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Emmanuel Macron an der Goethe-Uni
 

Emmanuel Macron an der Goethe-Uni

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Macrons Visionen von Europa: Emanzipation durch Exzellenz

Foto: Dettmar/Goethe-Universität
Foto: Dettmar/Goethe-Universität
Der französische Präsident Emmanuel Macron eröffnete am Dienstag die Frankfurter Buchmesse. Doch zuvor sprach er mit Daniel Cohn-Bendit und Gilles Kepel an der Goethe-Universität über die Zukunft Europas.
Es ist immer eine besondere Anspannung in der Luft spürbar, wenn sich der Besuch eines Staatsoberhauptes ankündigt. Am Dienstagnachmittag besuchte der französische Präsident Emmanuel Macron die Goethe-Universität, um mit dem langjährigen Europaparlamentarier Daniel Cohn-Bendit und dem französischen Soziologen und Islamismusexperten Gilles Kepel über die Zukunft Europas zu reden. Draußen vor dem Casino wurden Fahnen und Banner der Bewegung "Pulse of Europe" gehisst. Später sangen die Anhänger der Bewegung zur Begrüßung des französischen Präsidenten die "Ode an die Freude" per Megafon.

Macron verspätete sich um eine Viertelstunde. Der Festsaal des Casinos verstummte immer wieder gespannt, Hälse wurden gereckt. Die ersten Reihen des Festsaals waren für Studierende bestimmt, in der Mitte des Saales folgten Lehrende und Honorierte und erst hinten in den letzten Reihen folgte die Presse. Doch Macron setzt nicht nur damit ein deutliches Zeichen. Sein Besuch an der Goethe-Universität erfolgte noch vor der Eröffnung der Buchmesse mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

"Wir brauchen mehr Demokratie in Europa"
Das, was wir hier in Europa hätten, gebe es nirgendwo anders, stellte Macron fest und betonte damit sogleich den Stellenwert dieses besonderen Projekts. Doch im Laufe der Zeit, während man von Hegemonie träume, habe man den Faden verloren. Was es jetzt brauche, sei Konvergenz – als Bindemittel, als Zement. Cohn-Bendit sprach die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens an und kritisierte, dass sich Europa nicht rühre. Er fragte den französischen Präsidenten, ob Europa nicht aktiver eingreifen solle. Doch als Staatsoberhaupt eines anderen Landes könne er nicht in innerspanische Angelegenheiten eingreifen, erklärte Macron und zog deutlich eine Linie. „Es braucht ein Europa der Einheit, ein Europa der Souveränität“, sagte Macron und setzt dabei auf Dialog. „Wie auch beim Brexit ist das eine Debatte, die wir führen müssen.“

Gilles sprach das Thema Sicherheit in Europa an. Er konstatierte, dass es eine globale europäische Politik brauche und dass man die Ängste in der Bevölkerung ernst nehmen müsse, sonst würde die Gesellschaft noch weiter nach rechts rücken. Auch müsse sich die Jugend mehr mit Europa identifizieren können. Macron stimmte zu, dass es an einer politischen Roadmap fehle. Er bevorzuge es, in den konfliktgeplagten Ländern zu stabilisieren und eine gemeinsame geopolitischen Strategie zu entwickeln. „Aufgabe der Politik ist es, Konflikte zu lösen“, sagte Macron und schlug eine Brücke zur Wissenschaft. Denn Konflikte benötigten eine akademische Auseinandersetzung.

Emanzipation durch Exzellenz
Der Terrorismus habe seine Netze auch in unseren Ländern, stellte Macron fest. Terrorismus sei nicht nur mit der Bekämpfung des IS beizukommen. Macron zog ganz klar auch die eigene Gesellschaft in die Verantwortung. "Ein glückliches Kind wendet sich nicht dem IS zu." Deswegen sei es auch die Aufgabe unserer Gesellschaft und in erster Linie ein Kampf um Erziehung und Bildung: Emanzipation durch Exzellenz.

Macron sieht in Europa ganz klar die Möglichkeit Frieden im Pluralismus zu schaffen. Dabei setzt er hauptsächlich auf Kultur und Bildung, spricht jedoch nicht wie in seinem Vortrag an der Sorbonne im September von konkreten Maßnahmen. Die Präsidentin der Goethe-Universität, Birgitta Wolff, gab in ihrer Anmoderation eine Vision Macrons wieder: Dass bis zum Jahr 2024 die Hälfte der Altersgruppe bis 25 Jahren mindestens sechs Monate in einem anderen europäischen Land verbracht haben sollte.

Am Ende blieb allerdings doch wenig Zeit für diejenigen, die an diesem Tag im Mittelpunkt standen: den Studierenden. Drei Fragen wurden von Studentinnen gestellt. Eine Französin mit arabischen Wurzeln sprach über Identität und fragte, woran es liege, dass Franzosen oder Deutsche sich nicht als solche fühlen oder bezeichnen würden. Es ging aber auch um die Rolle der Universität in der Zivilgesellschaft und darum, ob das französische System der Grande école noch zeitgemäß sei, führe es doch zu einer sozialen Spaltung. Macron reagierte offen und versöhnlich, musste sich jedoch kurz halten. Und dann war er auch schon wieder weg. Und auch im Gras auf dem Campus lagen keine Europa-Fahnen mehr.
11. Oktober 2017
Tamara Marszalkowski
 
Tamara Marszalkowski
Jahrgang 1987, Studium der Kunstgeschichte, Ethnologie und Pädagogik in Frankfurt, seit 2015 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Tamara Marszalkowski >>
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