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Der letzte Vorhang fällt 2013
 

Der letzte Vorhang fällt 2013

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Warum das Frankfurter Volkstheater schließt

Noch eine letzte Spielzeit, dann ist Schluss im Volkstheater Frankfurt, das 1971 von der Schauspielerin Liesel Christ mitgegründet wurde. Die Gründe für das Aus sind vielschichtig. Eine Zusammenfassung.
Die Pressekonferenz am vergangenen Freitagmittag war bedrückend. Die Leiterin des Volkstheaters Frankfurt Gisela Dahlem-Christ (Foto) rang um Fassung, als sie das Aus für das von ihrer Mutter Liesel Christ mitgegründete Haus bekanntgab. "Es war gewiss eine schwere Entscheidung", sagte sie und bemühte sich redlich auf die nun noch folgende letzte Spielzeit hinzuweisen, die in der Tat etliche Highlights bereithält - etwa die hessische Version der Revue "La Cage aux Folles", die von Gaines Hall inszeniert wird. Im Mai 2013 soll nach der Aufführung des Shakespeare-Stücks "Ende gut, alles gut" der letzte Vorhang im Großen Hirschgraben fallen. Wie konnte es dazu kommen? Fünf Gründe.

1. Baustelle Großer Hirschgraben
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ist jüngst ins Haus des Buches umgezogen. Sein altes Domizil über dem Volkstheater ist baufällig - und kann laut Angaben der Stadt nicht mehr saniert werden. Kulturdezernent Felix Semmelroth (Foto links) plant an dieser Stelle, direkt neben dem Goethe-Haus, ein Romantikmuseum zu errichten. Ob es schon kommendes Jahr gebaut wird, ist angesichts der finanziellen Lage der Stadt unklar. Klar ist nur: Ende dieses Jahres soll ein Architektenwettbewerb gestartet werden. Fürs Volkstheater hätte also ein Übergangsquartier herhalten müssen - das aber wollte Gisela Dahlem-Christ nicht. "Dieses Theater gehört mit seinem Cantate-Saal hierher", sagt sie. Vor zwei Monaten begründete sie in einem Brief an den Kulturdezernenten so das Aus. Aber eben nicht nur.

2. Finanzielle Lage
Das Volkstheater befand sich seit Jahren in einer finanziell schwierigen Lage. Nach dem Tode Liesel Christs im Jahr 1996 war es nicht gelungen, das Haus auf feste Füße zu stellen. Hätte das Kulturamt das Haus retten können? Felix Semmelroth verneint dies. "Ich würde mir wünschen, mehr Geld zur Verfügung zu haben - doch das ist leider nicht so." Das Volkstheater wurde vom Kulturamt Jahr für Jahr mit 620.000 Euro unterstützt - kein geringer Betrag, wenn man ihn etwa mit der Unterstützung für sämtliche freie Theaterprojekte der Stadt vergleicht: die kommt auf gut eine halbe Million Euro.

3. Nachfolge
Die beiden Töchter Liesel Christs bemühten sich um eine Nachfolge für die Theaterleitung - wurden aber nicht fündig. Theatermacher Michael Quast war kurzzeitig im Gespräch, wurde gar als künstlerischer Leiter eingestellt, strich dann aber aufgrund von Differenzen über die Ausrichtung des Hauses die Segel.

4. Inhalte
Trotz des Absprungs von Michael Quast versuchte sich das Volkstheater auch an inhaltlichen Neuerungen. Schon vor Jahren hatte man etwa Ralf Bauer engagiert, der in der eindrucksvollen Freiluft-Bühne über dem Archäologischen Garten den Jedermann gab. Auch das Engagement von Focus-Herausgeber Helmut Markwort sorgte für ein großes Medienecho - und entsprechende Zuschauerzahlen. Im Haus selbst ist seit zwei Jahren Regisseurin und Autorin Sylvia Hoffman für das Programm verantwortlich. Das Publikum konnte verjüngt werden, aber nicht im erhofften Ausmaße - und auch nicht quantitativ.

5. Fliegende Volksbühne
Michael Quast feiert derweil Erfolge mit seiner Fliegenden Volksbühne, die unter anderem jeden Sommer im Höchster Bolongaro-Garten mit "Barock am Main" wahre Publikumsmassen anzieht. Dieses zweite Frankfurter Volkstheater lief dem Christ'schen den Rang ab - in einigen Jahren soll es auch eine feste Spielstätte bekommen. Die Stadt investiert Millionen in die Sanierung des Sachsenhäuser Paradieshofes. Die Stadt verliert also ein Volkstheater und gewinnt alsbald ein neues hinzu.

Wie gewonnen, so zerronnen. Übrigens auch ein Stück, dass das ironiegestählte Haus am Großen Hirschgraben in seiner letzten Spielzeit zum Besten gibt.
 
22. April 2012, 15.24 Uhr
Nils Bremer
 
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Leser-Kommentare

Kommentieren
 
dieter am 24.4.2012, 10:17 Uhr:
Gut das die Geldverschwendung der Stadt hierfür ein Ende hat. Wir haben wirklich genug Kultur und dieser Art der recht anspruchslosen Unterhaltung.-
Es gibt die Kömödie und für Herrn Quast gibt es auch ein neues Theater. Ausserdem sterben die Besucher für unsere Kultur bald aus. Man sieht kaum bis keine Migranten/ Ausländer in der Alten Oper und anderen kulturellen Enrichtugen.
 
Karin Zierenberg am 24.4.2012, 08:50 Uhr:
Soweit hätte es nicht kommen müssen und mit Sicherheit gibt es auch noch was zu retten, wenn man denn nur wollte. Gerade Frankfurter bzw. Hessische Künstler sind sicher bereit die künstlerische Leitung zu übernehmen, wenn die zukünftige Standortfrage und die finanzielle Basis geklärt wäre. Einen Standort zu finden, der bezahlbar ist, ist natürlich nicht leicht. Da ist u.a. die Stadt gefordert und auch diverse Grundeigentümer. Vielleicht sogar Banken wie die Fraspa, die über eigene Immobilien verfügen. Und für das Finanzielle ist zum Einen die Stadt da und zum Anderen auch hier private Investoren, wie Banken, Frankfurter Traditionsunternehmen und Stiftungen, die hier ein Sponsoring wie im Sport vornehmen könnten. Ich denke da an die Fraport, die Fraspa oder Frankfurter Stiftungen, etc.. Wenn man denn wollte, ginge alles. Doch müssen sich erst mal Begeisterte finden, die dies anstoßen, denn die jetzige Prinzipalin kann und will nicht mehr, aus den verschiedensten Gründen, was man zum Teil versteht. Also am Besten einen Verein, o.ä. von Freunden des Volkstheaters gründen, der dies alles angeht und das Volkstheater rettet.
 
 
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