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Leiter des Literaturhauses Hauke Hückstädt
 

Leiter des Literaturhauses Hauke Hückstädt

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Frontalangriff aufs Literaturreferat der Stadt

Foto: Harald Schröder
Foto: Harald Schröder
Der Leiter des Literaturhauses, Hauke Hückstädt, hat in einem offenen Brief an den Kulturdezernenten kritisiert, dass die Stadt zunehmend selbst als Veranstalter auftrete. Die Replik kam postwendend.
Der Ton von Herrn Hückstädt ist eindeutig: "Das Referat für Literatur der Stadt Frankfurt, die Überzahl der Projekte und Ambitionen, die von dort zunehmend ausgehen, schwächen die Entwicklung des Literaturhauses wie auch die anderer Podien für Literatur", schreibt der Leiter des Literaturhauses in einem offenen Brief, den die FAZ am Dienstag veröffentlicht hat.

Im Kulturdezernat war zumindest der Inhalt dieses Briefes schon bekannt. Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) sagt, Hauke Hückstädt habe ihm den Text vor zwei Wochen bei einem Treffen in seinem Büro vorgelesen. Gefolgt sei ein langes Gespräch. "Dieses Gespräch wollten wir fortsetzen", so Herr Semmelroth. Dass es nun in aller Öffentlichkeit fortgesetzt würde, sei nicht weiter schlimm. "Ich bin der letzte, der sich einer Diskussion darüber nicht stellen würde."

Hauke Hückstädt bemängelt, dass das Literaturreferat der Stadt unter seiner Leiterin Sonja Vandenrath zunehmend selbst als Veranstalter auftrete. Tatsächlich hat die Stadt etliche Reihen wie Open Books, die Frankfurter Premieren oder das Literaturm-Festival etabliert – aus einem, wie Felix Semmelroth anmerkt, vergleichsweise kleinen Etat von 60.000 Euro heraus. Klar, dass man auch Drittmittel akquirieren müsse. Und irgendwie auch klar, dass Hauke Hückstädt meint, der Kuchen werde dadurch nicht eben größer: "Das Literaturreferat der Stadt Frankfurt ist längst der größte Konkurrent bei Geldgebern und versteht sich selbst offenbar mehr und mehr als wichtigster Player denn als Förderer und Vermittler. Die Situation ist zerfurcht; ein bisschen Hase und Igel. Anstatt Förderungen zu vermitteln und Partnerschaften zu fördern, ist das Referat immer schon 'all hier', in eigener Sache", schreibt der Literaturhaus-Leiter. Er spricht auch an, dass die öffentliche Förderung nach dem Umzug ans Mainufer nahezu halbiert worden wäre: von 600.000 auf 310.000 Euro.

Das Kulturdezernat hält dagegen, dass anders als im Westend nun auch keine teure Miete mehr zu bezahlen wäre – und andere Institutionen wie der Frankfurter Kunstverein oder die Komödie mit einem ähnlichen öffentlichen Etat auch ein großes, wenn nicht gar aufwendigeres Programm stemmten. Dass die Stadt nicht aufs Literaturhaus als Veranstaltungsort setze, habe ganz einfache Gründe: "Zunächst einmal sollten die Leiter von öffentlich geförderten Häusern frei agieren können, ich will ihnen in ihr Programm nicht reinreden." Konkret sei die Veranstaltung "Frankfurter Premieren" im Dezernat nach dem Wegzug von Suhrkamp entwickelt worden, nachdem die Idee einer solchen Reihe unter Frankfurter Verlegern geäußert worden war. Bei Open Books hingegen sei das Ziel eine möglichst breite Masse an Laufpublikum für Literatur während der Buchmesse zu begeistern – also kein Eintritt, also: Veranstaltungsorte in der City.

"Zugleich ist zu sagen, dass das Literaturhaus ein Programm auf einem sehr hohen Niveau macht, dass es gewachsen ist, nicht nur was den Zuspruch beim Publikum angeht, sondern auch was Vielfalt angeht", sagt Felix Semmelroth. Dass das Kulturdezernat auch eigene Veranstaltungen mache, nütze der Literatur. "Eine Neiddebatte bringt uns nicht weiter."

Herr Hückstädt schließt seinen Brief mit einem Appell, den Etat auch einmal wieder zu erhöhen. "Ich bitte Sie, das Literaturhaus nicht weiter zu vertrösten", heißt es. Auch hier antwortet Felix Semmelroth: Einen Antrag, den Etat zu erhöhen, habe es nicht gegeben. "Es wäre in der derzeitigen Haushaltslage gewiss nicht einfach, aber man hätte es ja wenigstens versuchen können."

So bleibt die Frage, was nun durch den öffentlichen Appell Hückstädts in Bewegung gerät. Der Vereinsvorsitzende des Literaturhauses, Joachim Unseld, lässt jedenfalls schon mal sein Unverständnis über den Schritt einer öffentlich geführten Debatte erkennen. "Sein Vorpreschen hat uns sehr überrascht", lässt er sich in der FAZ vom Mittwoch zitieren. Der gewählte Weg eines Befreiungsschlages sei falsch und auch nicht mit dem Vorstand abgesprochen gewesen. Gleichwohl habe Herr Hückstädt mit einzelnen Kritikpunkten recht. Doch einem stärkeren Wettbewerb, auch wenn er von der Stadt ausgehe, müsse man sich stellen.
11. Februar 2015
nil
 
Nils Bremer
Jahrgang 1978, Politologe, insgesamt 14 Jahre beim Journal Frankfurt, von 2010 bis Juni 2018 als Chefredakteur. – Mehr von Nils Bremer >>
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Leser-Kommentare

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Klaus Rössler am 11.2.2015, 13:24 Uhr:
Man sollte die Diskussion nicht vernebeln lassen. Kernpunkt ist, dass die Stadt ohne eigenes unternehmerisches Risiko Wettbewerb betreibt - da hat Hückstädt zu 100% recht. Dies widerspricht dem Subsidiaritätsprinzip. Und da geht es nicht nur um das Literaturhaus, sonderm um die gesamte Entertainment-Szene, auf deren Kosten die Stadt da Wettbewerb macht. Der limitierende Faktor ist die Freizeit des Kulturmenschen, der Kuchen kann also nur durch mehr Menschen größer werden. Bei der Auslastung mancher kleiner Theater u.ä. geht es bzgl. Rentabilität manchmal nur um wenige Prozent - die dann von der Stadt abgeschöpft werden? Dieses Publikum sollte der (halbwegs) freien Entertainmentszene gelassen werden. Diese Denk- und Handlungsweise vernichtet langfristig bestehendes Unternehmertum und verhindert kurzfristig kreative Neugründungen. Irgendwie ist das nicht richtig. Für mich ist Hückstädt der Lindner der kreativen Szene Frankfurts.
 
 
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