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Lichter-Filmfest International
 
Lichter-Filmfest International
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Das Fenster zur Stadt
Zum sechsten Mal findet das Lichter-Filmfest in Frankfurt statt, größer und breit gefächerter denn je. Ein Highlight im Programm ist der Dokumentarfilm „Geboren in Offenbach“ von Angela Freiberg und Nina Werth.
Geboren in Frankfurt und mittlerweile schon sechs Jahre alt: Das Lichter-Filmfest Frankfurt International, wie es inzwischen heißt (die „Filmtage“ sind Geschichte), hat nicht nur Laufen gelernt, sondern steht auf festen Füßen. Das war nicht immer so; mehrfach drohte dem Festival trotz seines guten Rufes, der sich mittlerweile auch über die Grenzen der Region hinaus herumgesprochen hat, das Aus. Wohlgemerkt: das finanzielle Aus, nicht das kreative. Doch mit verlässlichen Partnern wie dem Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main, der Stadt Frankfurt, der Hessischen Film- und der Frankfurter Wirtschaftsförderung leuchten die Lichter im Jahre 2013 heller denn je … womit wir die Illuminations-Metaphern dann auch ein für allemal abgeschlossen hätten.

„Stadt“ lautet das übergeordnete Thema des aktuellen Filmfest-Jahrgangs. Kaff, City, Metropole, Moloch – wie immer man auch will. Frankfurt hat von allem ein bisschen. Oder wie es die Filmemacherin Nina Werth (im Foto links) ausdrückt: „In Frankfurt kann man mit dem Rad problemlos von links nach rechts durch die Stadt fahren. So ähnlich ist es bei der hiesigen Filmwirtschaft.“ Soll heißen: Hier geht es noch relativ überschaubar zu. Auch in der lokalen Filmbranche: „Wir sind ja eher eine kleine Community. Man kennt sich, unterstützt sich und hilft sich gegenseitig.“ Dazu trägt Lichter zu einem nicht unwesentlichen Anteil bei. Der angestrebte Spagat, sowohl „regional“ wie auch „international“ zu agieren, mutet zwar wie ein Widerspruch an. Doch das bewährte Kompetenzteam um – nun gut, einmal noch – Ober-Beleuchter Gregor Maria Schubert hat besonders in diesem Jahr ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt, das dem angestrebten Konzept Rechnung trägt, eine „Plattform für spannende Filme aus aller Welt“ zu sein, „die gleichzeitig der wachsenden Vernetzung der Region und der hohen Diversität des Weltkinos Rechnung trägt“.

Der Film, den Nina Werth gemeinsam mit ihrer Regie-Kollegin Angela Freiberg im Lichter-Wettbewerb vorstellt, könnte das aktuelle Festival-Thema gar nicht besser akzentuieren: Okay, „Geboren in Offenbach“ klingt als Titel jetzt nicht unbedingt nach dem Duft kosmopolitischer Weite. Doch dahinter verbirgt sich ein kleiner, feiner Dokumentarfilm, rund 60 Stunden Material in übersichtlichen 76 Minuten zusammengefasst: die Langzeitstudie über drei im Nachbardorf OF beheimatete Schwestern, deren Eltern in den 1960er-Jahren aus dem Kosovo nach Deutschland auswanderten. Diese sind, wenn der Film 2008 einsetzt, allerdings schon verstorben, so dass sich Nagije (19), Nazmi (20) und Bege (21) plötzlich alleine in der elterlichen Hochhauswohnung wieder finden. Eine ungewohnte Situation für die toughen Fräuleins, die sich anfänglich noch einreden, dass sie nichts auseinander bringen kann. Aber es kommt anders im Laufe der fünf Jahre, die Werth und Freiberg ihre Protagonistinnen mit der Kamera begleitet haben: Zwischenzeitliche Beziehungen zu Männern nicht albanischer Herkunft sorgen für innerfamiliäre Spannungen, die „Blitz-Heirat“ der Jüngsten stößt bei ihren älteren Schwestern auf Ablehnung, gegenseitige Kontakte werden gekappt. Am Ende, 2012, sitzen Nazmi und Bege alleine da, in der jeweils eigenen Wohnung, mit ungewissen Zukunftsperspektiven.

„Geboren in Offenbach“ ist nicht nur eine geduldige, mit großem Gefühl und sensibler Beobachtungsgabe eingefangene Stadt-Doku, er ist vor allem eine vielschichtige Reflexion des Begriffes „Heimat“ in seinen weit reichenden Facetten – national, kulturell, mental –, der gerade in unserer deutschen Alltagsrealität nicht immer so einfach zu greifen ist. Um das viel bemühte Wort vom „Migrations-hintergrund“ zu vermeiden, wählt Nina Werth die Umschreibung „andere Identitätswurzeln“, und Angela Freiberg spricht von „einer großen deutschen Ursuppe aus verschiedenen Kulturen“ – zu der eben auch ihre drei porträtierten jungen Frauen zählen: „Das sind Deutsche wie wir. Die gehören zu uns.“

Dieser Text zu "Geboren in Offenbach" ist eine gekürzte Fassung. Die komplette Version finden Sie im aktuellen Journal Frankfurt, Ausgabe 7/2013.
18. März 2013
Andreas Dosch
 
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