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Ich war im Obdachlosenheim!
 

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Ich war im Obdachlosenheim!

Tokio Hotel-Fans
„Manchmal fühlt man sich schon wie ein Obdachloser, wenn man 'ne Woche auf der Straße pennt“, gesteht der 15-jährige Fan Sarah P. Ein bisschen wie im Obdachlosenheim habe auch ich mich gefühlt, als ich zwei Tage vorm Konzert Tokio Hotel-Fans interviewt habe. Seit Montag warten sie vor der Festhalle Frankfurt, um beim Konzert am Sonntag einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern. Die überwiegend weiblichen Camper wirken ein wenig heruntergekommen, es gibt ja auch keine Duschen... Die Fans - oder eher Groupies - nehmen teilweise lange Reisen auf sich, um ihre Idole, ihren „Lebensinhalt“, von nächster Nähe betrachten zu können. Manche sind 10 Stunden gereist um zum Konzert ihrer Lieblingsband zu gehen. Und wer glaubt, dass nur Kinder und Teenies auf Tokio Hotel stehen, liegt falsch. Sogar 40 jährige Tokio Hotel Fans habe ich gesichtet. Die haben auch kein Problem damit, wenn ihre Kinder „mal 'ne Woche die Schule schwänzen“, um vor einer Konzerthalle zu warten oder dass die Wand der Kinderzimmer nicht mehr zu erkennen ist, weil diese mit hunderten Postern und Bildern von Tokio Hotel zu tapeziert ist...

Tokio Hotel ist für die Mädchen alles! Wenn sich die Band trennen würde, „dann würde ich mich umbringen oder zumindest wochenlang in die Intensivstation müssen. Es geht einfach nicht ohne sie!“ Ich war völlig perplex, als ich das aus dem Munde der 15-jährigen Anna hörte. Es scheint mir, als wären die Mädchen gerade zu abhängig von Bill & Co. Die meisten gestanden, sich direkt angesprochen und aufgebaut zu fühlen, wenn Bill singt „Spring nicht!“, ihr Lebenstraum ist es, ein paar Stunden mit Bill verbringen zu können. Auch wenn sie wegen ihrer Leidenschaft täglich gedisst werden stehen sie zu ihrem Fandasein. „Tokio Hotel macht auch sein eigenes Ding, die scheißen auf die Meinungen der anderen!“ erzählt Limor. Die 17-jährige Kölnerin war schon auf zwölf Konzerten und zeigt mir stolz ihr Tokio Hotel-Tattoo. Der 42-jährige Nico erzählt mir, dass er, seine Frau und seine Tochter schon 4.000€ für sämtliche Konzerte, Poster und Übernachtungen ausgegeben haben! Einige der Mädchen sagen, dass sie nie einen Beruf ergreifen würden, der ihnen das Warten vor Konzerthallen verhindert...

Wenn man so was Krankes hört und sieht, fragt man sich natürlich, wieso das Ganze? Und auch darauf habe ich eine Antwort bekommen. „Weil ich Tokio Hotel so sehr liebe! Tokio Hotel hat ihren eigenen Style, ihre eigene Musik, ihre eigene Meinung! Sie lassen sich nichts sagen.“ meint die 13-jährige Sara. Sie fühle sich von den Texten der Band angesprochen. Sie schrieben von den Problemen und Angelegenheiten der Jugendlichen wie Liebeskummer, Scheidung der Eltern und auch Selbstmord. Die Texte gingen ans Herz und sind in Deutsch, also verständlich und zum Mitsingen...

Etwas unheimlich habe ich mich schon bei meinem Besuch im Obdachlosenheim gefühlt. Hoffen wir, dass die „vergessenen Kinder“ irgendwann wieder von dem Trip runterkommen und nicht ganz vergessen werden...

Eine Konzertkritik von Jane von Rabenau findet Ihr im Musik-Portal.
 
13. April 2007, 17.08 Uhr
Jane von Rabenau
 
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