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Rainer Michel stellt „Fin de Siglo“ vor
 

Rainer Michel stellt „Fin de Siglo“ vor

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Ode an die Sehnsucht

Foto: Detlef Kinsler
Foto: Detlef Kinsler
Als Filmkomponist werkelte Rainer Michel meist im Verborgenen, kreierte seine Songs und Soundcollagen im Studio. Sogar im „Tatort“ waren die schon zu hören. Nicht nur mit dem „Bridges“-Projekt sieht man den Frankfurter jetzt auch live.
Der 29. April des Jahres war so ganz nach dem Geschmack von Rainer Michel. Denn da wurden er und sein Kollege Peter Klohmann beim schon dritten, ausverkauften hr-Sendesaal-Konzert des „Bridges – Musik verbindet“-Projektes für ihre eigens für den Abend geschriebene Orchesterkompositionen gefeiert. Auch Dirigent Gregor A. Mayrhofer, der erste Stipendiat des neuen Sir Simon Rattle-Stipendiums und somit zuletzt Sir Simon Rattles Assistent bei den Berliner Philharmonikern, war voll des Lobes für die außergewöhnlichen Partituren.

Wer einmal im Laden von Michel und seiner Frau Pei Li, dem „Korridor“ in der Sachsenhäuser Schulstraße war, wo die Chinesin nicht nur ihre Bilder, sondern auch selbst geschneiderte Kleider nebst Accessoires anbietet und ihr Mann auch Gitarrenunterricht gibt, hat einen kleinen Einblick in der Welt des studierten Musikers bekommen. Viele exotische Instrumente stehen und hängen hier herum, die türkische Saz, die madagassische Zither Valiha, das südostasiatische Bambus-Idiophon Angklung, mehr noch ein Böhmat, eine Ur-Drummachine und Beiwerk der Sechzigerjahre-Orgel von Dr. Böhm und der selbst gebauten Geigenbaum.

Kein Wunder also, dass ein Stück für „Bridges“ zu schreiben für ihn paradiesischen Zuständen nahekam. Auch dank eines Füllhorns an klassischen wie exotischen Instrumenten, darunter die mongolische Pferdekopfgeige Morin chuur, die afghanische Laute Rubab oder das persische Hackbrett Santur. Ein Klangfarbenreichtum, der einem großen „Spielkind“ wie dem Frankfurter in die Karten, hier Noten spielt. Mit „Fin de Siglo“ hat Rainer Michel endlich ein Album fertiggestellt.

„Während meiner Tätigkeit als Filmkomponist und den damit verbundenen musikalischen Grenzen wuchs in mir der Wunsch ein Album zu produzieren ohne eine Filmvorgabe, aber mit vielen Bildern im Kopf“, erklärt er die Ausgangsidee für die Produktion. „Die Idee war zu versuchen, musikalisch heraus zu finden wie der morbide emotionale Charme von alten Schwarzweiß-Filmen, altem Blechspielzeug, Fotos, schemenhaften Erinnerungen wohl klingen mag? Fast alle Stücke haben einen Bezug zu Orten wo ich mal war, oder zu Dingen bei denen ich sofort wehmütig werde, Jim Knopf zum Beispiel, den Citroën DS 21 oder Zambujeira in Portugal. Die CD ist sozusagen eine musikalische Ode an die Sehnsucht oder Wehmut und das damit verbundene Gefühl.“

Auch wenn Michel als Multiinstrumentalist, der sogar eine Kaffeemaschine als Instrument virtuos beherrscht, früher im Studio vieles im Alleingang gestaltete, für die CD-Live-Präsentation am Samstag, 19:30 Uhr in der Ausstellungshalle Kunst in der Schulstraße 1a, hat er sein Korridor Ensemble zusammengetrommelt, bei dem u.a. Veronika Todorova (Akkordeon), Matthias Dörsam (Klarinette, Querflöte, Saxophon), Raphael Zweifel (Cello), Gregor Praml (Kontrabass), Lei Cheng (Violine), Tianshu Jin (Violine, Viola) und Karina Japarova (Violine) neben Michel (Gitarre, Böhmat) musizieren. Überraschungs-Gäste aus dem Frankfurter Bridges Orchester werden sicher auch noch vorbeischauen. Der Abend verspricht jedenfalls ein echtes Abenteuer zu werden.
 
28. Juni 2018, 10.20 Uhr
Detlef Kinsler
 
Detlef Kinsler
Weil sein Hobby schon früh zum Beruf wurde, ist Fotografieren eine weitere Leidenschaft des Journal-Frankfurt-Musikredakteurs, der außerdem regelmäßig über Frauenfußball schreibt. – Mehr von Detlef Kinsler >>
 
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