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FAZ-Bürgergespräch zur "Lügenpresse"
 
FAZ-Bürgergespräch zur "Lügenpresse"
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Die Macht und Ohnmacht der Medien
Foto: Lukas Gedziorowski
Foto: Lukas Gedziorowski
Am Mittwochabend haben drei Journalisten und ein Medienwissenschaftler über die Kritik an den Medien gesprochen. Während sich die Podiumsteilnehmer gegen den Vorwurf "Lügenpresse" verteidigten, kam Kritik aus dem Publikum.
Wolfgang Donsbach begann mit einem Bekenntnis: "Ich komme aus dem Land der Lügenpresse - aus Sachsen." Der Kommunikationswissenschaftler und Professor an der TU Dresden spielte damit auf die Pegida-Bewegung an, die dort ihren Ursprung hat, und die sich "Lügenpresse" zu einem ihrer Kampfbegriffe gewählt hat, um gegen die "Systemmedien" zu wettern, die ihre Weltsicht nicht teilen - und deshalb, so die Unterstellung, die Wahrheit verdrehen, auslassen oder einfach nur Lügen im Dienste der Machthaber verbreiten.

Beim Bürgergespräch im Holzfoyer der Frankfurter Oper, veranstaltet von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), diskutierten am Mittwochabend drei Journalisten diese Frage mit dem Medienwissenschaftler: FAZ-Mitherausgeber Werner D'Inka, Medienkritiker Stefan Niggemeier und ZDF-Chefredakteur Peter Frey. Letzterer kritisierte Donsbach dafür, den Begriff "Lügenpresse" benutzt zu haben: "Wir dürfen uns nicht ins Bockshorn jagen lassen", sagte Frey. Es handle sich um ein Nazi-Vokabular mit antisemitischen Untertönen. ("Lügenpresse" wurde unter anderem deshalb zum Unwort es Jahres 2014 gewählt.)

Donsbach referierte, es gebe mehrere Gründe für die Medienskepsis: Eine allgemeine Verdrossenheit gegen alles und jeden (wie Politiker, Unternehmer und Journalisten), die mangelnde Bereitschaft, sich zu informieren und dadurch eine Inkompetenz, Ereignisse zu beurteilen. Die gängigen Vorwürfe gegen die Medien lauten, sie seien zu mächtig, zu sensationalistisch, unethisch und korrupt. Dazu komme, dass besonders junge Menschen immer weniger Qualitätsmedien von anderen unterscheiden könnten. Andere wiederum fühlten sich nicht von den Medien repräsentiert, weil diese nicht die Wirklichkeit der Bürger abbildeten.

Werner D'Inka sagte, dass die Skepsis gegenüber den Medien schon immer da gewesen sei, aber jetzt, da jeder die Möglichkeit habe, eine Weltöffentlichkeit zu erreichen, die Kritik deutlicher wahrnehmbarer geworden sei. Auch Niggemeier machte den Medienwandel der vergangenen Jahre für die Medienkritik verantwortlich, da man sich über das Internet aus vielen Quellen informieren könne. Der Journalist wies auch auf die Verantwortung der Bild-Zeitung hin: Paradoxerweise distanziere sie sich von Pegida, obwohl sie der Bewegung selbst die Argumente für ihre Vorwürfe liefere.

Für das ZDF sah Frey in dem Vorwurf, der "Lügenpresse" anzugehören, offenbar kein Problem: "Uns bleiben die Zuschauer treu." Die Nachrichtensendung "heute" habe in den vergangenen Jahren an Zuschauern gewonnen und die öffentlich-rechtlichen Sender erlebten eine "Renaissance der Akzeptanz". Stefan Niggemeier kritisierte eine mangelnde Selbstkritik. Auf heute.de gebe es zwar eine Rubrik, in der Fehler korrigiert werden, sagte er, aber der letzte Eintrag sei bereits Wochen alt. Frey wandte ein, dass die Redaktion jedem Hinweis auf Fehler nachgehe.

Auch D'Inka behauptete das für die FAZ-Redaktion und buhlte um Verständnis für den enormen Zeitdruck, unter denen Nachrichten und Berichte entstehen. Während Journalisten von Tageszeitungen immerhin einen Tag für ihre Arbeit hätten, müssten die Kollegen elektronischer Medien "in Sekunden weitreichende Entscheidungen treffen". Wie in jedem Handwerk passierten auch im Journalismus "Patzer", die man auch anschließend korrigieren müsse. Viele Leser allerdings hätten allerdings den uneinlösbaren Anspruch, dass man in einer Zeitung die Welt erkläre.

