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Peter Doherty in der Batschkapp
 

Peter Doherty in der Batschkapp

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Wenn Mikrofonständer fliegen lernen

Foto: tm
Foto: tm
Je später der Abend, desto weniger die Gäste. Bei Peter Doherty war am Montag in der Batschkapp weniger "Fuck forever" als viel mehr "Wait forever" angesagt. Einige Fans bekamen den Rocker nicht mehr zu sehen. Eine Chronik des Wartens.
20 Uhr: Der Support-Musiker Sion Hill tritt auf. Sieht bisschen aus wie Elvis.

21 Uhr: Das Banjo wird gestimmt. Mittvierziger liegen sich in den Armen. Es wird geknutscht.

21.10 Uhr: Die Gitarren werden ein zweites Mal gestimmt. Leute fangen an zu lästern. Es wird gejohlt und gepfiffen. Manche klatschen, um Peter Doherty aus seinem Versteck zu locken.

21.29 Uhr: "Tschüss!" sagt Jack Jones zur Begrüßung. Man denkt von weitem es sei Peter Doherty - doch eigentlich sieht er viel zu gesund aus, um Doherty zu sein. Es folgen ein paar Lieder und Gedichte. Jones ist Gitarrist bei Doherty. Das Publikum pöbelt, es will Peter. Jones ruft ihn auf dem Handy an. Überraschenderweise geht Doherty ran. Jones hält das Smartphone ans Mikro. Doherty klingt vergnügt. Aber wo er ist, geschweige denn, ob er noch gedenke zu kommen, wird aus dem Gespräch nicht ersichtlich.

21.53 Uhr: Peter Doherty ist immer noch nicht da. Die Roadies spielen nun gemeinsam mit Jack Jones einen Song. Endlich laute Musik!

21.59 Uhr: Es wird wieder einmal auf der Bühne umgebaut. Süß!

22.22 Uhr: Das Licht wird gedämmt. Die Menge raunt.

22.26 Uhr: Nerven liegen blank: Zwei Mädchen stehen völlig aufgelöst vor dem Eingang der Batschkapp. Schon zwei Mal seien sie auf Konzerten gewesen und bisher hätten sie den Rockstar noch nie gesehen.

22.32 Uhr: Die ersten Bierbecher fliegen auf die Bühne. Amy Winehouse wird von Band gespielt.

22.40 Uhr: Roadies stellen offene Getränke auf die Bühne. Stimmung draußen: "Das Geld holen wir uns wieder!"

22.45 Uhr: Pfeif- und Buh-Konzerte. "Sein letztes Album fand ich voll gut. Sie hätten es zumindest vom Band spielen können!"

22.52 Uhr: Security geleitet pöbelnden Fan nach draußen. Siegesgestus in die schrumpfende Menge hinein vonseiten des Bierwerfers.

22.57 Uhr: Der Bass wird zum dritten Mal gestimmt.

23 Uhr: Roadie guckt auf die Uhr. Jemand schreit "Anfangen!". Er wird von Anderen ausgelacht.

23.07 Uhr: An der U-Bahn-Haltestelle erzählt ein Pärchen, es sei extra aus Heidelberg angereist. Müsse jetzt den letzten Zug erwischen.

23.21 Uhr: Pärchen erzählt, jemand hätte getwittert, dass Doherty nun auf der Bühne steht. Zu diesem Zeitpunkt hat Doherty bereits einen Mikrofonständer in die Menge geworfen.

23.28 Uhr: Doherty will der Frau mit dem Tamburin ihr Musikinstrument wegnehmen. Sie schaut ihn böse an und lässt das Tamburin nicht los.



23.32 Uhr: Doherty wirft seine E-Gitarre nach hinten in den Bühnenraum. Roadie fängt sie mit überraschtem, leicht erschrockenem Gesichtsausdruck auf.

23.40 Uhr: Immer wieder "Fuck you"-Rufe aus dem Publikum.



0 Uhr: Doherty fängt an, die auf die Bühne fliegenden Bierbecher zurück ins Publikum zu kicken. Beschimpft es.

An dieser Stelle gehen einige Fans, Reporterin miteingeschlossen.
 
22. Februar 2017, 11.55 Uhr
Tamara Marszalkowski
 
Tamara Marszalkowski
Theaterredakteurin. Jahrgang 1987, Studium der Kunstgeschichte, Ethnologie und Pädagogik in Frankfurt, seit 2015 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Tamara Marszalkowski >>
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