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Der Streit um den Nusoul-Club der Zeleke-Brüder
 

Der Streit um den Nusoul-Club der Zeleke-Brüder

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Ein unangenehmer Prozess für die DekaBank

Foto: © Bernd Kammerer
Foto: © Bernd Kammerer
Die Zeleke-Brüder verloren mit ihrem Club Nusoul auch eine Installation des Künstlers Tobias Rehberger. Von der Deka fordern sie dafür in zweiter Instanz Schadensersatz. Für die Banker bedeutet das ungewollte Aufmerksamkeit.
Wie jede Geschichte, so lässt sich auch der Rechtsstreit zwischen den Zeleke-Brüdern und der DekaBank in unterschiedlichen Schattierungen schildern. Es werden, je genauer man hinsieht, immer weitere Verästelungen deutlich, die die Sache verkomplizieren. Wie jede Geschichte, so ist auch diese nicht einfach. Für keinen der Beteiligten. Erst recht, weil die Sache mittlerweile ein Fall vor dem Oberlandesgericht ist. Am Freitagvormittag beginnen die Verhandlungen in zweiter Instanz.

Ein neuer Club im Ostend
Die Sache verhält sich, einfach betrachtet, so: Taff, Yeshi und Mengi Zeleke machten im Juni 2009 ihren neuen Club Nusoul in der Sonnemannstraße im Frankfurter Ostend auf. Zuvor hatten sie mit dem Unity einen der besten Clubs der Stadt. Mit dem Nusoul ließ sich die Sache aber nicht so leicht an. Unter anderem auch, weil eine Groß-Baustelle den Laden ein bisschen von der Öffentlichkeit abschirmte. Mit dem Vermieter, der Firma WestInvest, die zur DekaBank gehört, ließ man sich auf einen Vergleich ein. Die Miete durfte für die Zeit der Bautätigkeiten geringer ausfallen, dafür kündigten die Zeleke-Brüder an, künftig keine Monatsmiete mehr zu versäumen. Machten sie aber doch – wenn auch nur um wenige Tage. Die Bank kündigte den Vertrag. Und dann beginnen die Ungereimtheiten. Im Club befand sich eine größere Rauminstallation des Künstlers Tobias Rehberger. Der Städelschul-Professor legte in einer Mail an die Bank Wert darauf, dass das Kunstwerk ein Geschenk an die Zeleke-Brüder gewesen sei – und demnach nicht veräußert oder in die Hände Dritter gelangen dürfe.

Die Räumung
Im Januar 2013, gut ein halbes Jahr nach der Räumung des Ladens, tauchen Teile der Kunst doch wieder auf – in einem Club auf der Berliner Straße und in einem Off-Club im Bahnhofsviertel. Der Künstler war empört – und nachdem sogar die Tagesschau über die Kunstzerstörung berichtete, rang sich die DekaBank auch eine Entschuldigung ab: "Wir bedauern sehr, dass der Wunsch von Herrn Professor Rehberger, die Objekte nicht in Hände Dritter gelangen zu lassen, von uns nicht konsequent umgesetzt wurde. Dies ist unser Versäumnis und entspricht nicht dem Anspruch unseres Hauses an den Umgang mit Kunst. Die entstandenen Unannehmlichkeiten für Herrn Professor Rehberger und sein Wirken als Künstler bedauern wir sehr und haben dies auch in einem persönlichen Gespräch zum Ausdruck gebracht." Das Zitat ist übrigens Teil eines der ausführlichsten Statements, die die Bank zu dem Komplex abgegeben hat. Was nun die Räumung angeht, so behaupteten zwei Zeugen vor Gericht, die Zelekes hätten sich während der zweiwöchigen Frist gar nicht gemeldet – mithin hätten sie wohl auch kein Interesse an der Kunst gehabt. Dies ist nun auch Gegenstand in der zweiten Instanz. Die Zeleke-Brüder haben nämlich die Einzelverbindungsnachweise aufgetan, die belegen sollen, dass es zahlreiche Kontaktversuche zum Immobilienmanager der WestInvest und zum Hausverwalter, der bei einem Subunternehmen des Bilfinger Konzerns beschäftigt ist, gab. Es steht also der Vorwurf im Raum, dass die beiden Herren die Unwahrheit gesagt haben – auch ob sie dies in Absprache mit ihren Unternehmen taten, ist offen.

