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"Die Becher-Klasse" im Städel
 

"Die Becher-Klasse" im Städel

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Ein Bild reicht nicht aus

Foto: Andreas Gursky / VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / Courtesy Sprüth Magers Berlin London
Foto: Andreas Gursky / VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / Courtesy Sprüth Magers Berlin London
Eine wunderbare Ausstellung hat im Städel Museum eröffnet: "Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse" zeichnet die Bedeutung des Ehepaars Bernd und Hilla Becher für ihre Schüler und die Kunstgeschichte nach.
"Es gab eine Zeit, in der die Fotografie noch nicht angekommen war", sagt Kurator Martin Engler. Als er noch studiert habe, habe man einen Fotografen ins Seminar eingeladen, um die Fotografie zu erklären. Bei seiner Kollegin Jana Baumann, die die Ausstellung mitkuratiert hat und eine Generation später studiert hat, sei das bereits anders gewesen. Die Ausstellung "Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse" spürt nach, inwiefern die Bechers ihre Studenten beeinflusst haben und man von einer Becher-Schule sprechen kann und wie sie sich in die Kunstgeschichte eingeschrieben hat.

Doch zurück zum Anfang. 1976 wurde an der Düsseldorfer Akademie der Lehrstuhl für künstlerische Fotografie gegründet. Bernd Becher übernahm die Professur, kooperierte in der Ausbildung der Studenten eng mit seiner Frau Hilla Becher zusammen. In der Becher-Klasse wurden erstaunlich viele bedeutende Fotografinnen und Fotografen ausgebildet, die auch international sehr renommiert sind. Das Städel zeigt neun von ihnen: Volker Döhne, Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte, Tata Ronkholz, Thomas Ruff, Jörg Sasse, Thomas Struth und Petra Wunderlich. Die Ausstellung untersucht welchen Einfluss die Lehrer auf ihre Studenten hatten und wovon sie sich auch abgrenzten. So stellten Engler und Baumann Typologien auf, anhand derer sie den Becher'schen Einfluss nachzeichnen.

Als das Ehepaar im Jahr 1959 seine Arbeit aufnahm, war die Fotografie als eigene Kunstform noch nicht etabliert - mit einigen seltenen Ausnahmen wie zum Beispiel der Bauhaus-Fotografie. Die Bechers bildeten einen neuen fotografischen Werkbegriff: Anstelle einer einzelnen Aufnahme, die sich der Wahrheit verbürgt, trat die Serie mit ihrer Gleichzeitigkeit und der Wiedergabe einer komplexen Gegenwart.




Bernd und Hilla Becher: Fachwerkhäuser, 1959-61 / 1974, © Estate Bernd & Hilla Becher

Bernd und Hilla Becher fassten ihre Serien mit einer erstaunlichen Strenge und Konsequenz in Typologien um, die auch ihre Schüler stark beeinflusste. Das Hauptthema der Bechers waren im Vergehen begriffene Industriearchitekturen in Europa und den USA. Mit einer beachtlichen technischen Präzision und Distanz widmeten sie sich diesem Thema. Ihre Schüler übernahmen diesen Ausgangspunkt und bezogen ihn nicht nur auf Architektur, sondern auch auf das Milieu der alltäglichen Umgebung.




Candida Höfer: Weidengasse Köln VIII 1977, 1977 (2013) © Candida Höfer, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Anfang der Neunziger Jahre begangen dann Andreas Gursky, Thomas Ruff und Jörg Sasse mit digitaler Bildbearbeitung zu arbeiten. Eine der ersten Arbeiten dieser Art im Werk Gurskys ist Paris, Montparnasse. Es zeigt die Fassade eines Wohnblocks, die er aus mehreren Perspektiven aufgenommen und danach digital zusammengesetzt hat. Ihre Abbildung aus einer einzigen Perspektive wäre nicht möglich gewesen. Eine scheinbar dokumentarische Darstellung der Realität wird durch die Bearbeitung zugespitzt und verdichtet. Gursky grenzte sich von den Bechers ab, indem er nicht in typologischen Serien arbeitete, sondern Einzelwerke schuf.




Andreas Gursky: Paris, Montparnasse, 1993 (vor 2003) © Andreas Gursky / VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / Courtesy Sprüth Magers Berlin London

Thomas Ruff hingegen sah sich der seriellen Arbeitsweise seiner Lehrer verpflichtet. Er hinterfragt den Wahrheitsgehalt der Fotografie, nutzt dafür aber unterschiedliche Methoden. Was in der seriellen Methodik der Bechers zugrunde liegt, erweitert er durch eine digitale Bearbeitung seiner Bilder. Damit durchkreuzt er die Verpflichtung der Fotografie, die Realität neutral wiederzugeben.





"Die Becher-Klasse" ist eine wunderbare Ausstellung, die Größen der Fotografie versammelt. Man kann sich ganz köstlich verlieren in dem kühlen Industriechic und dem distanzierten Blick auf's Milieu, der so eigentümlich mit einer gewissen Ironie kokettiert. Auch bereitet die Ausstellung eine große Freude an den Stellen, an denen man den Einfluss der Lehrer auf ihre Schüler nachvollziehen kann und sieht wie sie ihn weiterentwickelt haben.




Volker Döhne: Ohne Titel (Bunt), 1979 (2014), © Volker Döhne, Krefeld 2017

>> "Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse", 27. April bis 13. August 2017, Städel Museum, Dürerstraße 2. Mehr Informationen unter www.staedelmuseum.de.
28. April 2017
Tamara Marszalkowski
 
Tamara Marszalkowski
Theaterredakteurin. Jahrgang 1987, Studium der Kunstgeschichte, Ethnologie und Pädagogik in Frankfurt, seit 2015 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Tamara Marszalkowski >>
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