Im Laufe der Diskussion wurde klar, dass die Welt ist nicht so einfach ist, dass sie in eine Zeitung passt. Das liegt auch an der Entideologisierung, die in den 90ern eingesetzt hat und sich nun darin bemerkbar macht, dass eine Linken-Politikerin wie Sahra Wagenknecht ganze Seiten in der einstmals als erzkonservativ geltenden FAZ bekommt. "Die Leser wollen die Kampfpresse nicht mehr", sagte D'Inka und belegte das damit, dass auch die dezidiert "linken" Zeitungen wie die "Junge Welt" keine signifikanten Auflagenzuwächse verzeichneten. Niggemeier wandte ein, dass man es sich damit zu bequem mache. Ein Großteil der Nachrichten sei nicht nur einseitig, sondern berichte auch oft dasselbe. Es entstehe der Eindruck: "So komplex wie die Welt ist, sind die Medien nicht." Zudem werde auch häufig berichtet, ohne etwas zu berichten zu haben - wie etwa als nach dem Germanwings-Absturz wild über die Ereignisse spekuliert wurde.

Die Stimmen aus dem Publikum fielen sehr medienkritisch aus - vor allem bezogen auf die öffentlich-rechtlichen Anstalten. Da war von "steuerfinanzierter Desinformation" die Rede, aber auch von Zwangsgebühren für ein langweiliges Programm. Die Nachrichten wurden als zu monoton kritisiert. "Muss es immer einen Wetterbericht und Lottozahlen geben?", fragte eine Frau. Frey rechtfertigte sich: Man versuche, die Nachrichten lebendiger zu machen, aber die Zuschauer erwarteten Rituale. Es sei eine schwierige Gratwanderung zwischen Tradition und Innovation. Frey: "Wenn wir das Wetter oder die Lottozahlen wegließen, würden wir mehr wütende Briefe bekommen, als wenn wir etwas falsch über die Ukraine berichten."
7. Mai 2015
Lukas Gedziorowski
 
Lukas Gedziorowski
Jahrgang 1985, Studium der Germanistik in Frankfurt, seit 2011 freier Journalist, seit 2013 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Lukas Gedziorowski >>
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Leser-Kommentare

Kommentieren
 
Ronald M. Filkas am 11.5.2015, 13:58 Uhr:
Ein kluger Kopf steckt hinter diesem FAZ-Leser jedoch nicht, und wenn Schreib- und Lesefähigkeit zusammenhängen, sehe ich schwarz, was das Verständnis dieser Zeitung anbelangt. Davon abgesehen, ist die FAZ schon lange nicht mehr das erzkonservative Blatt, das es einmal war, also aufpassen, dieter baden!
 
dieter baden am 9.5.2015, 13:50 Uhr:
Das Journal ist eher links..sag ich doch immer. Aber erst recht muß man da mai eine andere Meinung äußern. Ich lese sehr oft Kommentare die meiner Meinung entsprechen...klar,alles Nazis.
Zur Info, Herr Filkas: Ich lese FAZ und auch anderes.
Aber,diese Zeitung lesen Sie wahrscheinlich nicht,ist etwas anspruchsvoller. Aber auch da gibt es genug einseitige nicht ausgegorene Artikel.
Am besten macht man sich selbst Gedanken,dazu ist die Internet und Handygeneration kaum noch fähig.
 
Tobías Rûger am 9.5.2015, 02:55 Uhr:
Nicht gleich eingeschnappt sein, Lukas Gedziorowski. Hinter der zur Schau getragenen Arroganz steckt eine tiefe Verunsicherung, nicht wahr?
 
Ronald M. Filkas am 8.5.2015, 15:18 Uhr:
Das einzige mir bekannte und leider auch am meisten verbreitete Medium, das einseitige Beeinflussung ausübt und dazu noch in großem Stil, ist diese vorgebliche Zeitung mit den großen Bildern und Lettern. Und zu deren Lesern scheint dieter baden zu gehören, wenn es denn nicht weitaus mehr rechts angesiedelte Medien sind (jaja, ich weiß: Gleich kommt wieder die Retourkutsche, dass man doch kein Nazi sei!). Man fragt sich nur, warum er immer wieder in diesem doch eher linken Journal seinen Senf dazugeben muss!
 
dieter baden am 8.5.2015, 14:31 Uhr:
es ist trotzdem bedenklich wenn durch die Medien einseitige Beeinflußung geschieht.
Sie sind ein politisches Instrument geworden!
 
Lukas Gedziorowski am 8.5.2015, 12:23 Uhr:
Liebe Leser, als selbstbestimmte Menschen in einem freien Land steht es Ihnen frei, auf die Lektüre der Systemmedien und der Lügenpresse zu verzichten und Ihre Energie nicht damit zu vergeuden, die Seiten dieser Medien mit Ihren Kommentaren zu zieren. Machen Sie von Ihrer Freiheit ruhig Gebrauch.
 
Nix Nullinger am 8.5.2015, 11:46 Uhr:
Von der Veranstaltung hätte ich auch gern vorher erfahren, schade.

Der Begriff "Lügenpresse" wurde nicht nur von den Nazis verwendet, sondern auch von ihren Gegnern, so in Flugblättern von Widerstandsgruppen gegen das NS-Regime; Goebbels wurde darin als "Meister der Lügenpresse" bezeichnet. Es ist nur ein Versuch der angegriffenen Medien, den Begriff (ähnlich wie bei "Gleichschaltung") für sich zu kapern mit dem Ziel, ihn zu tabuisieren - ein alter Trick der Political Correctness. Denn "Lügenpresse" ist knackig, bringt die Sache auf den Punkt und ist daher für sie gefährlich.