Die Kommunikation der Bank
Die DekaBank versuchte sich in der Öffentlichkeit mit der sogenannten Salami-Taktik. Alles abwiegeln und erst, wenn es nicht mehr anders geht, ein Statement abgeben. Dazu kommen seltsame Anrufe an Journalisten oder deren Vorgesetzte – etwa wenn ein Medienvertreter einen der zahlreichen Artikel (Capital, Tagesspiegel, FAZ und viele andere bundesweite Medien waren an der Sache dran) bei Facebook teilte. Oder wenn nicht genehme Fragen gestellt wurden. Ein Mitarbeiter einer großen Tageszeitung schildert im Gespräch mit dem Journal Frankfurt, wie versucht wurde, recherchierende Journalisten bei Vorgesetzten zu diskreditieren, sie hätten nicht ordentlich recherchiert, sie würden eine Kampagne gegen die DekaBank fahren und dergleichen mehr. Bei der Chefredaktion des Journal Frankfurt wurde über eine Kollegin gesagt, sie habe nichts verstanden, habe wohl in einem anderen Gerichtssaal gesessen und habe sich überhaupt zum Büttel der Zeleke-Brüder gemacht. "Was haben Sie da nur für eine unseriöse Kollegin?" Schriftlich bekommt man solche Aussagen freilich nicht, wie überhaupt am Telefon und in persönlichen Gesprächen sehr viel über den Fall offenbart wird, was man dann aber am Ende bitte nicht schreiben dürfe. Laufendes Verfahren und so, Sie verstehen...

Dabei wäre es doch schön, wenn man auch die Sicht der DekaBank auf die Dinge einmal ebenso ausführlich schildern könnte, wie die der Gegenseite. Als wir nachfragen, wie es sein kann, dass die Musikanlage aus dem Club an einen Konkurrenten verkauft wurde, dessen Frau just im Vorzimmer jenes Herren bei der Bank sitzt, der die Kündigung über den Club ausgesprochen hat, wird unverhohlen mit juristischen Schritten gedroht: "Im Übrigen weisen wir nachdrücklich daraufhin, dass an der identifizierbaren medialen Erwähnung einzelner Personen kein berechtigtes öffentliches Interesse besteht und die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen zu wahren sind." In einer weiteren Stellungnahme zu diesem Komplex heißt es: "Wir weisen darauf hin, dass diese Stellungnahme nicht zu Zwecken der Veröffentlichung dient." Den Artikel dazu können Sie hier lesen.

Der Prozess vor dem Oberlandesgericht
Auch deswegen ist der morgen beginnende Gerichtsprozess für die Medien wieder so interessant. Clubmacher, die eine Bank verklagen. Eine Bank, die zum renommierten Sparkassen Giroverband gehört und die nicht viel sagen will. Ein millionenschweres Kunstwerk, von dem nichts mehr übrig ist. Dazu Vorwürfe, die von genannter Falschaussage bis hin zu Zeugenbeeinflussung reichen. Kurzum: Gelegenheiten genug, diese Frankfurter Geschichte mit bundesweiter Ausstrahlung in ihren vielen Schattierungen, ihren Verästelungen aufzuschreiben. Auch wenn es keine einfache Geschichte ist. Vor allem nicht für die Beteiligten.

>> Alles zum Thema Nusoul

Das Foto zeigt Taff, Yeshi und Mengi Zeleke bei der Eröffnung ihres Clubs Nusoul am 8. Juni 2009.
 
9. Juli 2015, 10.36 Uhr
Nils Bremer
 
Nils Bremer
Jahrgang 1978, Politologe, insgesamt 14 Jahre beim Journal Frankfurt, von 2010 bis Juni 2018 als Chefredakteur. – Mehr von Nils Bremer >>
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Leser-Kommentare

Kommentieren
 
Philipp Schröter am 9.7.2015, 18:40 Uhr:
Wurde die Anlage nicht durch den Verkäufer weiterveräußert, weil die Betreiber des NuSoul die Anlage nie bezahlt hatten? Mich wundert es schon etwas, dass das Journal Frankfurt hier stets die "David gegen Goliath"-Nummer fährt. Das NuSoul lief schlichtweg nie wirklich rund. Musste es nicht aus wirtschaftlichen Gründen, einschließlich der Mietrückstände die Türen schließen?
 
Uwe Looschen (GastronomieRheinMainde) am 9.7.2015, 14:29 Uhr:
Von der Vorzimmerdame wußte ich bisher auch nicht, obwohl ich den Fall seit Beginn aufmerksam mit verfolge. Hier scheint sich eine Bank wieder mal so richtig verzockt zu haben. Da die Verhandlungen öffentlich sind, sollten auch viele Details veröffentlicht werden. Hoffentlich bleibt das Journal so nah dran wie bisher. Und wenn ein Anruf von der Deka kommt: einfach auflegen. Wirkt immer

Ich wünsche den drei Zelekes viel Geduld und Nervenstärke. Ich glaube, das Verfahren geht zu euren Gunsten aus. Den Banken darf man nicht alles durchgehen lassen.
 
Christian Six Spreen am 9.7.2015, 13:08 Uhr:
Oh, ich finde an der Sache mit der Vorzimmerdame besteht auf jeden Fall ein öffentliches Interesse - ich als Teil der Öffentlichkeit würde zumindest gerne mehr dazu erfahren. :)
 
 
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