rooij.




Lennart Constant

Lennart Constant zeigt Reproduktionen aus seinem Notizbuch. Die Zeichnungen hat er um ein Vielfaches vergrößert und den schnellen, kritzelnden Prozess der Notizbuchzeichnung in einen langwierigen Malprozess umgewandelt, bei dem er die Farbe mit dem Pinsel punktuell aufträgt. Motiv sind immer die fiktiven Charaktere "Eis" und "Palme", die seine Auseinandersetzung mit Performance und Schauspielerei zeigen. Immer wieder begegnet man beim Rundgang kleineren Arbeiten auf dem Boden. Die Arbeit von Ryan Karlsson (Aufmacherbild) trägt den Titel "Small painter with medium sized commissioned paintings and a big student loan" stellt wieder eine Selbstironie der Studierenden unter Beweis.

Ernster wird es da bei Nadia Perlov, auch wenn es auf den ersten Blick so nicht scheint. In ihrer filmischen Arbeit sieht man sie in einem pastellfarbenen Anzug durch ein leeres Büro tanzen und Orangen in Regale legen. Dabei preist sie diese Orangen in einem fast schon predigenden Ton an und man denkt unweigerlich an eine Dauerwerbesendung. Diese Ästhetik wird lediglich immer wieder von ihrem grotesken Verhalten gebrochen. Sie spricht und singt auf Hebräisch. Dabei ist der Hintergrund ihrer Arbeit sehr politisch und bezieht sich auf eine britische Kolonie in Palästina Anfang des 20. Jahrhunderts. Araber und Juden arbeitete und lebten zusammen und kooperierten auf den Orangenplantagen. Man wollte den "Goldenen Apfel" nach Europa exportieren als Zeichen von Modernität und Qualität. Doch nach 1948 ging die Erinnerung an die Zusammenarbeit und Gleichheit verloren.

>> Eine Anmeldung für die Führungen kann man unter folgendem Link durchführen: doodle.com/poll/nm7tbbxbbi3t64c4, per E-Mail: fuehrungen@staedelschule.de oder telefonisch: 069 60500 834 (Montag bis Freitag: 11 - 17 Uhr).

>> Donnerstag, 1. Juni 2017: Feierliche Eröffnung mit Preisverleihung: 18 Uhr, Mensa, Dürerstraße 10.
 
31. Mai 2017, 18.06 Uhr
Tamara Marszalkowski
 
Tamara Marszalkowski
Theaterredakteurin. Jahrgang 1987, Studium der Kunstgeschichte, Ethnologie und Pädagogik in Frankfurt, seit 2015 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Tamara Marszalkowski >>
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