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Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2017

"Glanz und Elend" in der Schirn

"Epoche am seidenen Faden der Demokratie"

Die Weimarer Republik, auch bekannt als die "goldenen Zwanziger", verbindet man mit den glanzvollen Seiten. Doch dass es auch Schattenseiten gab, zeigt nun die Ausstellung "Glanz und Elend" in der Schirn Kunsthalle.
Fehlende Gliedmaßen, geflickte Körper, grobschlächtige Gesichter: Die Körper der Weimarer Republik waren nicht alle von Luxus und Dekadenz geprägt. Die Ausstellung "Glanz und Elend in der Weimarer Republik. Von Otto Dix bis Jeanne Mammen" in der Schirn Kunsthalle zeigt, dass die Weimarer Republik alles andere als eine glanzvolle Zeit war. Das Bild, das man von den "Goldenen Zwanzigern" hat ist ein trügerisches. Eine fiebrige Hauptstadt, rauschende Feste und Dekadenz auf der einen Seite 1,5 Millionen Kriegsversehrte auf den Straßen, Arbeitslose und Prostituierte auf der anderen Seite. Die Ausstellung in der Schirn führt deutlich vor Augen, dass die Weimarer Zeit eine höchst ambivalente war.




George Grosz: Straßenszene, 1925, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Die Zeit von 1918 bis 1933 ist eine Zeit der Krisen und Übergänge.So sind die Bilder dieser Zeit von einer dunklen Vorahnung geprägt, fast schon prophetischen Charakters. Die Übergangszeit vom Deutschen Kaiserreich zur Diktatur des Nationalsozialismus schlägt sich in einer Anspannung, einem Unbehangen nieder, das unterschwellig deutlich wird. Insgesamt werden in der Ausstellung rund 200 Werke von 62 Künstlerinnen und Künstlern gezeigt, unterteilt in zehn thematischen Räumen. Ein breites örtliches sowie stilistisches Spektrum wird abgebildet: Szenen aus Berlin, Dresden, Leipzig, Rostock, Stuttgart, Karlsruhe, München und Hannover. Nicht nur bekannte Künstler wie Max Beckmann, Otto Dix und George Grosz werden gezeigt, die Ausstellung macht auch auf weniger beachtete Künstler dieser Zeit zu recht wieder Aufmerksam.




Horst Naumann: Weimarer Fasching, um 1928/29, © Nachlass Naumann

Die Arbeiten der Künstler halten die Geschichten ihrer Zeitgenossen fest und zeichnen somit ein breites Panorama dieser Epoche ab: Die Verarbeitung der Folgen des Ersten Weltkriegs mit Darstellungen von versehrten Soldaten und von "Kriegsgewinnern", die Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die Großstadt mit ihrer Vergnügungsindustrie und die zunehmende Prostitution, die politischen Unruhen und wirtschaftlichen Abgründe werden in der Ausstellung ebenso verhandelt wie das Rollenbild der Neuen Frau, die Debatten um die Paragrafen 175 und 218 - die Strafbarkeit von Homosexualität und Abtreibung -, die sozialen Veränderungen durch die Industrialisierung oder die wachsende Begeisterung für den Sport.




Max Oppenheimer: Sechstagerennen, um 1929, © Bartsch

Die Kuratorin Ingrid Pfeiffer wirft einen soziologischen Blick auf die Kunst der Weimarer Republik. "Kunst als Kunst ist für mich nicht mehr so spannend", sagt sie. Überrascht habe sie, wie frühzeitig das Hakenkreuz in der Kunst auftaucht - bereits 1923 malte George Grosz den „Weihnachtsbaum fürs Deutsche Volk“ mit einem Hakenkreuz statt eines Christussterns. "Mein Blick auf die Zeit hat sich völlig gewandelt. Die Weimarer Zeit war immer eine goldene Epoche für mich, so düster hatte ich es nicht vor Augen. Die Darstellungen sind sehr direkt und sehr menschlich", so Pfeiffer. Trotz der negativen gesellschaftspolitischen Entwicklungen, die die Künstler in ihren Werken so pointiert schildern, sei aber bis heute eine prägende "Moderne" entstanden. Die Ausstellung zeigt auch, wie progressiv die Weimarer Republik war. Auf allen Ebenen wurde heftig über die Ausrichtung der Republik diskutiert, über die Rolle der Frau, die Wochenarbeitszeit oder über die Paragrafen zu Abtreibung und Homosexualität. "Neben dem offenkundigen Elend markieren für mich all diese Tendenzen den Glanz der Weimarer Republik", sagt Pfeiffer.




Otto Dix: Zuhälter und Prostituierte, 1923, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Für den Direktor der Schirn Kunsthalle wirft die Ausstellung jedoch nicht nur einen neuen Blick auf diese Epoche. Philipp Demandt richtet vor diesem Hintergrund auch den Blick auf die eigene Zeit: Arm und Reich würden immer weiter auseinanderklaffen, der Ruf nach starker Führung in manchen Teilen der Gesellschaft wecke Erinnerungen. "So tritt uns eine Epoche am seidenen Faden der Demokratie vor Augen, die uns vielleicht in mancher Hinsicht näher ist, als wir glauben wollen", sagt Demandt.

>> "Glanz und Elend in der Weimarer Republik. Von Otto Dix bis Jeanne Mammen", bis 25. Februar 2018, Schirn Kunsthalle, Römerberg. Mehr Informationen unter www.schirn.de.
 
6. November 2017, 12.00 Uhr
Tamara Marszalkowski
 
 
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