Was Pegida betrifft, so entlarvt sich die Berichterstattung darüber ? gerade auch die vom Journal Frankfurt ? als bodenlose Heuchelei, sollte es doch für jeden Humanisten und gerade auch für die religionskritische Linke eine Selbstverständlichkeit sein, gegen Fundamentalismus auf die Straße zu gehen. Stattdessen schüren die Mainstreammedien eine Pogromstimmung gegen die Demonstranten mit dem Ergebnis, dass Steine und Flaschen geworfen und deren Leben gefährdet wird. Hier wird der Einsatz für Humanismus zur Mutprobe. Das erinnert doch stark an die Methoden der SA.
 
Kurosch Schafei am 7.5.2015, 21:58 Uhr:
Wenn es schon um die Lügen und um die Presse geht, so hat der FAZ-Chef Werner d´Inka bei dieser Veranstaltung ganz richtig festgestellt, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung die Lüge dann nach Art. 5 des GG miterfasst und somit indirekt zugegeben, dass die "Qualitätsmedien" daher unbestraft lügen dürfen. Nur ganz bestimmte Inhalte, wie Holocaust z.B. dürfen nicht geleugnet werden. Da würde ich dann doch ganz gern erfahren, wie viel Lüge seiner Meinung nach, uns in seinem Blatt geboten wird und warum dann sein Produkt als ein Qualitätsmedium bezeichnet werden darf? Wäre nicht ein auf einer profunden Recherche meist gelesener Artikel mit vielen Zustimmungskommentaren ein besseres Qualitätsprodukt und ein erstrebenswertes Ziel? Stattdessen setzen sich die Herren in der Presse und beim Fernsehen ganz andere Ziele und werden mit Recht von den Verbrauchern abgestraft. Statt daraus Konsequenzen zu ziehen, bedienen sich die systemkonformen Medien durch staatliche Subventionen und sehen die Verbraucher als faule uninformierte Banausen, so zumindest interpretierte das Kommunikationswissenschaftler W. Donsbach. Kritik lassen sie nicht gelten, so war zumindest mein Eindruck von der gesamten Veranstaltung. Daher ist der Bergiff "Lügenpresse" an dieser Stelle mehr als angebracht! Die Veranstalter konnten ihn nicht entkräften. Zum Glück haben wir Internet und können uns durch die Vielfältigkeit der Angebote eine objektive Meinung bilden.
 
dieter baden am 7.5.2015, 16:47 Uhr:
Das Wort ist zwar etwas Überzogen,aber:
die Medien berichten ziemlich einseitig in politische Mainstreamrichtungen. Die Beeinflußung der Leser erfolgt Durch:
immer wieder gleiche Botschaften,so dargestellt,das eine gewollte Meinung dazu entsteht
Durch die Auswahl; was wird berichtet..was nicht.
Viele Fakten werden einfach unterschlagen.
Die Medien sind nicht überparteilich und ausgewogen.
Ist es denn das Journal???? .
 
Ralf Ressel am 7.5.2015, 15:55 Uhr:
"Lügenpresse" ist ja auch ungenau, denn oft ist es ja nur die Wortwahl, die eine Botschaft in die Köpfe der Leser hämmern soll, wenn steinewerfende Randalierer bspw. "Gesicht zeigen" oder "sich quer stellen" oder "ein Zeichen setzen", während eine winzige, auf ihrem demokratischen Recht beharrende und von der Polizei nur mühsam und lückenhaft geschützte Demonstrantengruppe grundsätzlich nur "aufmarschiert" während ihnen die Polizei "die Straße freiprügelt". Da man bspw. "Suggestion" schlecht in eine Parole packen kann, ist "Lügenpresse" weiterhin prima. Und wenn man dafür die Goebbels- und Antisemitenkeule bekommt (für das seit Jahrhunderten bekannte "Lügen wie gedruckt"), dann weiß man, wie richtig man lag.
 
Ronald M. Filkas am 7.5.2015, 14:02 Uhr:
Ein Teufelskreis, besonders für die Printmedien: erst massig Journalisten entlassen und sich dann für durch Zeitdruck entstandene Fehler und mangelnde Sorgfalt rechtfertigen müssen!

Hätte das Journal übrigens nicht schon im Vorfeld auf diese Veranstaltung oder beispielsweise auch dieses Symposium zu Schrift im Gutenberg-Museum im Mainz kürzlich hinweisen können, anstatt im Nachhinein darüber zu berichten, und Hinweisen auf solche Partys mit einem unangenehmen Beigeschmack wie der auf dem Friedberger Platz den Vorzug in den Ankündigungen zu legen? Denn auch hier und bei der Auswahl der Themen hätte sich Qualitätsjournalismus zeigen können!
 
 
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