Facebook
|
Twitter
|
RSS
|
eMags Kontakt
|
Mediadaten
|
Impressum
Kultur
 

Musik im Bett

0

Frankfurt als Stiefmutter der Livemusik

Im Musikclub "Das Bett" diskutierten fast alle Frankfurter Konzertveranstalter miteinander. Und mussten sich fragen lassen, ob sie genug für die Livemusikszene in Frankfurt tun. Die Antworten waren widersprüchlich.
Der Medienmittwoch versammelt stets eine Szene aus Werbern, PR-Leuten und Journalisten, unter anderem an Orten wie der IHK Frankfurt. Diesmal war alles etwas anders. Denn im Musikclub "Das Bett" wollte bei Jever-Pils aus der Flasche und rötlichem Scheinwerferlicht gar nicht erst steife Stimmung aufkommen. Das Podium eine Bühne, und auf der machten sich alsbald breit: Frank Diedrich, Betreiber des Betts, und im Folgenden Kritiker der Förderpolitik der Stadt Frankfurt. Ralf Scheffler, Frankfodder Schnodderschnauze, Batschkapp-Scheff und Irgendwie-alles-Subber-Finder. Detlef Kinsler, Musikredakteur beim JOURNAL FRANKFURT, der manchen Bands ein bisschen mehr Eigeninitiative riet. Dirk Eisermann von Shooter Promotions, der sich gleich ein ganzes Livemusik-Festival wünschte, auf dass die hiesige Szene daran genese. Booker Markus Gardian verwehrte sich gegen die, unter anderem von Frank Diedrich aufgestellte Behauptung, der Mousonturm grabe mit seiner städtischen Alimentierung den kleinen, privaten Clubs das Wasser ab in Sachen Konzerte. Ioannis Panagopoulos von Wizard Promotions sprach gerne von den Medienstädten, zu denen Frankfurt nicht zähle, dafür aber Hamburg, Köln oder Berlin, weswegen die jungen hippen Bands auch lieber erstmal dort Station machten. Und schließlich, als Moderator, Christian Arndt, Pressesprecher beim Verband unabhängiger Musikunternehmen.

Uff, volles Podium. Eigentlich waren die Meinungen aber einhellig. Fazit: Frankfurt ist besser als sein Ruf, hat mit einem Hessischen Rundfunk zu kämpfen, der sich oft genug ziert (weswegen kurz die Idee eines neuen Piratensenders durch den Raum waberte, der nicht sooo speziell wie Radio X agiere). Frankfurt hat eine Förderstruktur, die junge Bands nicht unbedingt hält, aber zugleich auch zuwenig Labels und anderen Schnickschnack. Ob das ein Standortnachteil ist, darüber gingen die Meinungen auseinander. Detlef Kinsler argumentierte, dass es durchaus eine gewachsene Musikszene gebe, die angesichts zunehmend virtueller Arbeitsweisen in der Industrie gar nicht mehr darauf angewiesen seien, neben einem großen Label zu residieren. Und Ralf Scheffler meinte, in Frankfurt funktioniere Live-Musik schon seit 20, seit 30 Jahren wunderbar - klar, es mache mal hier ein Club zu, und dort ein anderer auf, aber das sei in der Gastronomie in viel höherem Takt doch genauso. "Man kann hier in Frankfurt gut arbeiten." Scheffler war es auch, der die Alimentierungswünsche durch die Kulturförderung am deutlichsten ablehnte. "Popmusik und staatliche Förderung sind ein Widerspruch in sich", sagte er.

Nach der Diskussion spielten der Sachsenhäuser Sänger Franz Fisher auf (Foto), und Alison Degbe, die aus München angereist war, was ja auch irgendwie ein Statement zur Frankfurter Musikszene ist. Das Publikum hatte da aber schon fast fluchtartig das Bett verlassen, zog vor der Tür noch ne Kippe danach durch und ging seiner Wege. Hoffentlich mit dem Gedanken im Kopf, öfter mal wiederzukommen, ins Bett oder anderswohin in Frankfurt, um Live-Musik zu hören. Denn das ist wahrscheinlich das beste Rezept, die hiesige Musik- und Club-Szene zu fördern: Konzerte besuchen.
11. März 2011
Nils Bremer
 
Empfehlen
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
Schreiben Sie den ersten Kommentar.
 
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Kultur
 
 
Das Caricatura Museum darf sich über neue Originale für die Sammlung freuen. Der bekannte Comiczeichner Ralf König schenkte dem Museum sechs Bildergeschichten. – Weiterlesen >>
Text: nic / Foto: © Bernd Kammerer
 
 
Cabaret im English Theatre
0
Liebe und Schmerz in politischen Zeiten
„Willkommen, Bienvenue, Welcome“ - Mit Cabaret bringt das English Theatre eines der bekanntesten Musicals weltweit auf die Bühne. In der mehr als zweistündigen Show ist alles dabei: Gute Musik, starke Darsteller und eine Inszenierung, die aktueller ist denn je. – Weiterlesen >>
Text: Nicole Nadine Seliger / Foto: © Martin Kaufhold
 
 
Taskete im Nachtleben
0
Alternative Riffigkeiten
Gerade erst gab Aren Emirze akustisch als Emirsian den Singer/Songwriter. Bevor er im Frühjahr mit Chima als deutschsprachige Antwort auf Simon & Garfunkel überraschen wird, lässt er mit Taskete seine Noise-Vergangenheit wieder aufleben. – Weiterlesen >>
Text: Detlef Kinsler / Foto: Taskete
 
 
 
Neue alte Location in Darmstadt
0
Aus „603 qm“ wird „806 qm“
Am 10. November eröffnet die Eventlocation „806 qm“ in Darmstadt. Der Vorgänger „603 qm" musste 2011 schließen, doch die neue Location bleibt dem alten Konzept nicht nur treu, sondern hat die Nutzungsfläche auch erweitert. – Weiterlesen >>
Text: kal / Foto: kal
 
 
Frauenpower im Frankfurt Lab
0
„Ein Ort für Austausch und Begegnung“
Das Frankfurt Lab wird seit kurzem von gleich zwei Frauen geleitet: Hanna Knell und Hanke Wilsmann haben im Oktober die Führung des künstlerischen Labors übernommen. Ein Gespräch über Inhalte, Pläne und Visionen. – Weiterlesen >>
Text: Tamara Marszalkowski / Foto: tm
 
 
<<
<
1  2  3  4  ...  632 

Twitter Activity